Erstellt am 28. November 2014, 19:44

von APA/Red

Werksleiter wusste von HCB-Belastung im Kalk. Berndt Schaflechner, Leiter des Zementwerks Wietersdorf im Kärntner Görtschitztal, hat in einer Aussendung am Freitag zugegeben, von der Belastung mit HCB (Hexachlorbenzol) gewusst zu haben.

Emissionen des Werks sind mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine grenzwertüberschreitende Belastung von Milch mit dem Umweltgift verantwortlich.

Noch am Donnerstag hatte Schaflechner auf die Frage, wie das HCB aus dem Kalk in die Umwelt geraten konnte, geantwortet: "Dass HCB eine Belastung im Blaukalk ist, war weder uns noch den Behörden bekannt." Nun gab er schriftlich an, lediglich von den HCB-Emissionen durch sein Werk nichts gewusst zu haben. "Wir hatten keine Vorschreibung, das HCB zu messen", sagte er am Freitag. "Im Bescheid ist HCB nicht erwähnt." Der Bescheid genehmigte die Verarbeitung des aus einer Deponie eines Werks der Donauchemie stammenden Blaukalks.

Erst im Zuge der nun durchgeführten Untersuchungen habe sich herausgestellt, "dass Blaukalk an einer für HCB-Emissionen hinsichtlich Temperatur nicht optimalen Stelle eingebracht wurde", so Schaflechner. Fragen zum Inhalt und zu Vorschriften der dem Bescheid zugehörigen Projektbeschreibung beantwortete der Werksleiter auf Anfrage nicht. Auch die Frage, ob er gewusst habe, dass der belastete Blaukalk mit mindestens 800 Grad verbrannt werden muss, um HCB-Emissionen zu vermeiden, beantwortete Schaflechner nicht.

Trinkwasser-Unbedenklichkeit gesichert

Zuvor ist die Kärntner Landesregierung öffentlichkeitswirksam aktiv geworden. Bauern und Bürgermeister wurden über die Situation informiert, es ergingen Empfehlungen und Handlungsanweisungen an die betroffene Bevölkerung. Der Genuss von Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten ist den Görtschitztalern derzeit nicht zu empfehlen, sagte die Umweltmedizinerin des Landes, Barbara Kohlweg. Gesichert sei derzeit lediglich die Unbedenklichkeit des Trinkwassers. Alle anderen Proben seien noch ausständig. "Inwieweit eine chronische Belastung stattgefunden hat, lässt sich momentan nicht seriös sagen", so Kohlweg.

Der Umfang der Vergiftung lässt sich aufgrund ausstehender Messergebnisse nach wie vor nicht abschätzen. In vier Einzelproben aus vier Milchbetrieben wurden definitiv erhöhte HCB-Werte festgestellt. Weitere 35 Bauern werden verstärkt kontrolliert. Ihre Milch wird zwar abgeholt, sie bekommen auch ihr Geld, nach der Probenziehung wird die Milch jedoch entsorgt. 260 fleischproduzierende Bauern in der Region stehen ebenfalls unter Beobachtung. Vom Fleisch geschlachteter Tiere werden Proben gezogen. Bis Ergebnisse vorliegen, darf das Fleisch nicht verkauft werden. Belastete Futtermittel werden laut einer Aussendung des Landes auf Kosten des Zementwerks Wietersdorf, das als Urheber der Verschmutzung gilt, ausgetauscht.

Dass es nur einen Emittenten von HCB im Görtschitztal gibt, glaubt Umweltlandesrat Rolf Holub (Grüne) nicht so recht. Zu widersprüchlich seien Messergebnisse aus dem Gebiet, die etwa rund um das Zementwerk keine erhöhten HCB-Werte anzeigen würden. Holub kündigte am Freitag die Einsetzung einer "Sonderumweltinspektion Görtschitztal" an. Zusätzlich will er sämtliche Industrieanlagen in Kärnten genau auf Emissionen überprüfen. Vom Land wurde zusätzlich zu den bereits existierenden Info-Hotlines am Freitag eine Homepage für Messergebnisse das Görtschitztal betreffend eingerichtet.

Grenzwertüberschreitungen bei Rohmilchproben

Über den Landespressedienst wurde am Freitag eine Zusammenfassung eines Prüfberichts, den Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) beauftragt hatte, veröffentlicht. Demzufolge wurde die Lebensmittelaufsicht des Landes im März über erhöhte HCB-Werte bei einem Görtschitztaler Bio-Produkt informiert. Als Bio durfte das Produkt nicht mehr verkauft werden, es war jedoch als unbedenkliches Lebensmittel einzustufen, weil der Grenzwert nicht überschritten war. Am 2. April lagen zwei Rohmilchproben mit HCB-Grenzwertüberschreitungen vor.

Die Öffentlichkeit wurde am Mittwoch, dem 25. November, über das Problem mit HCB in Milch und Futtermitteln aus dem Görtschitztal informiert. Landesrat Christian Benger (ÖVP) sagte, dass nun erstmals Grenzwerte in der Rohmilch überschritten worden seien. Der Landesveterinär Holger Remer bestätigte dies. Die Grenzwertüberschreitungen vom 2. April bezögen sich nicht auf den gesetzlichen Grenzwert, sondern auf einen in dem konkreten Fall kundenspezifischen, erklärte Remer.

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