Erstellt am 08. November 2016, 20:45

von APA Red

Erste Stimmen ausgezählt. Mit einem fulminanten Finale haben Hillary Clinton und Donald Trump den wohl spektakulärsten Wahlkampf in der US-Geschichte zu Ende gebracht.

Es wird spannend  |  APA/ag.

Die frühere Außenministerin und First Lady Clinton ging als Favoritin in den Wahltag am Dienstag. Die meisten Umfragen sahen sie knapp vorn. Beide Kandidaten investierten zum Schluss noch einmal Millionen in abschließende TV-Werbespots.

Beide Präsidentschaftskandidaten haben ihre Stimme bereits abgegeben. Die Demokratien Hillary Clinton besuchte gegen 08.00 Uhr morgens (Ortszeit) in der Nähe ihres Wohnortes in Chappaqua im US-Staat New York das Wahllokal in einer Schule. "Ich werde mein Bestes geben, wenn ich heute die Chance bekomme zu gewinnen", rief sie im Beisein ihres Mannes Bill Clinton etwa 150 begeisterten Anhängern zu.

Der Republikaner Donald Trump warf seinen Stimmzettel in einer Schule im Geschäfts- und Bürozentrum von Manhattan gemeinsam mit seiner Frau Melania um kurz nach 11.00 Uhr in die Urne, wie der US-Sender "CNN" berichtete. Empfangen wurde der 70-jährige Immobilienmilliardär von einer Mischung aus sturmischem Applaus und Buh-Rufen.

Auch die ersten Stimmen wurden bereits ausgezählt. Bei der traditionellen mitternächtlichen Abstimmung in drei Örtchen im US-Staat New Hampshire ging der Republikaner Trump mit insgesamt 32 zu 25 Stimmen gegen die Demokratin Clinton in Führung. In dem kleinsten der Orte, Dixville Notch, setzte sich Clinton mit 4:2 Stimmen gegen Trump durch.

Auch auf der winzigen US-Insel Guam im westpazifischen Ozean gewann die Demokratin. Sie sicherte sich 71,63 Prozent der insgesamt 32.071 abgegebenen Stimmen, auf ihren Konkurrenten Donald Trump entfielen lediglich 24,16 Prozent, wie die US-Tageszeitung "USA Today" berichtete.

Prognosen basierend auf Nachwahlbefragungen des "Early Votings" (vorzeitige Stimmabgabe) sehen Clinton aktuell in sechs der sieben Swing-States vorne. Von der Umfrageorganisation Votcastr am Dienstagnachmittag (Ortszeit) veröffentlichte Zahlen sagen einen Sieg Clintons in Colorado, Florida, Nevada, Ohio, Pennsylvania und Wisconsin voraus. Trump kann sich demnach Iowa sichern. Die Prognosen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie auf Nachwahlbefragungen von "Early Voters" beruhen, deren Wahlverhalten sich deutlich von dem der Gesamtbevölkerung unterscheiden kann.

Technische Probleme

Nur wenige Stunden nach Öffnung der ersten Wahllokale sind aus Utah und North Carolina technische Probleme bei der Stimmabgabe berichtet worden. In Washington County in Utah gebe es Probleme mit den Wahlmaschinen in allen 37 Wahllokalen, zitierte der US-Sender CNN Wahldirektor Mark Thomas.

Hillary Clinton beendete ihren Wahlkampf zusammen mit Popstar Lady Gaga in Raleigh in North Carolina. Trump schloss seinen letzten Tag als Kandidat in Grand Rapids in Michigan ab. "Heute ist unser Unabhängigkeitstag", zitierte er leicht verändert einen Spruch aus dem Hollywood-Film "Independence Day" von 1996. "Wir beenden endlich das Kapitel der Geschichtsbücher über die Clintons, ihre Leben, ihre Machenschaften, ihre Korruption."

Clinton gab ihren Anhängern eine Empfehlung mit auf den Weg, für den Fall, dass deren Kinder und Enkel sie später fragten, was sie im Jahr 2016 getan hätten, "als alles auf dem Spiel stand". Die Antwort laute: "Ihr habt für ein stärkeres, faireres, besseres Amerika gestimmt - ein Amerika, wo wir Brücken bauen, nicht Mauern."

Das Rennen war elf Tage vor dem Wahltermin noch einmal spannend geworden, als die Bekanntgabe weiterer Untersuchungen des FBI zu ihrer E-Mail-Affäre für viel Wirbel sorgte. Die Bundespolizei änderte letztlich aber ihre Auffassung nicht, dass eine Anklage gegen Clinton nicht vertretbar sei. Das hatte FBI-Chef James Comey erst am Sonntag mitgeteilt.

Clinton besuchte am Montag noch drei umkämpfte Staaten. Wie bereits in den Vortagen bot sie noch einmal alles auf, was die demokratische Partei personell zu bieten hat: mit Barack Obama und Bill Clinton zwei Präsidenten, First Lady Michelle Obama als Wahlkampfwunderwaffe und Clintons Tochter Chelsea. In Philadelphia (Pennsylvania) zeigten sie sich alle gemeinsam bei dem Wahlkampfauftritt vor mehr als 30.000 Menschen. Zuvor waren die berühmten Musiker Bruce Springsteen und John Bon Jovi aufgetreten.

"Das ist ein Mann, dessen Vision auf wenig mehr begrenzt ist als sich selbst", sagte Springsteen über Trump. Alle Redner zeichneten vom Immobilienmilliardär und politischen Seiteneinsteiger ein Bild, das ihn als Risiko für die USA und die Welt erscheinen ließ.

Trump tourte am Montag noch durch fünf wichtige Staaten. Wie in den Tagen zuvor, hatte er zwar seine Kinder, im Gegensatz zu Clinton aber keine Stars als Unterstützer dabei. Er versprach seinen Anhängern einen großen Sieg und bezeichnete das politische System des Landes erneut als gezinkt.

Erste Ergebnisse nicht vor 01:00 Uhr morgens

Der US-Präsident wird nur indirekt vom Volk gewählt. Jeder US-Staat hat eine bestimmt Zahl von Stimmen in einem 538-köpfigen Gremium aus Wahlmännern und -frauen zu vergeben. Deren Zahl richtet sich nach der Größe eines jeden Staates. Das bevölkerungsreiche Kalifornien stellt 55 Wahlmänner, das kleine Delaware nur drei.

Wahlberechtigt sind am Dienstag von den 322 Millionen US-Bürgern theoretisch alle, die mindestens 18 Jahre alt sind. Das sind etwa 219 Millionen. Voraussetzung ist, dass sich ein Wähler registrieren lässt und nicht von der Wahl ausgeschlossen wird - beispielsweise wegen einer kriminellen Vergangenheit. Mehr als 41 Millionen Amerikaner haben bereits frühzeitig abgestimmt.

Die Wahllokale schließen ab 18.00 Uhr Ortszeit. Erste Ergebnisse einzelner Staaten werden nicht vor 01.00 Uhr (MEZ) erwartet.