Erstellt am 04. September 2015, 10:49

Smartphones der Flüchtlinge – wichtige Helfer. Das Smartphone ist die einzige Lebenslinie vieler Verfolgter, um sich zu informieren und mit der Familie im Kontakt zu bleiben - eine Selbstverständlichkeit für die meisten Österreicher.

Smartphones sind für Flüchtlinge mehr als simple Telefone.  |  Pixabay.com, StartupStockPhotos (CC0 1.0)

Nach der Tragödie der gestorbenen Flüchtlinge im LKW auf der A4 bei Parndorf sind die Gemüter auch in Österreich wieder sehr erregt. Die Rettung weiterer Personen aus einem von Schleppern eingeführten und verschweißten LKW nahe Wien zeigt, dass die Probleme längst vor der Haustür zu finden sind. Wie viele Flüchtlinge momentan über die Grenzen kommen wollen, ist unklar, Schätzungen liegen bei 70.000 Asylanträgen pro Jahr, UNHCR Österreich spricht von 22.000 offenen Asylanträgen 2014.

Viele Kritiker der Aufnahmepolitik finden vor allem den vermeintlichen Luxus der Flüchtlinge nicht akzeptabel, denn wer ein Smartphone besitzt, der kann eigentlich nicht arm oder verfolgt sein, so die logische Schlussfolgerung.

Kommunikation mit der Familie

In vielen Ländern weltweit gibt es nur wenige Telefonanschlüsse in den eigenen vier Wänden, geschweige denn einen Internetzugang.  Auf dem Kontinent Afrika liegen beispielsweise 1,2 Festnetzanschlüsse pro 100 Personen vor, in arabischen Staaten sind es 7,3, in Europa 37,3.  Im Gegensatz dazu stellen Smartphonenutzer im Nahen Osten und in Afrika 10 Prozent der Bevölkerung. Zum Vergleich: In Österreich besitzt über 85 Prozent der Bevölkerung ein eigenes Smartphone und hat meist dazu Festnetz und Internetzugang, wie mindtake Research erläutert.

Laut raab-verlag.at gehen täglich 87,6 Milliarden E-Mails weltweit ein, in Österreich sind es 25 Millionen von drei Millionen Bürgern pro Tag. Die Kommunikation hat sich, wie der Artikel erklärt, im Laufe der Jahrhunderte verändert, von den Hieroglyphen zu WhatsApp-Nachrichten, zu den Skype- oder Facebook-Chats. Die Welt ist online und ein gebrauchtes Smartphone (für meist unter 100 Euro erhältlich) stellt keinen Luxus dar, sondern ist notwendiges Mittel, um mit der Familie im Kontakt zu bleiben.

Viele Flüchtlinge haben einige Tausend Kilometer Reise hinter sich und können nur mit dem Smartphone ihre Angehörigen informieren, dass sie noch leben oder wen sie auf der Reise verloren haben. Es ist die Lebenslinie und Verbindung und oft nutzen die Flüchtenden offene WLAN-Hotspots, um online zu gehen und die kostenlosen sozialen Netzwerke zu bedienen. Ansonsten sind auch sie auf Taschengeld und Internet-Cafés angewiesen.

Hilfe in der Not

x  |  Pixabay.com, PDPics (CC0 1.0)
Das Smartphone ist selbst für Österreicher heute mehr als nur ein Kommunikationsmittel. Wer hat nicht bereits das GPS-Signal eingeschaltet, um sich auf der Fahrt zu orientieren oder zu recherchieren, wo genau die nächste Abzweigung zum Zielort ist? Flüchtlinge überwinden unbekanntes Terrain, fremde Länder und Regionen und können viele Schilder und Bezeichnungen nicht lesen oder verstehen. Das Smartphone hilft ihnen, sich zu orientieren und Gefahren auszuweichen, zu erkennen welche Grenzen sie bereits überschritten haben.

Noch ein weiterer Grund, warum Flüchtlinge ein Handy besitzen: Es ist häufig die einzige Möglichkeit, in autokratischen Staaten am Leben bleiben zu können, wenn die Person zu Regimekritikern oder politischen Gegnern gehört. Über Blogs, soziale Netzwerke und Co können sich die Verfolgten organisieren, gegenseitig warnen, wenn Polizeiaktionen geplant sind oder die Familie bedroht wird, vor allem wenn das Regime viele Bereiche des Internets zensiert. Allein der Arabische Frühling wurde in vielen Ländern größtenteils über soziale Netzwerke organisiert und so können sich Flüchtlinge auch in Österreich und Europa untereinander austauschen, warnen und Hilfestellungen geben. Das Wirtschaftsmagazin Coface gibt eine Prognose des Wirtschaftswachstums nach den politischen Unruhen in Nordafrika und dem Nahen Osten.

Das Smartphone hilft bei der Übersetzung von schwierigen Anträgen oder gibt Tipps, wo Unterkunft oder Noteinrichtungen zu finden sind. So verringert sich die Gefahr von Überfällen oder dem schutzlos Ausgeliefertsein.