Erstellt am 25. September 2016, 14:05

Ruhe in Aleppo nach Bombenhagel. Nach heftigen internationalen Protesten haben das syrische Regime und seine Verbündeten die Luftangriffe auf die umkämpfte Stadt Aleppo vorerst eingestellt.

Die Waffen schweigen vorerst, doch der Schaden bleibt  |  APA/dpa/ag.

In der Stadt herrsche vorläufig Ruhe, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Während die westlichen Außenminister Russland ermahnten, beriet in New York der UNO-Sicherheitsrat über Aleppo.

Kampfjets hatten am Sonntag in der Früh laut Aktivisten den vierten Tag in Folge noch mehrere Rebellenbezirke in der früheren Handelsmetropole bombardiert. Zudem seien zwei Dörfer südlich der Großstadt beschossen worden. Nach dem vorläufigen Stopp der schweren Bombardements sagte ein Krankenpfleger der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag, die Lage sei erstmals seit Tagen wieder etwas entspannter.

Das syrische Regime hatte vor Wiederaufnahme der Luftangriffe am Donnerstag eine Bodenoffensive angekündigt, um die Stadt vollständig zurückzuerobern. Aleppo ist die letzte verbliebene Großstadt in Syrien, in der Rebellen noch Gebiete kontrollieren. Mindestens 250.000 Menschen harren im belagerten Ostteil der Stadt trotz widrigster Lebensumstände aus.

Regierungstruppen und Kämpfer der mit ihnen verbündeten Milizen haben das Flüchtlingslager Handarat im Norden der Rebellengebiete eingenommen. Weitere Geländegewinne machten die Truppen bisher nicht. Laut der Beobachtungsstelle kamen seit Beginn der Bombardements am Donnerstag mindestens 101 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Zivilisten.

Die USA, Großbritannien und Frankreich beantragten eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats, der am Sonntag um 17.00 Uhr MESZ tagen sollte. Die syrische Exilopposition warf der internationalen Gemeinschaft vor, über die "Gräuel" in Syrien zu schweigen. "Wir ertragen dieses Schweigen nicht mehr länger", sagte der Vorsitzende der Nationalen Koalition, Jawad Abu Hatab.

Westliche Außenminister forderten von Russland ein Ende der eskalierenden Gewalt. Es liege an Moskau, die diplomatischen Bemühungen als mächtiger Verbündeter des Assad-Regimes zu retten. Die Stellungnahme der Außenminister der USA, Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und der EU-Außenbeauftragten betonte: "Die Geduld mit Russlands andauernder Unfähigkeit oder Unwilligkeit, sich an seine Verpflichtungen zu halten, ist nicht unbegrenzt". Die Ereignisse in Syrien stünden im eklatanten Widerspruch zur russischen Behauptung, eine diplomatische Lösung in Syrien zu unterstützen.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon hatte sich zuvor "erschüttert über die schreckenerregende militärische Eskalation" im Aleppo geäußert. Nach Worten seines Sprechers Stephane Dujarric sagte Ban am Samstag in New York, er sei alarmiert über Berichte von Luftangriffen mit Brandbomben und anderen Bomben, die selbst Bunker sprengen könnten. Aleppo sei der "anhaltendsten und schwersten Bombardierung" seit Beginn der Syrienkrise 2011 ausgesetzt.

Die Türkei griff das syrische Regime wegen der Vorgänge in Aleppo scharf an. Die Bombardements unter anderem auf Krankenhäuser "sind nicht nur Kriegsverbrechen, sondern auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit", kritisierte das türkische Außenministerium. Die Angriffe "zeigen ein weiteres Mal, dass das Regime und seine Unterstützer keine politische Lösung beabsichtigen".

Empört über die Vorgänge in Aleppo zeigte sich der dortige griechisch-katholische Erzbischof. "Man hat uns Frieden, zumindest Waffenstillstand versprochen. Aber nichts hat sich bewahrheitet, alles Lügen, Lügen, Lügen", sagte Jean-Clement Jeanbart der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Er warf insbesondere den USA und Russland vor, nur an Rohstoffen und Territorium interessiert zu sein. "Wir zahlen für den Egoismus der großen Staaten, die noch dazu behaupten, christlich zu sein."

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigte sich indes zur Beteiligung seines Landes an einem US-geführten Angriff gegen den die IS-Hochburg Raqqa bereit. Vorbedingung dafür sei, dass die bisher von Washington unterstützten Kurdenmilizen PYD und YPG nicht mit von der Partie sind. "Solange die USA nicht die PYD und YPG einbeziehen, können wir diese Schlacht an der Seite der Vereinigten Staaten schlagen", sagte Erdogan nach Gesprächen in den USA. "Wir haben ihnen unsere Bedingungen mitgeteilt."