Erstellt am 31. Mai 2014, 13:42

Weitere Tote bei Gefechten. Bei weiteren schweren Gefechten zwischen ukrainischen Sicherheitskräften und militanten Separatisten sind nach Angaben der prorussischen Rebellen mindestens zwei Zivilisten getötet und acht verletzt worden.

 Im Zentrum der Zusammenstöße stand erneut die Stadt Slawjansk im Osten der Ukraine. Regierungseinheiten seien in der Nacht vorgerückt, sagte ein Sprecher der prorussischen Aktivisten.

Bei einem Schusswechsel nahe des ukrainisch-russischen Grenzpostens Djakowo wurden drei Soldaten verletzt. Etwa 80 unbekannte Angreifer hätten den Posten mit Granatwerfern attackiert, sagte ein Armeesprecher. Die Sicherheitskräfte hätten das Feuer erwidert und seien von einem Kampfjet des Typs Suchoi Su-27 unterstützt worden. Die Angreifer hätten sich später zurückgezogen.

Keine neuen Spur zu den Vermissten

Die beiden in der Ukraine vermissten Teams der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sind nach Angaben der Organisation weiter in der Hand ihrer Entführer. Der stellvertretende Leiter des Beobachtereinsatzes, Alexander Hug, sagte am Samstag im Deutschlandfunk, Berichte über eine Freilassung könne er nicht bestätigen. Es gebe weder direkt noch indirekt Kontakt zu den Vermissten.

Insgesamt werden nach Worten des Schweizers neun OSZE-Mitarbeiter vermisst. Nachdem bereits am Montag der Kontakt zu einer vier Mitglieder zählenden Gruppe in der Südostukraine zwischen Donezk und Luhansk abgebrochen sei, gebe es seit Donnerstagabend keinen Kontakt mehr zu einer fünf Mitarbeiter umfassenden Gruppe, die zuletzt im nordwestlichen Teil des Bezirks Luhansk aktiv gewesen sei.

Russland hat indes nach Erkenntnissen der US-Regierung etwa zwei Drittel seiner Soldaten von der ukrainischen Grenze abgezogen. Dies seien erste Schritte, hieß es in Washington am Freitag. "Wir wollen aber einen vollständigen Rückzug sehen." US-Präsident Barack Obama trifft am Mittwoch den neuen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko in Warschau.

"Wahljubiläum:": Fischer reist nach Polen

Nach Schätzungen der US-Regierung waren entlang der russisch-ukrainischen Grenze zeitweise an die 40.000 Soldaten aufgestellt. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen begrüßte nach Angaben seines Brüsseler Büros den teilweisen Rückzug der russischen Soldaten.

"Es gibt aber noch eine erhebliche Anzahl russischer Truppen, die aktiv werden könnten, wenn es dazu eine politische Entscheidung geben sollte", warnte er demnach bei einer Pressekonferenz in der litauischen Hauptstadt Vilnius.

Obama wird im Rahmen eines Europa-Besuches am kommenden Mittwoch in Warschau mit dem neu gewählten ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko zusammentreffen. Der US-Präsident wird in der polnischen Hauptstadt an den Feiern zum 25. Jahrestag der ersten halbdemokratischen Wahlen im Ostblock teilnehmen.

Zu dem Treffen werden 20 Staatsoberhäupter erwartet, darunter Francois Hollande (Frankreich), Joachim Gauck (Deutschland) und auch Bundespräsident Heinz Fischer. Erstmals seit dem Einfrieren der Beziehungen der NATO zu Russland vor knapp drei Monaten kommt schon vorher am Montag in Brüssel der NATO-Russland-Rat wieder zusammen.

Bewaffnete Kräfte im Osten der Ukraine brachten unterdessen ein weiteres Beobachterteam der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in ihre Gewalt. Der Kontakt zu den vier internationalen Beobachtern und einem ukrainischen Übersetzer sei Donnerstagabend gegen 19 Uhr abgebrochen, teilte die OSZE am Freitag in Wien und Kiew mit.

Die Bewaffneten hätten die Gruppe, die in zwei Fahrzeugen unterwegs gewesen sei, in der Stadt Sewerodonezk gestoppt, die etwa 100 Kilometer von Luhansk (Lugansk) entfernt ist. Ein anderes Team mit vier Beobachtern wird in der Ostukraine bereits seit dem 26. Mai vermisst.

"Moskau sorgt für Spannungen und Terroranschläge"

Die prowestliche Führung in Kiew bekräftigte nach den schweren Kämpfen mit Dutzenden Toten ihr Ziel einer vollständige Befreiung der Ostukraine von den Aufständischen. Der "Anti-Terror-Einsatz" gegen prorussische Separatisten werde erst nach einer vollständigen Stabilisierung der Lage beendet, sagte der kommissarische Verteidigungsminister Michail Kowal. "Wir werden weitermachen, solange die Region nicht normal lebt und arbeitet."

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk forderte den Westen auf, sich dem russischen Vorgehen in der Ostukraine entschlossen entgegenzustellen. "Russland nicht abzuschrecken hätte desaströse Folgen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag).

Gleichzeitig warf er Moskau vor, für "Spannungen und Terroranschläge" im Osten der Ukraine verantwortlich zu sein. Für direkte Gespräche zwischen Russland und der Ukraine gebe es momentan kein Vertrauen. "Moskau wird immer falsch spielen."