Erstellt am 01. Oktober 2016, 12:12

von APA Red

Aleppo: UNO-Vetomächte diskutieren Entwurf. Die fünf UNO-Vetomächte haben am Freitag über einen Resolutionsentwurf debattiert, der eine neue Waffenruhe in der schwer umkämpften syrischen Metropole Aleppo fordert.

Syrisches Militär mit Panzer in Aleppo unterwegs  |  APA/ag.

Der von Frankreich eingebrachte Text sieht vor, dass die von den USA und Russland Anfang September ausgehandelte Feuerpause wieder aufgenommen wird, damit die eingeschlossene Bevölkerung mit humanitären Hilfen versorgt werden kann.

Außerdem sollen alle syrischen und russischen Kampfflugzeuge am Boden bleiben. Vorgesehen ist in dem Entwurf auch eine Überwachung der Waffenruhe durch mehrere Vertreter der Syrien-Unterstützergruppe. Diese wird von den USA und Russland geleitet und besteht aus 17 Ländern und drei Organisationen. In ihr sind sowohl Gegner als auch Unterstützer der syrischen Führung versammelt.

Unterdessen ist bei einem neuerlichen Luftangriff auf Aleppo nach Angaben einer medizinischen Hilfsorganisation erneut ein Krankenhaus getroffen worden. Im Krankenhaus M10, der größten Klinik im von den Rebellen kontrollierten Ostteil der Stadt, seien am Samstag mindestens zwei Fassbomben eingeschlagen, teilte die in den USA ansässige Syrian American Medical Society (Sams) mit.

Es gebe zudem Berichte über eine Streubombe, hieß es. Das Krankenhaus M10 und die ebenfalls von der Hilfsorganisation unterstützte Klinik M2 waren bereits am Mittwoch bombardiert worden und seither außer Betrieb. Die Angriffe hatten für große Empörung gesorgt, UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon stufte sie als Kriegsverbrechen ein.

Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurde am Samstag auch ein kleineres Feldlazarett im Stadtviertel Sachur bombardiert. Dabei sei mindestens ein Mensch getötet worden. Die Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle, die sich auf Informanten vor Ort beruft, sind von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Die Gesprächer der UNO-Vetomächte sollen nach Angaben von Diplomaten nach der ersten Diskussion auf Expertenebene fortgesetzt werden. Frankreich will die Pläne demnach am Montag allen Mitgliedern des UNO-Sicherheitsrats präsentieren. Ziel sei es, einen "Ausweg aus der Sackgasse und den gegenseitigen Vorwürfen zu finden", sagte ein Diplomat. "Das wird nicht einfach werden." Russland legte demnach aber nicht umgehend ein Veto ein.

Nach US-Angaben sind die Gespräche von US-Außenminister John Kerry mit Russland über eine erneute Waffenruhe für Syrien "auf der Intensivstation", aber noch nicht tot. Kerry telefonierte am Freitag den dritten Tag in Folge mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow, doch gab es keine konkreten Ergebnisse.

Die Millionenstadt Aleppo steht seit dem Scheitern der Waffenruhe vom September unter Dauerbeschuss. Besonders der von Rebellen gehaltene Ostteil der Stadt wird heftig bombardiert.