Erstellt am 08. Januar 2015, 08:42

Verdächtiger stellte sich nach Attacke in Paris. Nach dem tödlichen Anschlag auf die französische Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" hat sich der jüngste der drei Verdächtigen der Polizei gestellt.

Übereinstimmenden Angaben aus Ermittlerkreisen zufolge ging der 18-Jährige am späten Mittwochabend auf die Polizeistation in der nordöstlichen Stadt Charleville-Mezieres nahe der Grenze zu Belgien. Er wurde dort festgenommen und kam in Polizeigewahrsam.

Demnach ging er freiwillig zur Polizei, nachdem sein Name in sozialen Netzwerken im Internet zirkulierte. Die Polizei hatte zuvor eine Fahndung nach insgesamt drei Verdächtigen eingeleitet. Der Jugendliche soll den beiden mutmaßlichen Attentätern bei dem Anschlag in Paris mit zwölf Toten am Mittwochvormittag geholfen haben. Weiters gab es im Zusammenhang mit dem Anschlag einige Festnahmen. Mehrere Menschen befänden sich in Polizeigewahrsam, sagte der französische Premier Manuel Valls am Donnerstag.

Verdächtige Brüder sind polizeibekannt

Die Attentäter haben auf ihrer Flucht angeblich einen schweren Fehler gemacht und die Polizei auf ihre Spur gebracht. Wie die französische Zeitschrift "Le Point" schreibt, hätten die Terroristen einen Personalausweis in ihrem Fluchtfahrzeug vergessen, als sie am Rande der Hauptstadt das Auto wechselten. Die beiden verdächtigen Brüder Said (34) und Cherif K. (32), die polizeibekannt sind, waren am frühen Donnerstagmorgen aber weiter auf der Flucht.

Die Polizei veröffentlichte in der Nacht auf Donnerstag einen Zeugenaufruf mit Fahndungsbildern des Bruderpaars. Sie seien möglicherweise "bewaffnet und gefährlich", warnten die Behörden und forderten die Bevölkerung auf, sich mit möglichen Informationen an die Polizei zu wenden.

Tausende Beamte im Einsatz

Die Sicherheitsbehörden fahndeten mit mehreren tausend Beamten nach den Attentätern. Die Eliteeinheit der Polizei, "Raid", war in der Nacht auf Donnerstag in Reims sowie in Charleville-Mezieres im Einsatz. Zuvor hatte es bereits Durchsuchungen in Straßburg sowie im Großraum Paris gegeben, festgenommen wurde dabei aber niemand. Bei den Razzien in Reims handle es sich um Durchsuchungen und "Verfizierungen" von Orten, die mit den Verdächtigen in Verbindung stünden, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Bei dem schwersten Terroranschlag in Frankreich seit Jahrzehnten waren zwölf Menschen getötet worden, darunter acht Journalisten der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" und zwei Polizisten. Unter den Toten ist auch der Mohammed-Karikaturist und Redaktionsleiter Charb alias Stephane Charbonnier. Es gab elf Verletzte.

Über 100.000 Menschen auf den Straßen

Mindestens zwei Bewaffnete hatten am Mittwochvormittag die Redaktionsräume des islamkritischen Blattes "Charlie Hebdo" in Paris gestürmt und geschossen. Die verdächtigen Brüder sollen aus Paris sein, die französische Staatsbürgerschaft haben und arabische Namen tragen. Sie hatten nach der Tat gerufen, sie hätten den Propheten Mohammed gerächt. Weltweit wurde mit Entsetzen auf die Attacke reagiert.

Große französische Medienhäuser haben "Charlie Hebdo" nach dem schweren Schlag Hilfe zugesagt. Der staatliche Hörfunk und das Fernsehen sowie die Tageszeitung "Le Monde" erklärten am späten Mittwochabend, sie wollten dem Magazin das notwendige Personal und Sachmittel zur Verfügung stellen. Die Mitteilung trägt die Überschrift: "Damit Charlie lebt." Die Direktoren von Radio France, France Televisions und "Le Monde" riefen alle anderen französischen Medien auf, die Presse- und Meinungsfreiheit hochzuhalten.

In Frankreich gingen über 100.000 Menschen auf die Straße, um sich mit "Charlie Hebdo" zu solidarisieren und zu trauern. Bei einer Demonstration auf der Place de la Republique unweit des Tatorts im eher bürgerlichen elften Pariser Arrondissements skandierten die Menschen "We are not afraid" (Wir haben keine Angst.). Auch in anderen französischen und europäischen Städten, darunter Wien, aber auch in den USA und Kanada solidarisierten sich die Menschen mit "Charlie Hebdo".

"Charlie Hebdo" war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen unter Beschuss geraten und angefeindet worden. Bereits im November 2011 waren nach der Veröffentlichung einer "Scharia"-Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" die Redaktionsräume in Flammen aufgegangen.

Arzt Gerald Kierzek, der Verletzte nach dem Attentat behandelte, sagte auf CNN nach Angaben des US-Senders, die Angreifer hätten die Anwesenden in der "Charlie-Hebdo"-Redaktion zunächst nach ihren Namen gefragt und Männer von Frauen geschieden, bevor sie das Feuer eröffneten. Der Anschlag sei weniger ein wahlloses Um-Sich-Schießen gewesen denn eine Exekution, sagte Kierzek.