Erstellt am 15. März 2015, 14:43

Vorarlberg wählte Bürgermeister und Gemeindevertreter. Die Vorarlberger Gemeindewahlen 2015 sind geschlagen.

Die letzten Wahllokale schlossen am Sonntag um 13.00 Uhr. Das landesweite Resultat wird gegen 18.00 Uhr erwartet. Sicher ist bereits, dass in der Stadt Hohenems am 29. März eine Stichwahl zwischen dem amtierenden Bürgermeister Richard Amann (ÖVP) und FPÖ-Landesparteiobmann Dieter Egger geben wird. Egger hat als Herausforderer gute Karten: Nach Auszählung der Stimmen in allen 13 Wahlsprengeln der Stadt liegt er mit 45,3 Prozent klar vor dem amtierenden Bürgermeister Amann. Dieser erhielt 35,1 Prozent der Stimmen.

Egger zeigte sich in einer ersten Reaktion "überwältigt". Einen Vierer vor dem Ergebnis zu haben, "das wäre schön", habe er sich insgeheim gewünscht. Dass er nun mit 45,33 Prozent rund zehn Prozentpunkte vor dem Kandidaten der ÖVP liegt, sei ein "deutliches Signal, dass die Hohenemser eine Veränderung wünschen und mit der bisherigen Führung unzufrieden sind".

Egger erneuerte seine Ankündigung, für den Fall, dass er als Bürgermeister bei der Stichwahl in 14 Tagen als Sieger hervorgeht, die Ämter als FPÖ-Landesparteiobmann und als Landtagsklubobmann abzugeben. Jetzt gelte es aber "alles zu mobilisieren", bis zur Stichwahl liege noch "ein gutes Stück Arbeit" vor ihm, aber auch vor seinem Gegenkandidaten.

Sichtlich geknickt reagierte hingegen der amtierende ÖVP-Bürgermeister Amann darauf, dass ihn Egger in eine Stichwahl in zwei Wochen zwingt. Auf Amann entfielen 2.355 Stimmen, auf Egger 3.046. "Was soll ich sagen ... deutlich unter der Erwartung", war Amanns erste Stellungnahme gegenüber der APA.

Die übrigen drei Bürgermeisterkandidaten spielten nur eine Nebenrolle. Am besten schnitt der Kandidaten der Grünen, Bernhard Amann, mit 13 Prozent ab. Die Kandidaten der SPÖ und einer bürgerlichen Liste erhielten jeweils rund drei Prozent.

Mit Spannung blickte man im Rathaus bei diesen neuen Vorzeichen auf das Abschneiden der Parteien für die Zusammensetzung der Stadtvertretung mit 36 Sitzen. Bei der Landtagswahl im vergangenen September hatte sich in Hohenems die FPÖ erstmals vor die ÖVP gesetzt.

Die SPÖ erreichte unterdessen mindestens eines ihrer Wahlziele: Josef Lechthaler holte in St. Gallenkirch (Bezirk Bludenz) den 2010 verlorenen Bürgermeistersessel für die Sozialdemokraten zurück. Bei der Gemeindewahl kam das "Team Josef Lechthaler - Parteifreie Bürger und SPÖ" auf 56,3 Prozent der Stimmen, auf die ÖVP entfielen 43,7 Prozent.

Lechthaler überflügelte in der Bürgermeister-Direktwahl den 2010 siegreichen Ewald Tschanhenz (ÖVP). Tschanhenz war damals gegen den amtierenden SPÖ-Bürgermeister Arno Salzmann angetreten und hatte sowohl bei den Gemeindewahlen als auch in der Bürgermeister-Direktwahl einen fulminanten Sieg für die Volkspartei eingefahren. In der Direktwahl überholte er seinen Konkurrenten mit 55,6 Prozent um 11,2 Prozentpunkte, in der Gemeindevertretung entfielen 51,4 Prozent der Stimmen auf die Volkspartei. Die SPÖ erreichte damals nur 42 Prozent.

Mit Lechthaler hat sich das Blatt nun wieder zugunsten der SPÖ gewendet. Lechthaler überzeugte in der Direktwahl mit 57,7 Prozent der Stimmen, während der aktuelle Bürgermeister nur 42,3 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte.

Die Ergebnisse von 18 Vorarlberger Kleingemeinden lagen schon zu Mittag vor, dabei handelte es sich überwiegend um Kommunen, in denen nur eine Liste bzw. ein oder kein Bürgermeisterkandidat antrat. Das landesweite Resultat wird gegen 18.00 Uhr erwartet.

Zwei Parteien bzw. Listen stellten sich in Lorüns im Bezirk Bludenz zur Wahl. Dort trat neben der ÖVP auch die FPÖ an. Die Volkspartei erzielte dabei einen Stimmenanteil von 79,8 Prozent (sieben von neun Mandaten). Vor fünf Jahren war in Lorüns nur die ÖVP wählbar gewesen. In Fraxern (Bezirk Feldkirch) änderte sich das Ergebnis gegenüber 2010 praktisch nicht. Die Gemeindeliste kam auf 76,6 Prozent der Stimmen (2010: 76,3), das Demokratische Forum auf 23,3 Prozent (2010: 23,7 Prozent). In Übersaxen (Bezirk Feldkirch) setzte sich die Dorfliste (75,9 Prozent Stimmenanteil) gegen die FPÖ (24,1 Prozent) durch.

Bis 13.00 Uhr waren fünf Bürgermeister direkt gewählt: Matthias Luger folgte in Stallehr (Bezirk Bludenz) seinem Vater nach, der bisherige Vizebürgermeister Gerold Mähr in Düns (Bezirk Feldkirch) ist jetzt Bürgermeister statt Ludwig Mähr. Lothar Ladner bleibt Gemeindeoberhaupt in Lorüns, Anton Mähr in Schnifis sowie Anton Gohm in Röns (beide Bezirk Feldkirch).

Bei sonnigem Frühlingswetter betrug die Wahlbeteiligung in den kleinen Ortschaften zunächst zwischen 58,1 Prozent und 89,9 Prozent. Ein eindeutiger Trend war dabei nicht auszumachen, 2010 belief sich die Wahlbeteiligung bei den Vorarlberger Gemeindewahlen auf 62,63 Prozent, 2005 auf 64,92 Prozent.