Erstellt am 18. Juli 2014, 11:18

von APA Red

Waffenruhe nach Boeing-Abschuss. Nach dem vermutlichen Abschuss der malaysischen Passagiermaschine über der Ukraine haben die prorussischen Separatisten im Osten des Landes eine zwei- bis viertägige Waffenruhe angekündigt.

Damit sollen die Untersuchungen zur Ursache der Katastrophe erleichtert werden. Derzeit sind OSZE-Beobachter auf dem Weg zur Unfallstelle.

USA unterstützen "sofortige und vollständige" Untersuchung

Die Linienmaschine von Malaysia Airlines war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur, als sie am Donnerstag in einem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet der ostukrainischen Unruheregion Donezk abstürzte.

Nach Angaben der Fluggesellschaft waren insgesamt 298 Insassen an Bord, darunter 173 Niederländer, 43 Menschen aus Malaysia (einschließlich der 15 Besatzungsmitglieder und zwei Kinder), 27 Australier, 12 Indonesier (darunter ein Kind), 9 Personen aus Großbritannien, vier Deutsche, vier Belgier, drei Philippiner sowie ein Kanadier und ein Neuseeländer. Die Nationalität von 20 Passagieren ist noch unklar.

US-Präsident Barack Obama sprach dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte in einem Telefongespräch sein Beileid zum "tragischen Tod" der niederländischen Passagiere aus. Die USA seien bereit, eine "sofortige, vollständige, glaubwürdige und ungehinderte" Untersuchung zu unterstützen. Beide Politiker betonten demnach, dass internationale Experten Zugang zur Absturzstelle erhalten müssten.

Ukrainischer Staatschef sprach von"terroristischem Akt"

Auch der russische Präsident Wladimir Putin telefonierte mit Rutte und drückte ihm sein Beileid aus. Putin sprach sich in dem Gespräch für eine unabhängige Untersuchungskommission aus. Am Donnerstag hatte der russische Präsident die ukrainische Regierung indirekt beschuldigt. Die Tragödie wäre nicht passiert, wenn es in der Ostukraine keinen Krieg gebe, so die Logik Putins

Der ukrainische Präsident Poroschenko sprach hingegen von einem "terroristischen Akt". Er warf den Separatisten vor, die Boeing abgeschossen zu haben - wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge. Die ukrainische Luftwaffe habe mit der Tragödie nichts zu tun, so der Präsident, der umgehend eine Untersuchungskommission bilden ließ. "Wir sind überzeugt, dass die Verantwortlichen für diese Tragödie zur Verantwortung gezogen werden."

Maschine sei "vom Himmel geholt worden"

US-Außenminister John Kerry forderte eine "glaubwürdige" internationale Untersuchung. Die USA seien "entsetzt"über den Absturz von Flug MH17, erklärte Kerry. Auch er bot die Hilfe der US-Regierung bei einer internationalen Untersuchung an. Washington werde mit allem Beteiligten in Kontakt bleiben, um den Vorfall aufzuklären.

Der australische Ministerpräsident Tony Abbott machte am Freitag prorussische Separatisten für den Absturz verantwortlich. Es sehe so aus, dass "von Russland unterstützte Rebellen" hinter dem Abschuss stünden. Auch US-Vizepräsident Joe Biden sprach vom Abschuss der Maschine.

Der Absturz sei "kein Unfall", die Maschine sei "vom Himmel geholt worden", sagte er. Das entspricht der Einschätzung des US-Geheimdienstes, der von einem Beschuss durch eine Boden-Luft-Rakete ausgeht. Die "Washington Post" zitierte einen namentlich nicht genannten Geheimdienstbeamten.

Experten ermitteln genauen Ursprungsort der Rakete

Das Flugzeug sei auf einer Höhe von 9100 Meter geflogen, hieß es unter Berufung auf Daten eines Spionagesatelliten der US-Streitkräfte. Der Satellit liefere aber keine Informationen, wo genau die Rakete abgefeuert wurde.

Experten von Militär und Geheimdienst seien aber dabei, mit Hilfe von mathematischen Formeln und Hochgeschwindigkeits-Computern, den genauen Ursprungsort der Rakete zu ermitteln. Andere Experten arbeiteten mit ukrainische Behörden zusammen, um Trümmerteile der Rakete und des Flugzeuges zu untersuchen.  

Es ist der zweite schwere Schlag für Malaysia Airlines innerhalb von Monaten. Im März verschwand Flug MH370 auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking. Wochenlange Suchen im Pazifik nach dem Wrack blieben erfolglos.

Fluggesellschaften reagierten umgehend auf das Unglück

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen will sich in einer eilig einberufenen Sondersitzung mit dem Flugzeugabsturz befassen. Das mächtigste UN-Gremium werde am Freitag um 10.00 Uhr (16.00 Uhr MESZ) zusammentreten, hieß es am Donnerstag aus Diplomatenkreisen. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass irgendwelche Beschlüsse gefasst werden.

Die Lufthansa und andere Fluggesellschaften reagierten umgehend auf das Unglück und änderten ihre Flugrouten nach Asien. Der ostukrainische Luftraum werde bis auf weiteres weiträumig umflogen, sagte ein Lufthansa-Sprecher in Frankfurt.

Rettungskräfte erreichten am Abend das Wrack des Flugzeugs in der Nähe der Ortschaft Grabowo. "Die Arbeiten werden davon erschwert, dass die Trümmer in großem Umkreis verstreut sind", sagte ein Sprecher des ukrainischen Notfalldienstes. Zudem seien bewaffnete Separatisten in der Nähe. Diese boten am Abend eine befristete Feuerpause während der Bergungsarbeiten an und teilten mit, den Flugschreiber der Boeing gefunden zu haben.