Erstellt am 28. April 2014, 10:45

Vor 20 Jahren starben Senna und Ratzenberger. 20 Jahre nach dem schwärzesten Wochenende der Formel 1 gedenkt Imola in den kommenden Tagen Ayrton Senna und Roland Ratzenberger.

Senna starb am 1. Mai 1994 nach einem Unfall im Grand Prix von San Marino, am Tag davor hatte der Österreicher im Qualifikationstraining sein Leben verloren. Es war ein Wochenende, das nicht nur die Königsklasse des Motorsports grundlegend verändert hat. Seitdem ist kein Pilot mehr bei einem F1-Grand-Prix tödlich verunglückt. Die Autos, aber auch die Rennstrecken wurden nach dem Wochenende, an dem "Gott seine schützende Hand von der Formel 1 nahm" (Niki Lauda) deutlich sicherer.

Das "Schwarze Wochenende von Imola" bleibt unvergessen. Fast zwölf Jahre und damit so lange wie noch nie hatte es keinen Renntoten in der Formel 1 mehr geben. Doch an diesem Wochenende wurden mit vier schweren Unfällen und zwei Toten die Grenzen der vermeintlich bereits grenzenlosen Sicherheit aufgezeigt.

Am Freitag überstand der Brasilianer Rubens Barrichello einen Horrorcrash wie durch ein Wunder glimpflich. Am Samstag verunglückte der Salzburger Ratzenberger, mit 33 Jahren ein Spätberufener, nach einem Frontflügelbruch bei 300 km/h tödlich. Österreich hatte nach Jochen Rindt, Helmut Koinigg, Markus Höttinger und Jo Gartner einen weiteren Motorsportler verloren.

Es folgte der Tag, an dem laut Gerhard Berger "die Sonne vom Himmel fiel". Der Österreicher war bei McLaren jahrelang Teamkollege gewesen und hatte trotz aller Rivalität eine Freundschaft mit Senna, der zuvor mit Alain Prost einen durchgehenden Stallkrieg geführt hatte, aufgebaut. Fünf Jahre zuvor hatte Berger selbst in Imola einen schweren Feuer-Unfall mit viel Glück überlebt. "Später bin ich mit Ayrton zu der Mauer der Tamburello-Kurve gegangen und wir haben überlegt, ob wir etwas tun können. Denn sonst stirbt hier irgendwann wer", erinnert sich Berger.

Weil hinter der Mauer ein Fluss ist, blieb das Gebäude aber bestehen. "Genau an der Stelle, an der wir das Gespräch geführt haben, ist er dann verunglückt", ist Berger heute noch fassungslos. "Es war völlig irre, was da an einem Wochenende abgelaufen ist. Und es ist mir heute noch ein Rätsel, wie es sein konnte, dass so viele Pechsträhnen zusammen kommen", meint Berger, für den Senna der "beste Rennfahrer aller Zeiten" ist.

Der am 21. März 1960 in Sao Paulo geborene Ayrton Senna da Silva war so talentiert, dass er rasch nach seinem Wechsel nach Europa in die Formel 1 kam. Vor allem erarbeitete er sich schnell den Beinamen "Regengott". 1985 gelang der erste GP-Sieg. Es folgten 40 weitere und die drei Weltmeister-Titel 1988, 1990 und 1991, alle mit McLaren. "The Magic" stieg zum abgöttisch verehrten Volkshelden des bevölkerungsreichsten Landes Südamerikas auf. Er war, so Berger, "schon zu Lebzeiten eine Legende".

1994 aber war alles anders. Senna war zu Williams gewechselt und kam nach zwei Ausfällen punktlos zum Europa-Auftakt nach Imola. Aufgewühlt von Ratzenbergers Tod trat der 34-Jährige dennoch aus der Pole zum Rennen an. Nach einem Unfall am Start wurde das Rennen fünf Runden neutralisiert, in Runde sieben raste Senna mit fast 300 km/h geradeaus in die Mauer.

"Wir haben gesehen, dass es Senna ist. Aber es hat geheißen, er scheint okay zu sein", erinnert sich der damals viertplatzierte Karl Wendlinger. Auch der Tiroler hat nichts vergessen, obwohl er zwei Wochen später in Monaco selbst so schwer verunglückte, dass er wochenlang im Koma lag.

Michael Schumacher gewann auch dieses Rennen, die Kunde vom Ableben Sennas erreicht die Welt erst zwei Stunden später. Als er vier Tage später in Sao Paulo zu Grabe getragen wurde, säumten hunderttausende Menschen die Straßen. "Als ob eine Gottheit gestorben wäre", erinnert sich sein langjähriger Physiotherapeut Josef Leberer. "Senna wäre im Williams über Jahre unschlagbar gewesen, einige andere wohl nicht Weltmeister geworden", ist Berger, einer der Sargträger, heute noch überzeugt.

Imola 1994 löste aber insgesamt eine intensive Sicherheits-Diskussion in der automotiven Welt aus. Die FIA intensivierte die Crashtests, die ab da rasanten Fortschritte punkto Verkehrssicherheit haben vermutlich tausenden Menschen das Leben gerettet. "Ohne die Ereignisse von Imola hätten wir 20 oder 30 Jahre länger gebraucht, um punkto Verkehrssicherheit dorthin zu gelangen, wo wir heute sind", ist der damalige FIA-Präsident Max Mosley überzeugt. Leberer ist sicher: "Ayrton ist irgendwie auch für die Anderen gestorben".

Die Staatsanwaltschaft klagte damals sechs Personen an. Alle, darunter Teambesitzer Frank Williams, Technikchef Patrick Head und Designer Adrian Newey, wurden letztlich freigesprochen. Obwohl die gefährliche Tamburello längst entschärft ist, lässt sich die Formel 1 im Autodromo Dino e Enzo Ferrari seit 2006 nicht mehr blicken. Die bevorstehenden Gedenktage, denen auch Berger beiwohnt, sollen wieder Leben an die Rennstrecke in Norditalien bringen.