Erstellt am 18. Januar 2015, 12:39

Vonn stellte mit 62. Sieg Moser-Pröll-Rekord ein. Lindsey Vonn hat am Sonntag die zweite Abfahrt in Cortina gewonnen und zwei Wochen vor der Heim-WM in Vail mit ihrem 62. Weltcup-Sieg den 35 Jahre alten Allzeit-Rekord der Österreicherin Annemarie Moser-Pröll egalisiert.

Die Amerikanerin siegte 0,32 Sek. vor Elisabeth Görgl. Den historischen Sieg von Lindsey Vonn hätte nur Elisabeth Görgl verhindern können. Denn die Österreicherin war in der wegen Neuschnee auf Sonntag verschobenen Abfahrt bei der ersten Zwischenzeit fast eine halbe Sekunde (0,45) schneller als die führende Amerikanerin. Am Ende war die Steirerin aber zufrieden, wie in Val d'Isere Platz zwei hinter Vonn belegt zu haben. "Es geht nicht darum, etwas zu verhindern. Sondern um's Skifahren und da bin ich ein super Rennen gefahren", gab sich Görgl abgeklärt.

Zwei Tage nach dem von Außenseiterin Elena Fanchini gewonnenen "Dolomitensprint", in dem Vonn nur Zehnte geworden war, ging die zweite Abfahrt in Cortina vom Originalstart in Szene. Selbst eine kleine Nebelbank im Tofana-Schuss störte nicht. Es war ein nahezu perfektes Set-Up für den großen Tag der Lindsey Caroline Vonn, die fast ihre ganze Familie in die Dolomitenstadt eingeladen hatte, um Großes zu feiern.

Toller Schlussteil sicherte Vonn den Sieg

Einen Monat nach ihrem 61. Sieg sowie zwei verpatzten (Super-G Val d'Isere und Abfahrt I in Cortina) und zwei ausgefallenen (Bad Kleinkirchheim) Versuchen machte Vonn tatsächlich den Sack zu. Nach einigen Unsicherheiten im oberen Teil wurde die 30-jährige Olympiasiegerin von 2010 immer schneller und war am Ende zum 62. Mal im Weltcup unschlagbar.

Und zwar fast exakt 35 Jahre nachdem Moser-Pröll im Jänner 1980 ihren letzten Erfolg eingefahren hatte. Dafür auf den Tag genau elf Jahre, nachdem die am 18. Oktober 1984 in Minnesota geborene Vonn am 18. Jänner 2004 als Abfahrts-Dritte in Cortina ihr erstes Weltcup-Podest überhaupt geholt hatte. Und das Ganze knapp zwei Wochen vor dem Beginn ihrer Heim-WM in Vail und Beaver Creek.

Mit einem wilden Schrei "feierte" die mit Startnummer 20 gefahrene Vonn nach der Zieldurchfahrt ihre klare Bestzeit, ließ sich in den Schnee fallen und ballte die Faust. Ihre Riesen-Erleichterung wurde nur noch bei der Fahrt von Görgl auf die Probe gestellt. Die Siegerin selbst analysierte später messerscharf. "Liz war oben sauschnell. Sie hat meiner Meinung nach in der Curva Grande aber zu viel riskiert und dann sukzessive Zeit verloren."

"Ich hätte nie geträumt, dass ich so weit komme"

Vonn war schnell klar, dass sie es endlich geschafft hatte. "Es war wirklich ein langer Weg bis jetzt. Es ist eine unglaubliche Karriere. Ich hätte nie geträumt, dass ich so weit komme. Aber ich habe immer gekämpft dafür. Ich war heute natürlich nervös, ich hatte ja keinen Rhythmus nach der Absage in Bad Kleinkirchheim und auch gestern hatten wir kein Rennen. Heute ist wirklich ein schöner, schöner Tag", jubelte sie.

Gefeiert werde aber nicht groß, am Sonntag folgt ja noch ein Super-G, in dem sich Vonn zur alleinigen Rekordlerin machen kann. "Ich habe gewusst, dass dieser Tag einmal kommen wird", sagte Vonn. Aber meine ganze Familie ist hier und ich wollte etwas Schönes für sie machen. Heute werden wir Pizza essen, richtig gefeiert wird dann am Montag."

Mit 32 Abfahrtssiegen ist Vonn zudem der bei 36 haltenden Pröll auch in dieser Disziplin auf den Fersen. Mit ihrem achten Cortina-Sieg fehlen ihr nur noch zwei auf die Tofana-Königin Renate Götschl. An der hatte sich diesmal auch Görgl orientiert. "Auch Renate war oben immer sehr schnell."

Drei Routiniers am Podest

Die fünfte Saison-Abfahrt war am Ende ein Fall für die Routiniers, denn mit Vonn (30), Görgl (33) und Daniela Merighetti (33) standen drei über 30-jährige Damen auf dem Podium. "Es freut mich, dass ich mit Liz auf dem Podest bin. Wir sind ja beide nicht mehr so jung, aber topfit", scherzte Vonn und Görgl ergänzte: "Es macht Spaß, wenn ich mit Lindsey mithalten kann. Vielleicht kann ich sie ja noch ein paar Mal ärgern."

Zweitbeste Österreicherin wurde Anna Fenninger als Neunte. Die Salzburgerin fabrizierte auf der vom Neuschnee geprägten Piste einige Fehler, mehrmals zog es ihr einen Ski weg. "Wenn es weich ist, passiert mir das leider öfter. Das ist nicht gut für den Speed und auch gefährlich. Das war nur ein mittelmäßiger Lauf", analysierte die Salzburgerin. Cornelia Hütter sagte über Platz zwölf: "Ich hatte kleine Fehler im Mittelteil, bin aber mit dem Zwölften voll zufrieden."