Erstellt am 04. April 2016, 20:08

Van der Bellen: "Lade Sie alle ein in die Hofburg". Vor Unterstützern und grüner Prominenz hat Alexander Van der Bellen am Montagabend in Wien seinen offiziellen Auftakt zum Bundespräsidentschaftswahlkampf begangen.

 |  NOEN, APA

"Yes we can", sagte Van der Bellen dabei zu seiner - wie er meinte - Außenseiterchance, die Wahl zu gewinnen. Die Anwesenden rief er zur Verbreitung der Nachricht "Der ist eh ok" auf. Sollte es klappen, "dann lade ich Sie alle ein in die Hofburg".

Er halte sich für ein Kind der Aufklärung, so der Volkswirtschafter und frühere Grünen-Chef in seiner Rede im Tech Gate auf der Donauplatte. Die Vision der Französischen Revolution von 1789 - Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, erweitert um die Schwesterlichkeit - markiere noch immer die zentralen Herausforderungen für die Politik.

Einmal mehr ging er auf den Heimat-Begriff in seinem Wahlkampf ein. Tirol, Wien, Österreich habe ihm eine solche geschenkt. Nicht nur er sei aufgenommen, integriert, vielleicht sogar assimiliert worden; Österreich tue das seit vielen Jahren. "Befreien wir uns von diesen Depressionen und Mieselsüchten, die uns zeitweise überkommen", meinte er zur derzeitigen Zuwanderungs- und Flüchtlingsdebatte. Österreich werde auch hier erfolgreich sein.

Angesichts einer immer komplexeren Welt rief Van der Bellen zu einer neuen Kultur des Zuhörenkönnens auf, schon allein, um das Fachwissen der Menschen besser einbeziehen zu können. Es brauche eine neue Gesprächskultur in der Politik, denn nirgendwo sonst sei die Negativkommunikation so dominant. Sich selbst sah er als Vermittler: "Das ist das Schöne an der Rolle des Bundespräsidenten: Wenn er oder sie, aber in meinem Fall er, anruft, ist es schwer, Nein zu sagen."

Undenkbar ist für ihn die Rückkehr der innereuropäischen Grenzen. Grenzüberschreitende Krisen könne man nur transnational lösen, betonte Van der Bellen. Sein Wunsch daher, egal ob er letztlich gewinne oder nicht: "Widerstehen wir den Versuchen, alte Grenzen wieder hochzuziehen, Stacheldraht hochzuziehen: Das kostet nur Geld und bringt genau gar nichts."

Van der Bellen begibt sich nach dem Auftakt nun auf Wahlkampftour quer durch Österreich, erste Station ist Vorarlberg. Es gelte, Hunderttausende Unentschlossene von Van der Bellen -"aus meiner Sicht der logische Nachfolger von Heinz Fischer" - zu überzeugen, sagte Wahlkampfleiter Lothar Lockl.