Erstellt am 06. Juli 2015, 05:49

von APA/Red

Griechen lehnen Sparvorgaben klar ab. Mit einer überraschend deutlichen Mehrheit haben die Griechen per Volksabstimmung die Sparvorgaben der internationalen Gläubiger abgeschmettert.

Ministerpräsident Tsipras hatte für ein Nein geworben  |  NOEN, APA (EPA)

Laut offiziellem Endergebnis haben 61,31 Prozent der Griechen mit Nein gestimmt, nur 38,69 Prozent mit "Ja". Das wurde Montagfrüh mitgeteilt. Die Griechen unterstützten damit klar das Vorgehen der Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras im Schuldenstreit mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF).

Tausende Griechen feierten Ausgang der Abstimmung

Auf dem Athener Syntagma-Platz feierten tausende Griechen den Ausgang der Abstimmung. Die Regierung in Athen hatte für ein Nein geworben und argumentiert, damit würde sie gestärkt in neue Verhandlungen mit den Geldgebern gehen.

Das Ergebnis des Referendums ist ein Schlag für eine Reihe von EU-Spitzenpolitikern, die bis zuletzt für eine Annahme der Gläubigervorschläge geworben und das Referendum zu einer Abstimmung über einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone erklärt hatten.

Mit Spannung wird nun zunächst auf die nächsten Stunden geblickt: So ist unklar, ob die von Rezession und Rekordarbeitslosigkeit geplagten Griechen am Montag noch an ihre Guthaben kommen oder ob den Banken das Geld ausgeht. Für die Aktienmärkte, etwa beim Dax, wurden Kurseinbrüche vorhergesagt. Der Euro sackte nach dem Ergebnis rund 1,5 Prozent auf unter 1,10 Dollar ab.

Bei dem Referendum lehnten die Griechen Bedingungen ab, die Europäische Union (EU), Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (IWF) im Gegenzug für weitere Kredite gemacht hatten. Premier Alexis Tsipras sagte in einer Fernsehansprache, das griechische Volk habe eine mutige Entscheidung getroffen, die seine Verhandlungsposition stärke.

Tsipras will ohne Zeitverzug eine tragfähige Lösung

Er wolle nun ohne Zeitverzug eine tragfähige Lösung in dem Streit aushandeln. Allerdings liege auch seine Forderung eines Schuldenschnitts auf dem Tisch. Erste Priorität habe aber nun die Wiederöffnung der geschlossenen Banken.

Die anderen Euro-Länder hatten im Vorfeld klar gemacht, dass sie nicht an dem Prinzip rütteln würden, Hilfe nur im Gegenzug für Reformen zu leisten. Auch einen bedingungslosen Schuldenerlass lehnen sie ab. Ohne schnelle Einigung ist eine Staatspleite aber kaum noch zu verhindern.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kündigte für Montagfrüh ein Telefonat mit EZB-Präsident Mario Draghi, Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem und EU-Ratspräsident Donald Tusk an. Letzterer wiederum hat einen Sondergipfel der 19 Euro-Länder für Dienstag (18.00 Uhr) in Brüssel einberufen.

Eine entscheidende Frage ist, ob Griechenland schnell weiter mit frischem Euro-Geld versorgt wird und damit die Einführung einer Parallelwährung vermeiden kann, die faktisch ein Ausscheiden aus der Euro-Zone bedeuten würde. Insidern zufolge wird die EZB die "ELA" genannten Nothilfen an Hellas-Banken trotz des "Neins" bei dem Referendum vermutlich nicht stoppen.

Institute drohen ohne Hilfen auszubluten

Ohne die Hilfen drohen die Institute auszubluten, da Unternehmen und Privatleute wegen der Unsicherheit, ob das Land im Euro bleiben kann, massiv Gelder von ihren Konten abgezogen haben.

Die Rückkehr zur Drachme würde Währungsexperten zufolge gegenüber dem Euro vermutlich um bis zu 80 Prozent abwerten. Damit wären alle in Euro gehaltenen Schulden noch viel schwieriger zu bedienen und auch die Importe würden sich schlagartig verteuern. Einige Ökonomen erwarten langfristig aber Vorteile, weil Griechenland dann Produkte im Ausland günstiger anbieten kann.

Schon Ende Juni konnte Griechenland einen Milliardenkredit an den IWF nicht zurückzahlen. In zwei Paketen wurden seit 2010 fast 240 Milliarden Euro nach Athen überwiesen. Deutschland bürgt direkt für 53 Milliarden Euro und indirekt für weitere Risiken von EZB und IWF.