Erstellt am 30. Juli 2015, 13:45

von APA Red

Vier Tote bei Gefechten zwischen türkischem Militär und PKK. Bei Gefechten zwischen dem türkischen Militär und Anhängern der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) sind vier Menschen getötet worden.

 |  NOEN, APA (epa)

Unter den Opfern seien drei Soldaten und ein PKK-Kämpfer, berichtete die Nachrichtenagentur DHA unter Berufung auf die türkischen Streitkräfte am Donnerstag. Die Soldaten seien in der südosttürkischen Provinz Sirnak in einen Hinterhalt geraten, als sie eine Straße für einen Militärkonvoi sichern wollten. Die Armee gehe weiter gegen PKK-Kämpfer in der Gegend vor.

Am Mittwochabend wurde bereits ein Polizist im Distrikt Cinar im Südosten der Türkei getötet. Aus einem Auto heraus schossen die Täter auf den Polizisten, der vor einem Teehaus saß, berichteten türkische Nachrichtenagenturen. Auch ein Passant wurde getroffen, der später seinen Verletzungen erlag.

In der osttürkischen Provinz Bingöl sei ein Bombenanschlag auf den Postzug verübt worden, der von Istanbul in den Iran fährt, berichtete DHA weiter. Niemand sei verletzt worden, der Zug habe weiterfahren können. Der Provinzgouverneur machte die PKK für den Anschlag verantwortlich, wie DHA weiter berichtete. Die PKK machte zu den Anschlägen zunächst keine Angaben.

190 Tote und 300 Verletzte

In den vergangenen Tagen sollen insgesamt 190 Menschen bei türkischen Luftschlägen gegen PKK-Stellungen in der Türkei und im Nordirak getötet worden sein. Rund 300 Menschen seien verletzt worden, berichtet die Zeitung "Hürriyet Daily News" am Donnerstag unter Berufung auf Geheimdienstquellen.

40 türkische Kampfflugzeuge hätten am Dienstag an den Operationen im Nordirak teilgenommen, 30 Jets an Einsätzen in der Türkei. Die Maschinen seien von Tankflugzeugen begleitet worden. Haubitzen hätten über die Grenzlinie 130 Ziele beschossen, dabei seien 25 Luftabwehrstellungen der PKK zerstört worden, so "Hürriyet Daily News".

Die türkischen Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak haben Fragen nach der Zukunft des delikaten Friedensprozesses zwischen der Türkei und den militanten Kurden aufgeworfen. Seit 2013 hatten beide Seiten bis vor Kurzem eine Waffenruhe weitgehend eingehalten.

Türkeis Ziele

Der Ko-Vorsitzende der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtas, meinte am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, Hauptziel der türkischen Militäroperationen sei nicht der Kampf gegen die Terrormiliz IS, sondern um eine territoriale Einheit der Kurdengebiete zu verhindern. Die islamisch-konservative Regierungspartei AKP ziehe das Land in den Konflikt hinein als Vergeltung dafür, dass sie bei den Parlamentswahlen am 7. Juni die absolute Mehrheit verloren habe.

Die Kurden im Nordirak fürchten einen Flächenbrand in der Region im Falle anhaltender Luftangriffe der Türkei auf kurdische Rebellen. Er sei traurig, dass die Türkei und die PKK den Friedensprozess beendet hätten, sagte der Bürgermeister im nordirakischen Erbil, Nihad Latif Koja, am Donnerstag im RBB-Inforadio.

"Wir brauchen keinen weiteren Krieg", sagte er mit Blick auf den Kampf der Kurden gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Koja gab beiden Seiten eine Mitschuld an der Eskalation der Lage. Die türkische Regierung verfolge mit dem Vorgehen gegen die Kurden innenpolitische Ziele. Das Ergebnis der türkischen Parlamentswahl habe zu einem Machtvakuum geführt.

"Es kann sein, dass der Krieg der türkischen Regierungspartei AKP nützt, um eine Mehrheit zu bekommen", sagte Koja. Er befürchte, dass dies das Ziel der türkischen Regierung sei. Nach Kojas Worten betreibt aber auch die PKK ein gefährliches Spiel, indem sie den Konflikt eskalieren lasse.