Erstellt am 02. Oktober 2014, 08:07

von APA/Red

Vormarsch der IS - Ankara berät Militäreinsatz. Trotz der US-geführten Luftangriffe setzen die Jihadisten des "Islamischen Staates" (IS) ihren Vormarsch auf die syrische Stadt Kobane (Ayn al-Arab) an der Grenze zur Türkei fort.

Laut der Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte besteht große Sorge, dass die Terrormiliz bald in die Stadt eindringt. Am Donnerstag berät das türkische Parlament über Militäreinsätze in Nachbarländern.

Der IS dringe im Südosten und Westen weiter vor, die kurdischen Kämpfer hätten sich inzwischen von der Westfront zurückgezogen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am frühen Donnerstag mit. Die Sorge sei groß, dass die Jihadisten schon bald in die Stadt eindringen werden. Die Beobachtungsstelle sprach von den heftigsten Kämpfen seit Beginn der IS-Offensive auf die Grenzstadt vor rund zwei Wochen.

Demnach bereiteten sich kurdische Kräfte im Stadtinneren bereits auf Straßenkämpfe vor, sollte es dem IS gelingen, die letzten Verteidigungslinien zu durchbrechen. Den tausenden mit modernsten Waffen und Panzern ausgerüsteten Jihadisten stehen nur wenige hundert schlecht ausgerüstete kurdische Kämpfer entgegen.

Türkische Armee notfalls im "grenzübergreifenden Einsatz"

Die Beobachtungsstelle steht der Opposition gegen Assad nahe. Sie stützt sich bei ihren Berichten auf ein weites Netz von Informanten, doch lassen sich die Angaben von unabhängiger Seite nur schwer überprüfen.

Angesichts des Vormarschs der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und im Irak will sich die türkische Regierung vom Parlament die Erlaubnis für Militäroperationen in den Nachbarländern geben lassen. Auch sollen türkische Militärstützpunkte auch anderen Ländern zur Verfügung gestellt werden. Über einen entsprechenden Antrag soll das türkische Parlament am Donnerstag beraten.

In dem vom Kabinett am Dienstagabend verabschiedeten Entwurf heißt es, die Armee solle notfalls "zu grenzübergreifenden Einsätzen und Interventionen in andere Länder" geschickt werden. Damit könnten türkische Soldaten im Kampf gegen den IS in den Nachbarländern Syrien und Irak zum Einsatz kommen. Eine Annahme durch das Parlament gilt angesichts der großen Mehrheit der Regierungspartei AKP als sicher. Die Erlaubnis soll für ein Jahr gelten.

IS-Kämpfer rückten bis zu bewachtet Schah-Grabstätte vor

Die Türkei hatte bis vor kurzem eine führende Rolle in der von den USA geleiteten Militärkampagne gegen den IS abgelehnt. Sie befürchtete, dass dadurch letztendlich Syriens Präsident Bashar al-Assad und kurdische Kämpfer, die mit PKK-Rebellen in der Türkei verbündet sind, gestärkt werden könnten. Doch nach der Freilassung von 46 Türken aus IS-Geiselhaft hat sich die Haltung geändert. So forderte Präsident Recep Tayyip Erdogan vor einigen Tagen, sein Land müsse Solidarität zeigen und sich an der Bekämpfung von IS beteiligen. Außerdem rückten IS-Kämpfer in Nordsyrien zuletzt auf die von türkischen Soldaten aufgrund eines Sonderabkommens bewachte Grabstätte von Suleiman Schah vor, dem Großvater des Gründers des Osmanischen Reiches.

Ob die Türkei tatsächlich mit einem Bodeneinsatz in die Kämpfe eingreifen wird, ist allerdings mehr als fraglich. Hochrangige Regierungsvertreter signalisierten, die Türkei werde zwar ihre Grenzen zu Syrien und dem Irak verteidigen, wo der IS große Landesteile unter seine Kontrolle gebracht hat. Ein Eingreifen am Boden sei aber unwahrscheinlich. Stattdessen dürfte das NATO-Land auf der Einrichtung einer Flugverbotszone entlang seiner Grenze pochen. Deren Sicherung hat die Türkei angesichts des IS-Vormarsches auf die syrische Grenzstadt Kobane verstärkt und nach Medienberichten 10.000 Soldaten in Alarmbereitschaft versetzt.