Erstellt am 09. Januar 2015, 11:22

US-Stadt Boston bewirbt sich um Olympia 2024. Der kleinste Bewerber war der große Gewinner: Boston soll die Olympischen Sommerspiele nach 28 Jahren wieder in die USA holen.

Das Nationale Olympische Komitee (USOC) ernannte am Donnerstag ein wenig überraschend in Denver die Hauptstadt von Massachusetts zum US-Bewerber für 2024. Boston setzte sich dabei gegen Washington, San Francisco sowie den zweimaligen Olympia-Gastgeber Los Angeles durch.

Bostons Bürgermeister Marty Walsh sprach von einer "außergewöhnlichen Ehre, als US-Repräsentant für die Sommerspiele 2024 ausgewählt worden zu sein". Einer der ersten Gratulanten war Barack Obama. "Meine Frau und ich unterstützen tatkräftig die Bemühungen, die Sommerspiele 2024 in die USA zu holen. Wir hoffen, die Athleten der Welt 2024 in Boston begrüßen zu können", sagte der US-Präsident, der von 1988 bis 1990 an der Harvard University in Bostons Nachbarstadt Cambridge studiert hatte.

Die medialen Reaktionen auf die USOC-Entscheidung hätten gegensätzlicher kaum sein können. "Wie so viele andere, war USOC entzückt von Boston", schrieb der "Boston Globe". In Kalifornien indes fragte die "Los Angeles Times" verwundert: "Wie zum Teufel verliert L.A. gegen Boston?" und warf USOC vor, einen "Goldkandidaten" abgelehnt zu haben. "San Franciscos Olympia-Traum zerschmettert", hieß es im "San Francisco Chronicle". 

"Unglaublich starker Partner"

Einzelheiten über die Abstimmung der 15 USOC-Mitglieder wurden zunächst nicht bekannt. Man spüre, dass man mit Boston einen "unglaublich starken Partner" habe, ließ USOC-Präsident Larry Probst kurz wissen, ehe er sich umgehend auf den Weg nach Boston machte, wo am Freitag Details der Bewerbung veröffentlicht werden sollen. 

Boston hatte sich erstmals um die Austragung des Großereignisses beworben. Konkurrenz kommt auf jeden Fall aus Europa. Italien schickt Rom ins Rennen, der Deutsche Olympische Sport-Bund (DOSB) entscheidet am 21. März zwischen Hamburg und Berlin. Als weitere Interessenten gelten Paris sowie Städte aus Südafrika und Australien. Bis zum 15. September müssen alle Bewerber ihre Unterlagen beim IOC einreichen. Die Entscheidung fällt im September 2017.  

4,5 Milliarden Dollar Budget

Boston passt mit seinen 600.000 Einwohnern nicht in eine Liga mit bisherigen Gastgebern wie Sydney, Peking oder London und gibt ein im Vergleich zu Peking 2008 (40 Milliarden Dollar) oder Sotschi 2014 (50 Milliarden Dollar) schlankes Budget von 4,5 Milliarden Dollar (3,82 Mrd. Euro) an. Man vertraut damit auf die Worte von IOC-Präsident Thomas Bach, der im Zuge seiner Agenda 2020 gefordert hatte, die Olympischen Spiele müssten wieder kostengünstiger und machbarer werden. 

"Die Boston-Spiele können eine der innovativsten, nachhaltigsten und aufregendsten der Geschichte werden. Sie werden die nächste Generation hier und in der Welt inspirieren", sagte John Fish, Präsident von Boston2024. Die Organisatoren versprechen kompakte Spiele - keine Sportstätte soll weiter als ein Zehn-Minuten-Fußweg von öffentlichen Transportmitteln entfernt sein. Man will dem Spitznamen "Walking City" gerecht werden. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen. Die Gruppierung "No Boston Olympics" hatte im Vorfeld die fehlende Transparenz der Bewerbung bemängelt.