Erstellt am 18. Juni 2015, 14:25

Weltweit knapp 60 Millionen Menschen auf der Flucht. 59,5 Millionen Menschen waren zum Ende des Vorjahres weltweit auf der Flucht. Im Vergleich dazu waren es ein Jahr zuvor 51,2 Millionen, vor zehn Jahren 37,5 Millionen Menschen, wie das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) in seinem Jahresbericht 2014 dokumentiert.

 |  NOEN, APA (epa)

Die Steigerung von 2013 auf 2014 war die höchste, die jemals im Lauf eines Jahres von UNHCR dokumentiert wurde.

Diese Entwicklung begann laut UNHCR im Jahr 2011 mit dem Ausbruch des Krieges in Syrien, der mittlerweile weltweit die größten Fluchtbewegungen verursacht hat. Im Jahr 2014 wurden täglich durchschnittlich 42.500 Menschen zu Flüchtlingen, Asylsuchenden oder Binnenvertriebenen. Das entspricht einer Vervierfachung über die letzten vier Jahre.

Statistisch betrachtet ist von 122 Menschen weltweit aktuell eine Person entweder ein Flüchtling, binnenvertrieben oder asylsuchend. Wären alle Menschen auf der Flucht Bürgerinnen und Bürger eines einzigen Landes, wäre es laut UNHCR die 24.-größte Nation der Welt.

"Wir werden aktuell Zeugen eines Paradigmenwechsels. Wir geraten in eine Epoche, in der das Ausmaß der globalen Flucht und Vertreibung sowie die zu deren Bewältigung notwendigen Reaktionen alles davor Gewesene in den Schatten stellen", so UNO-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres. "Es ist erschreckend zu beobachten, dass jene straflos bleiben, die Konflikte auslösen. Gleichzeitig scheint die internationale Gemeinschaft unfähig zur Zusammenarbeit, um Kriege zu beenden sowie Frieden zu schaffen und sichern."

Der UNHCR-Bericht zeigt auf, dass in allen Regionen sowohl die Zahl der Flüchtlinge als auch der Binnenvertriebenen steigen. In den letzten fünf Jahren sind mindestens 15 neue Konflikte ausgebrochen oder wieder aufgeflammt: Acht davon in Afrika (Côte d'Ivoire, Zentralafrikanische Republik, Libyen, Mali, Nordost-Nigeria, Südsudan und Burundi); drei im Nahen Osten (Syrien, Irak und Jemen); einer in Europa (Ukraine) und drei in Asien (Kirgisistan und in einigen Gebieten von Myanmar und Pakistan).

Nur wenige Krisen konnten beigelegt werden, die Mehrzahl verursacht weiterhin Flucht und Vertreibung. So konnten vergangenes Jahr nur 126.800 Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren - die niedrigste Anzahl seit 31 Jahren.

Jahrzehntelange Instabilität und Konflikte in Afghanistan, Somalia und anderswo bedeuteten, dass Millionen von Menschen weiterhin nicht zurückkehren können und immer häufiger als Flüchtlinge und Binnenvertriebene mit ungewisser Zukunft an den Rändern der Gesellschaft leben müssen, konstatiert das UNHCR.

Aktuelle, weithin sichtbare Auswirkung der weltweiten Konflikte und dem damit einhergehenden unfassbaren Leid sei die dramatisch ansteigende und besonders gefährliche Flucht über das Meer, sei es über das Mittelmeer, über den Golf von Aden und das Rote Meer oder in südostasiatischen Gewässern. Laut dem "Global Trends Report" wurden allein im Jahr 2014 insgesamt 13,9 Millionen Menschen zu Flüchtlingen oder Binnenvertriebenen - viermal so viele wie noch 2010.

Weltweit gab es im letzten Jahr insgesamt 19,5 Millionen Flüchtlinge (2013: 16,7 Millionen), 38,2 Millionen Binnenvertriebene (2013: 33,3 Millionen) und 1,8 Millionen Asylsuchende, die noch auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warteten (2013: 1,2 Millionen). Besonders alarmierend: Die Hälfte aller Flüchtlinge sind Kinder.

Der Krieg in Syrien hat weltweit die meisten Menschen zur Flucht gezwungen, sowohl innerhalb (7,6 Millionen Binnenvertriebene) als auch außerhalb des eigenen Landes (3,88 Millionen Flüchtlinge). Es folgen Afghanistan (2,59 Millionen Flüchtlinge) und Somalia (1,1 Millionen Flüchtlinge). Selbst in Zeiten stark ansteigender Zahlen sind Flüchtlinge global sehr ungleich verteilt, dokumentiert das UNHCR.

Reichere Länder nehmen weit weniger Flüchtlinge auf als weniger reiche. Knapp neun von zehn Flüchtlingen (86 Prozent) befanden sich 2014 laut UNHCR in Ländern, die als wirtschaftlich weniger entwickelt gelten. Ein Viertel aller Flüchtlinge war demnach in Staaten, die auf der UNO-Liste der am wenigsten entwickelten Länder zu finden sind.

Der Konflikt in der Ukraine, 219.000 Mittelmeerüberquerungen sowie die sehr große Zahl von 1,59 Millionen syrischen Flüchtlingen in der Türkei (Ende 2014) - die somit auch zum größten Flüchtlingsaufnahmeland weltweit wurde - lenkte verstärkt die Aufmerksamkeit auf Flüchtlingsfragen. In der EU wurden die meisten Asylanträge in Deutschland und Schweden gestellt. Insgesamt wurden in Europa mit Ende des Jahres 6,7 Millionen Menschen gezählt, die zwangsweise ihre eigentliche Heimat bzw. Heimatregion verlassen mussten: Ein Viertel davon waren syrische Flüchtlinge in der Türkei. Zum Vergleich: 2013 waren es in Europa insgesamt 4,4 Millionen.

Allein das massive Leid des Kriegs in Syrien mit 7,6 Millionen Binnenvertriebenen und 3,88 Millionen Flüchtlingen in der benachbarten Region machten den Nahen Osten zur größten Herkunftsregion. Neben den alarmierenden Zahlen zu Syrien wurde auch der Irak erneut zum Brennpunkt: 2,6 Millionen Menschen mussten im letzten Jahr aus ihren Heimatorten fliehen. Insgesamt waren damit im Irak 3,6 Millionen Menschen innerhalb des Landes Binnenvertriebene. Auch innerhalb Libyens mussten 309.000 Menschen fliehen.

Die zahlreichen Konflikte in Afrika - wie zum Beispiel in der Zentralafrikanischen Republik, dem Südsudan, in Somalia, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo und anderswo - haben insgesamt eine immense Zahl an Fluchtbewegungen ausgelöst, die kaum niedriger ist als im Nahen Osten.

Insgesamt gab es in den Sub-Sahara-Ländern 3,7 Millionen Flüchtlinge und 11,4 Millionen Binnenvertriebene, von ihnen sind 4,5 Millionen Menschen 2014 zur Flucht gezwungen worden. Die aktuellen Zahlen weisen keine Daten für Nigeria auf, weil dort 2014 die statistischen Erhebungsmethoden für Binnenvertriebene geändert wurden. Äthiopien hat Kenia an der Spitze der Aufnahmeländer in Afrika abgelöst und befindet sich nun global auf Rang fünf. Asien (plus 31 Prozent)

In Asien ist die Zahl der Binnenvertriebenen und Flüchtlinge im letzten Jahr um 31 Prozent gestiegen. Afghanistan, das weltweit die Liste der Hauptherkunftsländer von Flüchtlingen anführte, hat diesen Spitzenplatz an Syrien abgegeben. Fortdauernde Fluchtbewegungen wurden in und aus Myanmar registriert, darunter Rohingya aus dem westlichen Rakhine-Staat und aus den Kachin- und nördlichen Shan-Regionen. Iran und Pakistan blieben unter den führenden vier Aufnahmeländern von Flüchtlingen.