Erstellt am 07. Juli 2015, 08:14

von APA/Red

Gläubiger machen Druck auf Athen. Zwei Tage nach dem Referendum in Griechenland kommen Spitzenpolitiker der 19 Eurostaaten in Brüssel zusammen, um Auswege aus der zugespitzten Schuldenkrise zu suchen.

Warteschlangen an Bankomaten bleiben griechischer Alltag  |  NOEN, APA (epa)

Zunächst wollen die Euro-Finanzminister am Dienstagnachmittag beraten, ob mit Athen über ein neues Hilfsprogramm verhandelt werden kann. Am frühen Abend treffen sich dann die Staats- und Regierungschefs der Euro-Staaten.

"Es gibt Zeitdruck für Griechenland"

An der Toprunde werden auch Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem und der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, teilnehmen. Dijsselbloem forderte die Regierung in Athen dringend auf, konstruktive Vorschläge zur Lösung der Krise vorzulegen. Ohne klares Reformpaket sei ein Verbleib Griechenlands in der Eurozone "sehr fraglich", betonte der niederländische Finanzminister am Montagabend im Parlament in Den Haag.

Auch Frankreichs Präsident François Hollande und Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel machten Druck. "Es gibt Zeitdruck für Griechenland, und es gibt Zeitdruck für Europa", sagte Hollande nach einem Treffen mit Merkel in Paris.

EU-Kommissar Günther Oettinger hat die Hoffnung auf eine Lösung noch nicht aufgegeben. "Wir setzen einmal darauf, dass die Regierung heute mit vergleichbar wertvollen Reformvorschlägen nach Brüssel kommt", sagte er am Dienstag im Deutschlandfunk mit Blick auf den Euro-Sondergipfel. Die Europäer seien in ihrer Position flexibel, fügte er hinzu.

Griechenland will am Dienstag mit den Euro-Partnern auch über eine Umschuldung verhandeln. Auf diese in der Eurogruppe umstrittene Forderung verständigte sich Ministerpräsident Alexis Tsipras bei einem Treffen mit der Opposition in Athen.

Griechische Banken noch zwei Tage geschlossen

Die griechischen Banken bleiben angesichts der schweren Finanzkrise noch mindestens zwei weitere Tage geschlossen. Die seit gut einer Woche geltende Regelung wurde bis Mittwochabend verlängert. Damit dürfen die Griechen weiterhin maximal 60 Euro am Tag an Bankomaten von ihren Konten abheben.

Überweisungen ins Ausland sind nur nach einer Genehmigung der Zentralbank möglich. Pensionisten, die keine Bankomatkarten haben, können in der Woche höchstens 120 Euro abheben. Ausländische Touristen sind von den Einschränkungen nicht betroffen.

Die griechischen Banken können Auszahlungen nur vornehmen, da sie Notkredite von der EZB erhalten. Diese teilte am Montag in Frankfurt mit, dass die Notkredite auf dem aktuellen Stand von knapp 90 Milliarden Euro gehalten werden. Die EZB passte zudem die Abschläge auf die von Athener Banken eingereichten Sicherheiten an. Kreisen zufolge liegen diese nun bei 45 Prozent.

Die EZB habe einen Antrag Athens abgelehnt, die Kredite um drei Milliarden Euro aufzustocken, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Zeitung "Die Welt" nannte sogar einen Betrag von sechs Milliarden Euro. Die Entscheidung zur Beibehaltung der Kredite war von den meisten Experten erwartet worden. Auch nach der Verlängerung droht den griechischen Banken in den nächsten Tagen das Geld auszugehen.