Erstellt am 08. Juli 2015, 19:20

Victor de la Parte gewann Bergankunft auf dem Dobratsch. Die erste Bergetappe der Österreich-Radrundfahrt hat den erwarteten Umsturz im Gesamtklassement gebracht.

 |  NOEN, APA

Den Sieg am Dobratsch sicherte sich am Mittwoch der Spanier Victor de la Parte vor dem zeitgleichen Tschechen Jan Hirt, dem neuen Gesamtführenden. Bester Österreicher ist der Tages-9. Gregor Mühlerberger, der 46 Sekunden verlor und Gesamt-10. ist. Stefan Denifl büßte als 12. eine Minute ein.

Rund eine Stunde nach Ende der Etappe, auf der es nur einen kurzen Regenguss gegeben hatte, ging das befürchtete Unwetter über dem Villacher Hausberg nieder. Hagelschlag verursachte im Zielgelände auf der Rosstratte beträchtlichen Sachschaden an Fahrzeugen und den Rundfahrtaufbauten. Verletzte gab es nach ersten Informationen keine. Auch in der Stadt Villach und Umgebung richtete da schwere Gewitter großen Schaden an.

Auf der mit 210 km längsten Etappe von Gratwein in der Steiermark zum Dobratsch bestimmten zunächst lange drei Ausreißer mit dem slowenischen Punktetrikotträger Jan Tratnik aus dem niederösterreichischen Amplatz-BMC-Team das Geschehen. Das Trio wurde vom Hauptfeld aber kurz vor Beginn des nicht besonders steilen Schlussanstieges gestellt.

Bereits nach den ersten paar hundert Metern auf der 16,5 km langen Villacher-Alpen-Straße fiel das Feld auseinander. Rund fünf Kilometer vor dem Ziel verloren auch Denifl und Mühlberger den Anschluss an die Besten. Kurz vor dem Ziel griff De la Parte aus einer Sechsergruppe an und sicherte sich auf 1.740 m Seehöhe knapp vor Hirt und dem Belgier Ben Hermans (BMC/+ 9 Sek.) den Sieg.

"Fantastisch, das ist mein bisher wichtigster Sieg. Der Berg war schwer, aber ich bin das Tempo gut mitgegangen und habe am Ende noch attackieren können", jubelte De la Parte aus dem Team Vorarlberg, der bei der Rundfahrt von seiner Freundin und seinen Eltern begleitet wird.

Der 29-jährige Baske hatte sich zwei Monate mit Höhentraining gezielt auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet und galt als Geheimtipp auf den Sieg. "Er hat ein super Rennen abgeliefert. Ich hoffe, er erholt sich gut, denn das Schwerste steht noch bevor", meinte Teamchef Thomas Kofler im Hinblick auf die Königsetappe am Freitag. Kofler war gar nicht unglücklich, dass sein Schützling nicht auch noch die Gesamtführung übernahm. Denn das hätte viel Arbeit für seine teils unerfahrene Mannschaft bedeutet. Dem drittplatzierten Spanier fehlen im Gesamtklassement aber nur drei Sekunden. Hermans liegt zwei Sekunden hinter Hirt.

Der 24-jährige Tscheche aus der polnischen CCC-Mannschaft zeigte wie schon bei der Tour-de-Suisse (7. Platz am Rettenbachferner) seine Kletterqualitäten. "Ich habe mich im Finish noch gut gefühlt. De la Parte war stark, aber ich habe eine ziemlich gute Form und werde jetzt natürlich versuchen, das Rennen zu gewinnen", meinte Hirt, der wie der Spanier zum ersten Mal an der Rundfahrt teilnimmt.

Mühlberger kannte den Schlussanstieg zwar schon aus dem Vorjahr, trotzdem sei er sich unterwegs nicht mehr sicher gewesen, wie steil es noch werden würde. Deshalb habe er versucht, seinen Motor nicht zu überdrehen und sich an Denifl orientiert. Das sei womöglich ein taktischer Fehler gewesen, gestand Mühlberger. "Als die vorne angegriffen haben, habe ich auf Denifl geschaut und am Ende darauf geachtet, dass ich es nicht übertreibe und ich ihn noch abhängen kann", erklärte der 23-jährige Oberösterreicher.

Trotz seines zehnten Zwischenranges mit 48 Sekunden Rückstand sei aber nach wie vor Jure Golcer (SLO/Gesamt-16. mit 1:41 Min. Rückstand) der Kapitän seiner Felbermayr-Mannschaft stellte er mit Nachdruck klar. "Ich werde aber schon schauen, dass ich auf das Gesamtklassement fahre, obwohl das Kitzbüheler Horn nicht mein Lieblingsberg ist", so Mühlberger.

Während Mühlberger mit seiner Vorstellung "sehr zufrieden" war, regierte bei Denifl die Enttäuschung. "Ich wollte mitfahren, aber es ist nichts mehr gegangen. Das war nicht super, aber auch nicht schlecht. Die zwei, drei Prozent auf das Topniveau fehlen mir einfach noch, ich kann auch nicht zaubern", betonte der in der Saisonvorbereitung mehr als ein halbes Jahr wegen einer Knieverletzung ausgefallene Tiroler aus dem IAM-Rennstall.

Der Stubaier hatte sich trotz fehlender Trainings- und Rennkilometer aufgrund des Gewinn des Bergtrikots bei der Tour de Suisse im Juni viel ausgerechnet. Nun gibt er sich aber vorzeitig geschlagen. "Ich fahre das Rennen jetzt fertig und habe nicht mehr viel vor", erklärte der als Gesamt-Zwölfter 1:03 Minuten hinter Hirt liegende Denifl in seiner ersten Enttäuschung. Außerdem liege ihm der Anstieg zum Kitzbüheler Horn, der am Freitag auf dem Programm steht, nicht besonders.

Vor der Königsetappe über den Großglockner auf das Horn steht am Donnerstag aber noch das fünfte Teilstück von Drobollach am Faaker See über 175 km nach Matrei in Osttirol auf dem Programm.