Erstellt am 16. Dezember 2015, 14:46

von APA/Red

Wäschekonzern Palmers wieder in österreichischer Hand. Der österreichische Wäschekonzern Palmers wechselt den Eigentümer und gehört künftig wieder Österreichern.

Eine heimische Investorengruppe um das Brüdertrio Marc, Tino und Luca Wieser sowie Gernot Friedhuber haben die Palmers Textil AG zur Gänze von bisher beteiligten Investmentfonds übernommen. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es.

Mit der Übernahme durch Wieser und Friedhuber gelangt das traditionsreiche Unternehmen wieder in österreichischen Besitz. Zuletzt waren Investmentfonds wie der deutsche Fonds Quadriga Eigentümer von Palmers. Der Wäschekonzern hat den Angaben zufolge 300 Filialen und 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 550 in Österreich.

Die drei Wieser-Brüder stammen aus Graz und haben mit der MTM Textilhandel GmbH unter anderem Flagship-Stores und Standortkonzepte für Marken wie Benetton und Nike umgesetzt, heißt es in der Aussendung vom Mittwoch. Friedhuber wiederum erlangte vor allem als Organisator der World Stunt Awards im Auftrag von Red Bull Bekanntheit. Daneben gründete und finanzierte er Start-ups.

Die Käufer kündigten am Mittwoch eine Markenoffensive an. "Unsere Vision ist, das Unternehmen nun auch international in den Vordergrund zu bringen", erklärte Marc Wieser. Fixiert wurde der Kauf am Dienstag. In einem "Kurier"-Bericht vom heurigen Sommer war von einem Kaufpreis von acht bis zehn Mio. Euro die Rede.

Als erster Schritt werden das Management und der Aufsichtsrat umgekrempelt. Marc und Tino Wieser ziehen neu in den Vorstand ein, der bisherige Alleinvorstand Wolfgang Neussner bleibt aber an Bord. In den Aufsichtsrat berufen wurden der Steuerberater Christian Zwach, der Anwalt Christian Nordberg sowie der frühere Chef von Benetton und Geox, Fabrizio De Nardis.

Das Brüdertrio will vor allem auf Qualität setzen. Man sehe ein großes Potenzial in den Marken Palmers und p2 Bodywear, so Marc Wieser. "Palmers ist ein österreichisches Juwel, das seine Strahlkraft auf globales Niveau bringen wird", kündigte er an. Ausgebaut werden soll auch der Onlinehandel.

Der Wäschekonzern wurde vor 100 Jahren gegründet und stand bis 2004 im Familienbesitz, bevor Quadriga Capital und Lead Equities für ungefähr 50 Mio. Euro alle Anteile übernahmen.

Unternehmensgründer war Ludwig Palmers, der 1914 in Innsbruck mit einem Wäschegeschäft startete. 1936 folgte die erste Palmers-Verkaufsstelle, die von einem Franchisenehmer geführt wurde. Der Startschuss zur Expansion mit vorerst 45 Palmers-Geschäften fiel nach dem Zweiten Weltkrieg. Ludwig Palmers Sohn Walter gelang es in der Folge österreichweit ein flächendeckendes Netz an grünen Palmers-Filialen aufzubauen.

Zuletzt kämpfte Palmers mit den Nachwehen der Pleite um die französische Palmers-Tochter Lejaby im Jahr 2011. Der 2008 erworbene französische Dessoushersteller entpuppte sich für Palmers als Sanierungsfall. Die Restrukturierung kam in den vergangenen zwei Jahren aber voran. Nach Gewinnen 2014 und 2015 ist das Eigenkapital nun wieder im grünen Bereich. Auch die Aktien sowie die Markenrechte sind nicht mehr an die Erste Bank verpfändet. Palmers hat heuer zudem die Kosmetik-Sparte p2 an die französische Maesa Group um kolportierte 30 Mio. Euro verkauft.

Im Geschäftsjahr 2014/15 (bis 31. Jänner) schrieb Palmers einen Nettogewinn von 3,5 Mio. Euro, nach 10,6 Mio. Euro im Jahr davor. Wegen interner Abläufe und saisonalen Kollektionen verschob Palmers heuer den Bilanzstichtag auf den 31. Juli. Im Rumpfgeschäftsjahr Jänner bis Juli 2015 weist die Konzernholding einen Jahresüberschuss von 17,2 Mio. Euro aus.