Erstellt am 29. Mai 2015, 14:48

von APA/Red

Tirol rüstet sich für G-7-Gipfel und Flüchtlings-Ansturm. Die Vorbereitungen der österreichischen Exekutive für das G-7-Treffen in Bayern und die Bilderbergkonferenz in Telfs laufen auf Hochtouren. "Insgesamt können bis zu 2.100 Polizisten in Einsatz gebracht werden", sagte Christoph Hundertpfund von der Landespolizeidirektion Tirol.

Verstärkte Grenzkontrollen stehen auf der G-7-Tagesordnung  |  NOEN, APA (ZEITUNGSFOTO.AT)

Zudem laufen in Tirol auch die Vorbereitungen für die Versorgung von vermehrt im Bundesland strandenden Flüchtlingen.

Demnach sind 35 Alpinpolizisten in Tirol im Einsatz. Zudem seien ein FLIR-Hubschrauber (Forward Looking Infrared), zwei Einsatzhubschrauber, zwei "Black Hawk"-Hubschrauber des Bundesheeres, ein gepanzertes Räumfahrzeug, zwei Wasserwerfer, Wärmebildfahrzeuge und 360 Tretgitter nach Tirol verlegt worden, so Hundertpfund.

Weitere 200 Notquartiere in Kufstein geschaffen

Im Bezirk Kufstein wurden für Flüchtlinge bereits 200 Plätze in Notquartieren geschaffen, weitere rund 200 sollen in diesen Tagen folgen. Derzeit werden 25 Flüchtlinge betreut. Dies teilte der Kufsteiner Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer am Freitag bei einer Pressekonferenz im sogenannten "Erstaufnahmezelt" in Kufstein mit.

Die illegal eingereisten Migranten sind derzeit in einer Turnhalle in der Gemeinde Schwoich untergebracht. Eine weitere Turnhalle als Notquartier steht in Langkampfen zur Verfügung.

Neben dem Erstaufnahmezelt in der Bezirkshauptstadt werden zudem zwei weitere Zelte aufgebaut. Platzgummer rechnete damit, dass die geschaffenen Kapazitäten in den nächsten Tagen auch nötig sein werden. Man sei auf den "Ansturm" vorbereitet, fügte Walter Meingassner, Bezirkspolizeikommandant von Kufstein, hinzu.

Zu einer deutlichen Zunahme an Flüchtlingsaufgriffen im Raum Kufstein werde es vor allem aufgrund der Zugkontrollen der Deutschen Polizei zwischen Innsbruck und der Festungsstadt kommen, die am Donnerstag richtig angelaufen wären.

Bisher kam es auf der Strecke laut Meingassner zu 47 Aufgriffen. Die Flüchtlinge - vorwiegend aus Syrien, Eritrea und Somalia - würden von der deutschen Polizei den österreichischen Kollegen am Bahnhof Kufstein übergeben.

Dort wurde das "Lokal" der Exekutive für die sogenannten "Ausgleichsmaßnahmen" vergrößert. Nach der polizeilichen Amtshandlung sollen die Flüchtlinge, die nicht länger als 48 Stunden angehalten werden dürfen, den einzelnen Notquartieren zugewiesen werden. Diese werden vom Arbeitersamariterbund und vom Roten Kreuz betreut.

Überwiegende Mehrheit sucht nicht um Asyl an

Im Gegensatz zu den Flüchtlingen, die zwischen dem Brenner und Innsbruck aufgegriffen werden, dürfen die im Raum Kufstein Angehaltenen aufgrund der mangelnden Grenz-Nähe nicht innerhalb von zwei Tagen nach Italien zurückgeschoben werden, erklärte Harald Baumgartner, Leiter der Fremdenpolizei in Tirol die besondere Herausforderung. Es greife hier ein "formelles Rückübernahmeverfahren", das bis zu einige Wochen dauern könne.

Wie viele Flüchtlinge im Raum Kufstein stranden werden, konnten die Verantwortlichen nicht festmachen. "Das ist momentan nicht abschätzbar", meinte Baumgartner. Derzeit würden täglich 100 bis 200 illegal eingereiste Migranten von Italien nach Tirol gelangen.

Die überwiegende Mehrheit suche nicht um Asyl an, wurde erneut betont. Auf bayerischem Gebiet kam es laut Meingassner in den vergangenen Tagen zu 300 Flüchtlingsaufgriffen in Fernzügen. Die meisten Personen sollen um Asyl in Deutschland angesucht haben. Somit blieb eine Rückführung vorerst aus.

Unterdessen liefen auch die Kontrollen der deutschen Polizei auf der Straße an. Diese würden "sehr temporär" im Grenzkontrollbereich durchgeführt, sagte Meingassner. Die "intensiven Kontrollen" würden bis zum 9. Juni andauern, die verstärkten Überprüfungen auf Straße und Schiene bis zum 15. Juni.