Wiener Neustadt

Erstellt am 18. Juli 2016, 13:29

von Tina Jedlicka

Wr. Neustadt: Hohe Haftstrafen nach brutaler Raubserie. Am Landesgericht Wiener Neustadt startete am 18. Juli der Prozess gegen die sogenannte Froschbande. Laut Staatsanwalt Markus Bauer Berufsverbrecher, die sich allein stehende oder ältere Opfer gesucht haben und bei den Überfällen äußerst brutal vorgegangen sind. Die NÖN berichtete laufend die neuesten Updates.

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MONTAG, 25. Juli: Urteilsverkündung

Der Chefinspektor, der die Ermittlungen gegen die Froschbande leitete, wurde als Zeuge geladen und schilderte, wie man die Männer schließlich schnappen konnte. Drei weibliche Opfer erinnerten sich mit Schrecken an die Vorfälle, wobei alle drei Damen sehr rüstig waren und zwei von ihnen auch nicht in Abwesenheit der Angeklagten einvernommen werden wollten.

"Wäre ohne Operation gestorben"

Die beiden Opfer Ulrike Pressler aus Sternberg und Martha Post aus Puchberg wollten vor den Angeklagten eingenommen werden.  |  NÖN

Ulrike Pressler etwa aus Sternberg schilderte wie sie nach einer Radpartie heimkehrte und zunächst dachte ein Bekannter wolle sich einen Scherz erlauben und springe aus einer finsteren Ecke vor ihrem Haus. Einen Schlag später wusste sie, was Sache war. Doch der Schlag blieb nicht der letzte. Die Männer schlugen immer wieder auf sie ein. Ein doppelter Kieferbruch, ein Jochbeinbruch, ein Schädelhirntrauma sowie ein geplatzten Trommelfell, Einblutungen in Leber, Niere und Bauchspeicheldrüse waren die Folgen davon.

Damit nicht genug wurde bei einem CT noch ein neurologisches Problem diagnostiziert. "Hätte man mich nicht operiert, wäre ich irgendwann einfach umgefallen und gestorben. Den Umstand, dass ich noch lebe, habe ich dem Umstands zu verdanken, dass ich so fit bin. Drei Wochen vor dem Überfall bin ich noch einen Marathon gelaufen", so die rüstige 73-Jährige.

Opfer forderten bis zu 45.000 Euro

Die Puchbergerin Martha Postl wurde im Schlaf um drei Uhr Früh durch Schläge geweckt. Die Frau stellte sich bewusstlos. "Ich habe epileptischen Anfälle vorgetäuscht und so haben sie bald von mir abgelassen", trug sie im Vergleich zu anderen Opfern nicht allzu große Verletzungen davon. Eine 88-Jährige wurde im Haus ihrer Tochter in Gänserndorf in der Nacht überfallen. "Es waren lauter kleine Männer", meinte die Frau, die einige wieder erkannte.

Kurz vor den Schlussplädoyers wurden die Angeklagten noch einmal nach ihren Verantwortungen befragt und beschuldigten sich kreuz und quer gegenseitig. Die Opfer haben bis zu 45.000 Euro für die erlittenen Schmerzen von den Angeklagten gefordert, die Angeklagten erkannten die Summen teilweise an.

Die restlichen Opfer sagten nicht persönlich beim Prozess aus, ihre Aussagen wurden vorgelesen. 

Urteil: Haftstrafen zwischen 8 1/2 bis 19 Jahren

Um 15 Uhr wurde das Urteil für die neun Mitglieder der Froschbande am Landesgericht Wiener Neustadt vom Schöffensenat verkündet. Die Männer wurden mit geringfügigen Änderungen der Anklage schuldig gesprochen, der 6. und der 8. Angeklagte als Beteiligte, sie sollen als Chauffeur bei den Rauben tätig gewesen sein.

Die Männer wurden wegen schweren Raubes zu Haftstrafen zwischen 8 1/2 bis 19 Jahren verurteilt. Die Strafdrohung bei einem Großteil der Männer wurde von 15 auf 20 Jahre erhöht, weil sie aufgrund des raschen Rückfalls nach der letzten Enthaltung den Paragraphen 39 der Strafverschärfung erfüllen. Die Bewachung der Angeklagten war schon wie während des Prozesses erhöht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.