Erstellt am 25. Juni 2015, 10:33

Welterbekomitee entscheidet über Aufnahme neuer Stätten. Wenn sich das Welterbekomitee am Sonntag in Bonn zu seiner jährlichen Konferenz versammelt, wird die deutsche Staatsministerin Maria Böhmer als aktuelle Präsidentin des UNESCO-Gremiums den Vorsitz führen.

Die Speicherstadt in Hamburg ist unter den 36 Kandidaten  |  NOEN, APA (dpa)

Die deutsche Delegation blickt dem Treffen in der einstigen Hauptstadt aber auch deshalb mit Spannung entgegen, weil unter den 36 nominierten Kulturerbestätten auch drei deutsche Kandidaten sind.

Böhmers Hoffnung ist, dass Deutschland am Ende der zehntägigen Mammutkonferenz mit 2.100 Teilnehmern seine 40. Welterbestätte feiern kann. Dieses Jahr wurden die Speicherstadt in Hamburg mit dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus sowie der Naumburger Dom mit der hochmittelalterlichen Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut ins Rennen geschickt.

Das Beratungsgremium Icomos, das die Nominierungen der Mitgliedsländer prüft, hat sich für die Aufnahme der Speicherstadt ausgesprochen, weshalb sich Böhmer im Vorfeld hoffnungsvoll zeigte, dass diese bei der Konferenz zusätzlich zu den bisher 39 Kultur- und Naturerbestätten in Deutschland aufgenommen wird. Im Fall des Naumburger Doms gibt es dagegen keine Empfehlung von Icomos.

Auch Rumänien und Österreich hatten eine Abfuhr erhalten und ihre Bewerbungen vor der Sitzung zurückgezogen. Hall in Tirol will nach einem Fund scheinbarer Überreste der Antriebsanlage der Walzenprägemaschine in der Burg Hasegg voraussichtlich im Jänner 2017 eine neue Bewerbung einreichen, teilte Caroline Schneider von der örtlichen Koordinationsstelle Welterbe der APA am Montag mit.

Nach dem Willen der Reformkommission soll nun zum einen die Arbeit der Icomos-Experten bei der Evaluierung von Anträgen transparenter gestaltet werden. Zum anderen sollen sich die 21 Mitglieder des Welterbekomitees verpflichten, während ihres Mandats selbst keine neuen Stätten zu nominieren. Darüber hinaus möchte Böhmer die Mittel des Welterbefonds aufstocken: Zuletzt wurden nämlich 80 Prozent der Mittel für die Evaluierung der jährlich dutzenden von Anträgen aufgewandt, nur 20 Prozent blieben für den Erhalt der Welterbestätten.

Bei der Konferenz, die in Bonn bis zum 8. Juli läuft, geht es auch um den Schutz der Kulturerbestätten. Besondere Sorge bereitet derzeit die Lage in Syrien und dem Irak. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verwüstete bereits die Welterbestätten im irakischen Nimrud und Hatra und eroberte kürzlich auch die antike römische Oasenstadt Palmyra in Syrien. Gemeinsam mit dem Irak brachte Deutschland Ende Mai eine Resolution in der UNO-Generalversammlung ein, die die Zerstörungen verurteilte. Böhmer warnte, die Extremisten seien sich der Bedeutung des Kulturerbes für die Identität und den Zusammenhalt eines Landes sehr wohl bewusst.

In Bonn soll nun ebenfalls eine Resolution verabschiedet werden, um die Bedeutung des Schutzes des kulturellen Erbes der Menschheit zu unterstreichen. Böhmer hofft, damit "ein starkes Zeichen zu setzen". Daneben soll es auch um das Great Barrier Reef gehen, das letztes Jahr kurz davor stand, als gefährdet eingestuft zu werden. Australien soll nun darlegen, was es zu seinem Schutz unternimmt.