Erstellt am 22. September 2015, 10:38

VW-Dieselskandal in USA zieht weite Kreise. Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen zieht immer weitere Kreise: Die US-Umweltschutzbehörde EPA kündigte am Montag in Washington an, auch die Diesel-Fahrzeuge von anderen Autobauern unter die Lupe zu nehmen.

 |  NOEN, APA (epa)

Medienberichten zufolge leitete das US-Justizministerium strafrechtliche Ermittlungen ein. Die Aktie des Wolfsburger Autokonzerns brach am Montag um fast 19 Prozent ein.

Die EPA erklärte, gemeinsam mit der kalifornischen Partnerbehörde Carb die Modelle weiterer Hersteller auf mögliche "Abschalteinrichtungen" zu überprüfen, die den Schadstoffausstoß bei offiziellen Emissionstests verringern.

Die Umweltschutzbehörde machte keine Angaben dazu, welche Autobauer betroffen sind. Auch die deutschen Konzerne Daimler und BMW sind auf dem US-Markt mit Diesel-Fahrzeugen vertreten. Die Unternehmen hatten in den vergangenen Jahren die sogenannte "Clean Diesel"-Technologie als sparsame und umweltfreundliche Alternative präsentiert.

Über die Einleitung strafrechtlicher Ermittlungen in dem Fall berichtete unter anderem das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Kreise. Demnach leitet die Umweltabteilung des US-Justizministeriums die Ermittlungen. Im US-Repräsentantenhaus soll es in den kommenden Wochen eine Anhörung zu dem Fall geben.

Der Amerika-Chef von VW, Michael Horn, hat sich inzwischen für den Skandal entschuldigt. "Wir waren unehrlich", sagte Horn am Montagabend bei der Präsentation eines neuen Passat-Modells in New York. "Wir waren unehrlich zur Umweltbehörde EPA, wir waren unehrlich zu den Behörden in Kalifornien und, am schlimmsten von allem, wir waren unehrlich zu unseren Kunden. Um es auf gut Deutsch zu sagen: Wir haben Mist gebaut."

Die Vorwürfe gegen Volkswagen und die Tochter Audi waren am Freitag öffentlich geworden. Laut EPA entwickelte VW eine Software, mit der die Vorgaben zur Luftreinhaltung zwar bei Tests, nicht aber beim normalen Betrieb der Autos erfüllt wurden. Die Dieselfahrzeuge stießen folglich im regulären Straßenverkehr mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus als erlaubt. Betroffen von den Manipulationsvorwürfen sind rund 480.000 Fahrzeuge.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat am Dienstag eine schnelle Aufklärung des Skandals gefordert. Bei seinem Besuch in Sri Lanka sagte Steinmeier auf Fragen von Journalisten zu der Affäre: "Ich hoffe, dass es schnell Aufklärung darüber gibt, in welchem Umfang Daten durch technische Einrichtungen beeinflusst worden sind."

"Insbesondere" erhoffe er sich "Erkenntnisse darüber, wer dafür verantwortlich ist. Es ist und muss zuallererst das Interesse von Volkswagen selbst sein". Steinmeier fügte hinzu: "In einem zweiten Schritt wird man darüber reden, zwischen VW und den Behörden in den USA, wie man in der Aufarbeitung damit umgeht."

Frankreich hat indessen eine Untersuchung auf europäischer Ebene gefordert. "Wir sind ein europäischer Markt mit europäischen Regeln. Und die müssen eingehalten werden", sagte Finanzminister Michel Sapin am Dienstag dem Radiosender "Europe 1". Die Untersuchung solle aber nicht nur Volkswagen betreffen. "Ich denke, um die Menschen zu beruhigen, sollten wir sie auch auf die französischen Hersteller ausdehnen." Er habe aber keinen Anlass zu glauben, dass sich diese so wie Volkswagen verhalten hätten.

Inzwischen hat auch Südkorea angekündigt, drei Diesel-Modelle von VW genauer zu untersuchen. Auch in Deutschland sollen alle Diesel-Fahrzeuge von VW auf die Einhaltung der Abgas-Vorschriften geprüft werden.