Erstellt am 18. November 2014, 11:31

Weitere sieben Monate Haft für Hannes Kartnig. Ex-Sturm-Graz-Präsident Hannes Kartnig ist am Dienstag wegen schweren Betrugs in Bezug auf gefälschte Eintrittskartenabrechnungen zu sieben Monaten Haft verurteilt worden.

Es handelt sich um ein weiteres Teilurteil, es ist nicht rechtskräftig. Ein ehemaliger Sturm-Sekretär wurde nicht rechtskräftig als Beitragstäter zu fünf Monaten bedingter Haft verurteilt.

Bei der Verhandlung am Dienstag ging es um die Verkürzung der Abgaben an den steirischen Fußballverband und die Bundesliga. Der Ex-Sturm-Präsident betonte einmal mehr, von den Kartenabrechnungen keine Details gewusst zu haben. "Als Präsident habe ich nicht einmal gewusst, was in den Kartenabrechnungen steht", meinte Kartnig zu den verfälschten Formularen für die Abgaben.

"Ich bin eh' schon vernichtet"

"Ich habe gewusst, dass es Schwarzzahlungen gibt, aber dass der Verband geschädigt wurde, nicht", so Kartnig. "Ich weiß, dass sie mir nicht glauben, und die Schöffen auch nicht", meinte er zu Richter Martin Wolf. "Ich weiß, dass jeder gegen mich ist, ich bin eh' schon vernichtet", so Kartnig resigniert.

Die Karteneinnahmen wurden von 1998 bis 2004 um rund 2,5 Mio. Euro verkürzt: Zu diesem Schluss kam der Sachverständige Fritz Kleiner, der am sein Gutachten erläuterte. Kleiner schilderte, dass zwischen dem zweiten Halbjahr 1998 und dem ersten Halbjahr 2004 um rund 2,5 Mio. Euro weniger an Einnahmen angegeben wurden, als tatsächlich geflossen sind. Davon wären zwei Prozent dem Steirischen Fußballverband und der Bundesliga zugestanden. Die Differenz errechnete sich aus der Buchhaltung des Fußballvereins und den Computerausdrucken des Stadions, welche die Karten verzeichnet hatten. Die Anwälte von Hannes Kartnig lehnten Kleiner weiterhin als befangen ab und stellten daher auch keine Fragen an den Gutachter.

In seinem Schlussplädoyer betonte Staatsanwalt Johannes Winklhofer, es habe sich bei den falschen Kartenabrechnungen "um keinen kleinen Betrug" gehandelt. Nach Meinung von Verteidiger Roland Kier fehlt nach wie vor die Rechtsgrundlage für Abgaben an die Bundesliga und den Fußballverband und daher auch für eine Verurteilung.

"Die Drecksarbeit hat er andere machen lassen"

Der Ankläger führte aus, dass Kartnig dem ehemaligen Sekretär Anweisungen zur Abgabenverkürzung bei den Eintrittskarten gegeben hat. "Die Drecksarbeit hat er andere machen lassen", war der Staatsanwalt überzeugt. Milder beurteilte er den mitangeklagten ehemaligen Sekretär, der seiner Meinung nach nur auf Anweisung gehandelt habe. Der Verteidiger des Ex-Sekretär, Harald Christandl, zeigte sich erfreut über das Plädoyer des Anklägers: "Er hat richtig dargestellt, wer der Indianer und wer der Häuptling war."

Kartnig sagte in seinem Schlusswort, der Staatsanwalt schlage wild um sich "und nur mehr gegen mich". Er betonte einmal mehr, er habe sich nie persönlich bereichert. "Ich habe alles gestanden, was ich gemacht habe, aber ich kann nichts gestehen, was ich nicht getan habe", so der Ex-Präsident. "Ich bin menschlich am Ende und bitte um ein mildes Urteil", schloss er.