Erstellt am 17. Juni 2014, 10:39

USA entsenden Spezialeinheit in den Irak. Die USA schicken eine 275 Mann starke Spezialeinheit des Militärs in den Irak, um die US-Botschaft und die dort arbeitenden Amerikaner zu schützen.

Die Truppe sei wenn nötig auch für den Kampf gerüstet, teilte Präsident Barack Obama in einem Brief an den Kongress mit. "Diese Einheit wird im Irak bleiben, bis die Sicherheitslage es nicht länger erfordert", hieß es in dem Schreiben vom Montag. Obama habe den Schritt als Oberbefehlshaber der Streitkräfte veranlasst, um seine Landsleute zu schützen. Die irakische Regierung habe dem Schritt zugestimmt. Jüngst hatte ein amerikanischer Regierungsvertreter noch gemeint die geplante Aufstockung des Militärpersonals werde weniger als 100 Soldaten betreffen.

Wie Pentagon-Sprecher John Kirby mitteilte, erreichten 170 der Soldaten Bagdad bereits am Wochenende. Rund 100 weitere sollen falls erforderlich Flughäfen verwalten, logistische Maßnahmen unterstützen und zur Sicherheit beitragen. Alle Kräfte seien dazu ausgebildet, sich den Teams der US-Botschaft anzuschließen oder als eigenständige Truppe vorzugehen.

Bodentruppen-Einsatz nach wie vor ausgeschlossen

"Die Sicherheit des in ausländischen diplomatischen Vertretungen dienenden Personals ist eine unserer höchsten Prioritäten", teilte Kirby weiter mit. Bisher waren im Irak zwischen 200 und 300 Soldaten stationiert, um US-Einrichtungen zu schützen und irakische Sicherheitsleute zu unterstützen.

Obama traf am Montagabend in Washington erneut mit seinen Sicherheitsberatern zusammen, um über den Vormarsch sunnitischer Jihadisten der ISIL (Islamischer Staat im Irak und in der Levante) zu beraten. Als mögliche militärische Optionen der USA gelten derzeit Luft- und Drohnenangriffe sowie ein umfassenderes Training irakischer Sicherheitskräfte. Der Einsatz von US-Bodentruppen scheint nach wie vor ausgeschlossen.

Zudem tauschten sich US-Vertreter am Montagabend am Rande der Verhandlungen in Wien über das iranische Atomprogramm mit iranischen Abgesandten über die Krise im Irak aus. Washington sei bereit, sich sowohl mit Teheran als auch mit anderen Mächten in der Region über das Vorgehen gegen die ISIL-Kämpfer abzustimmen, sagte ein hochrangiger Vertreter des US-Außenamtes. Eine Koordinierung militärischer Maßnahmen werde es aber nicht geben.

Die USA bereiten nach Einschätzung des deutschen Nahost-Experten Michael Lüders wahrscheinlich Militärschläge auf Stellungen der Terrorgruppe ISIL im Irak vor. Bei der angekündigten Entsendung einer US-Spezialeinheit gehe es nicht nur darum, amerikanische Bürger zu schützen, sagte Lüders am Dienstag. "Die Kunst besteht für die amerikanische Führung darin, nicht den Eindruck zu erwecken, noch einmal mit Bodentruppen massiv im Irak intervenieren zu wollen." Das könnte Präsident Barack Obama innenpolitisch nicht verkaufen. "Aber es ist ganz klar: Die USA wollen etwas unternehmen, sie wollen nicht zusehen, wie der Irak zerfällt und radikale Sunniten die Oberherrschaft in weiten Teilen des Iraks übernehmen."

Ehemalige Feinde rücken zusammen

In dem Konflikt spiele der Iran eine "sehr wesentliche Rolle", sagte Lüders. Teheran sei paradoxerweise neben Washington der engste Verbündete des irakischen Regierungschefs Nuri al-Maliki. "Das ist das Erstaunliche in dieser Krise, dass auf einmal ehemalige Feinde zusammenrücken. Wohin das Ganze führt, mit Blick auf die USA und den Iran, bleibt abzuwarten. Aber dass es schon eine Kooperation gibt, Gespräche in dieser Frage, das ist schon eine kleine Sensation." Auch die Türkei und die Kurden im Norden des Iraks arbeiteten mittlerweile sehr eng zusammen.

Einem Medienbericht zufolge sind im Irak mehrere Dutzend Siemens-Beschäftigte aus einem von Jihadisten kontrollierten Gebiet gerettet worden. Das Nachrichtenportal "Spiegel Online" berichtete unter Berufung auf das deutsche Außenamt, es handle sich um 50 Techniker, die an einem Kraftwerk Modernisierungsarbeiten verrichteten. Darunter seien acht Deutsche und eine Handvoll Bürger anderer EU-Staaten.

Die Zuspitzung im Irak ist dem flüchtigen Vizepräsidenten Tarek al-Hashemi zufolge auf eine allgemeine Revolte der Sunniten zurückzuführen und nicht bloß auf die Extremisten-Gruppe ISIL. Die jüngste Krise gründet auf dem seit Jahren schwelenden Machtkampf zwischen der Mehrheit der Schiiten, die die Regierung anführen, und den unter dem per US-geführter Invasion 2003 gestürzten Machthaber Saddam Hussein privilegierten Sunniten. Laut einem Bericht der "New York Times" wird Husseins ehemalige rechte Hand, Ex-General Izzat Ibrahim al-Douri, als einer der wichtigsten Drahtzieher hinter den derzeitigen Kämpfen vermutet.