Erstellt am 06. Februar 2015, 10:40

Verletzte Ehre als Motiv von Bluttat im Flachgau. Nach der tödlichen Bluttat am Donnerstag bei Straßwalchen im Flachgau hat der mutmaßliche Täter in der Nacht auf Freitag laut Polizei ein Geständnis abgelegt.

Der 54-jährige Tschetschene räumte ein, dass er mit dem Opfer gerauft habe. Dabei habe er eine Pistole gezogen und repetiert. Im Zuge der Rangelei habe sich ein Schuss gelöst, gab Polizei-Sprecherin Eva Wenzl am Freitag seine Aussage wieder.

Der in Straßwalchen wohnhafte 54-Jährige hatte am Donnerstagnachmittag in der Ortschaft Steindorf eine Autowerkstatt aufgesucht. Dort traf er zufällig einen bekannten 53-jährigen Landsmann aus Hallein, der mit seinem Sohn ebenfalls zum Kfz-Betrieb gekommen war.

Die beiden Männer unterhielten sich und gerieten dabei in Streit. Schließlich vereinbarten sie, die Werkstatt zu verlassen und etwas abseits die Sache auszureden, schilderte Wenzl. Die Männer gingen auf der Tannbergstraße Richtung Enharting bei Köstendorf, wo es auf einem abgelegenen, bewaldeten Abschnitt zur tödlichen Auseinandersetzung kam. Der Sohn des 53-Jährigen blieb in der Werkstatt zurück.

Bei Rauferei löste sich tödlicher Schuss

Der Verdächtige gab im Verhör an, sein Kontrahent habe ihn wiederholt gekränkt und in seiner Ehre verletzt. Deshalb habe er während des Streits die Pistole gezogen und vor den Augen seines Gegners repetiert. Daraufhin sei sein Landsmann auf ihn losgegangen. Es habe sich eine Rauferei entwickelt, bei der sich ein Schuss aus seiner Waffe gelöst habe, der den 53-Jährige traf. Dieser sackte zu Boden. Der Täter rannte anschließend Richtung Straßwalchen davon.

Ein Langläufer hatte die Auseinandersetzung beobachtet und um 14.22 Uhr die Polizei verständigt. Er gab an, dass eine Person auf der Straße liege. Der Sohn des Opfers, der die Tat selbst nicht gesehen hatte, war den Männern später mit dem Auto des Vaters nachgefahren, konnte aber nicht mehr helfen. Er verständigte ebenfalls die Polizei und führte diese auf die Spur des mutmaßlichen Täters. Helfer des Roten Kreuzes führten noch Wiederbelebungsversuche durch, diese blieben aber ohne Erfolg. Der 53-Jährige starb noch auf der Straße.

Zielfahndung war erfolgreich

Der Tschetschene dürfte mit einem einzigen Schuss in den linken seitlichen Brustbereich getötet worden sein. Zumindest war ein Einschuss zu sehen, am Tatort wurde eine Hülse gefunden. Außerdem hatten Bewohner eines Hauses in der Nähe einen Schuss gehört, diesen aber zunächst einem Jäger zugeordnet.

Rund 20 Minuten nach der Tat nahm eine Streife nach gezielter Fahndung den Verdächtigen in der Ortschaft Holzfeld rund zwei Kilometer vom Tatort entfernt fest. Der Mann hatte eine Pistole der Marke "Sig Sauer", Kaliber 9 Millimeter, in einem Plastiksack bei sich. Diese wird nun kriminaltechnisch untersucht, sagte Wenzl. Der 54-Jährige hatte für die Pistole keine waffenrechtliche Genehmigung. Der Tschetschene sagte, er habe sie vor rund zwei Jahren in Wien gefunden.

Der Tote wird heute im Lauf des Tages obduziert. Die Staatsanwaltschaft Salzburg ordnete eine Hausdurchsuchung in der Wohnung des Tatverdächtigen an, außerdem wurden die Fahrzeuge der beiden Männer sichergestellt. Der Festgenommene wurde in die Justizanstalt Salzburg überstellt.

Die Polizei stellte darüber hinaus fest, dass die tödliche Auseinandersetzung in keinem Zusammenhang mit den Konflikten zwischen Afghanen und Tschetschenen in der Stadt Salzburg in den vergangenen Tagen steht.