Erstellt am 21. Mai 2015, 12:00

von APA/Red

IS kontrolliert gesamte syrische Stadt Palmyra. Kämpfer der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) haben offenbar nun die gesamte syrische Stadt Palmyra unter ihre Kontrolle gebracht. Das erklärten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und andere Aktivisten am Donnerstag. Damit kontrolliert die IS mehr als die Hälfte Syriens, so die Beobachtungsstelle.

Syrien: IS kontrolliert gesamte Stadt Palmyra  |  NOEN, APA (epa)

Die Regierungstruppen hätten sich von allen Positionen in der Stadt und ihrer Umgebung zurückgezogen, hieß es. Stützpunkte des Militärgeheimdiensts in der Wüste sowie der Militärflughafen und das Gefängnis von Palmyra seien aufgegeben worden.

Experten befürchten eine Zerstörung der in Palmyra befindlichen antiken Stätten, die zum Weltkulturerbe zählen. Bisher gebe es keine Berichte über Zerstörungen, erklärte der Chef oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenechte, Rami Abdulrahman, am Donnerstag. Die am südwestlichen Stadtrand gelegenen Ruinen werden von der UNESCO 2013 als bedrohte Weltkulturstätte eingestuft. Der IS hatte bereits in anderen antiken Stätten wie Nimrud und Hatra im Irak schwere Zerstörungen angerichtet.

Nach Angaben der syrischen Antikenbehörde wurden vor Einnahme der Stadt durch die IS-Kämpfer am Mittwoch Hunderte Statuen fortgeschafft. Auch die meisten Einwohner der Stadt wurden dem staatlichen Fernsehen zufolge von regierungstreuen Milizen in Sicherheit gebracht.

Jihadisten kontrollieren Hälfte des Landes

Mit der Einnahme Palmyras ist es den Kämpfern des "Islamischen Staats" (IS) erstmals gelungen, einen Ballungsraum direkt von regierungstreuen Kräften zu erobern. Damit kontrollieren die Jihadisten die Hälfte des Landes, teilte die Beobachtungsstelle mit. Bisher kontrollierte der IS überwiegend dünn besiedelte Gebiete im Norden und Osten Syriens. Die syrischen Streitkräfte haben sich auf die Verteidigung der großen Städten an der Küste und an der Grenze zum Libanon, darunter die Hauptstadt Damaskus, konzentriert.

Im benachbarten Irak schlugen unterdessen regierungstreue Kräfte nach eigenen Angaben erneut einen Angriff der Extremistenmiliz IS in der westlichen Provinz Anbar zurück. In der Nacht auf Donnerstag hätten die IS-Kämpfer vergeblich versucht, die neue Verteidigungslinie zwischen Ramadi und dem weiter östlich gelegenen Militärstützpunkt Habbaniya zu durchbrechen, erklärten Polizei und regierungstreue Milizen.

In Habbaniya bereiten die Regierungstruppen eine Gegenoffensive vor, um die am Sonntag in die Hände der Extremisten gefallene Stadt Ramadi zurückzuerobern. Habbaniya gehört zu den wenigen Gebieten in Anbar, die noch von der Regierung kontrolliert werden. Es liegt auf dem Weg zwischen Ramadi und Falluja, das der IS bereits vor mehr als einem Jahr eroberte.