Erstellt am 03. August 2015, 16:04

von APA Red

Wieder deutlich mehr Fluchtversuche durch Eurotunnel. Die Zahl der Versuche von Migranten, durch den Eurotunnel von Frankreich nach Großbritannien zu gelangen, hat in der Nacht auf Montag deutlich zugenommen.

 |  NOEN, APA (epa)

Es seien rund 1.700 Versuche gezählt worden, auf das Gelände am Eingang des Bahntunnels in Calais zu gelangen, verlautete aus Polizeikreisen. Tausend Migranten seien von den Sicherheitskräften "zurückgedrängt", 700 weitere "abgefangen" worden.

Ein Polizist sei "im Gesicht und am Kopf" verletzt worden, nachdem er von einem Stein getroffen worden sei. Der Beamte wurde demnach ins Krankenhaus gebracht. Ein sudanesischer Flüchtling wurde unter dem Verdacht festgenommen, den Stein aus dem Gleisbett der Bahnstrecke geworfen zu haben. Seit Wochen versuchen im nordfranzösischen Calais tausende Migranten, nachts zum Eurotunnel vorzudringen, um an Bord von Güterzügen und Lastwagen nach Großbritannien zu gelangen. Mitunter wurden pro Nacht 2.000 Versuche registriert, über die Zäune zu gelangen.

Angesichts eines erhöhten Aufgebots von Sicherheitskräften ging die Zahl am Wochenende allerdings deutlich zurück. In der Nacht zum Samstag wurden laut Polizei etwa 300 Versuche registriert, in der Nacht zum Sonntag 400. Grund war aber auch ein verringertes Aufkommen von Lastwagen. Bei den Versuchen, durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen, kamen in den vergangenen Wochen bereits zehn Migranten ums Leben.

Technische und finanzielle Unterstützung für Frankreich

Die EU-Kommission bot indes Frankreich technische und finanzielle Unterstützung zur Lösung der Flüchtlingskrise in Calais an. Eine EU-Kommissionssprecherin appellierte am Montag in Brüssel auch indirekt an Großbritannien, trotz seiner Ausnahmeregelung Flüchtlinge am Eurotunnel aufzunehmen.

"Die EU-Kommission ist bereit, den französischen Stellen zu helfen bei der Bewältigung der Asylbewerber in der Region. Wir können technische Hilfe leisten durch die EU-Agenturen und Notfinanzierung, wie wir es schon für ein Notaufnahmezentrum getan haben", sagte EU-Kommissionssprecherin Mina Andreeva. Die Flüchtlingskrise am Eurotunnel sei ein weiteres krasses Beispiel für den Bedarf nach größerer Solidarität und Verantwortlichkeit, wie die EU mit dem Migrationsdruck in Europa umgehe, betonte die Sprecherin.

Der für Migration zuständige EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos habe wiederholt erklärt, dass die EU-Kommission sich erwartet, dass alle EU-Staaten sich an dem von der EU-Behörde vorgeschlagenen Umverteilungsmechanismus beteiligten und Solidarität in die Praxis umsetzen, sagte die Sprecherin weiter. Alle EU-Staaten müssten Maßnahmen zur Bekämpfung von Schleppern und irregulärer Migration durchführen. Gleichzeitig müssen sie alle auch Solidarität zeigen und ihren Teil an Verantwortung tragen.

"Europäische Solidarität funktioniert"

"Damit europäische Solidarität funktioniert, sind offensichtlich die Beiträge von jedem Mitgliedsland willkommen. Aber rechtlich betrachtet hat Großbritannien so wie Dänemark eine Sonderregelung durch sein Op-out und ist daher nicht verpflichtet, sich zu beteiligen", sagte die Kommissionssprecherin. Die EU-Behörde unterstütze die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Großbritannien zur Eindämmung Flüchtlingskrise. Eine formelle Benachrichtigung mit Details zur Herkunft der Flüchtlinge habe die EU-Kommission aber nicht erhalten.

Dass die aktuelle Flüchtlingskrise den EU-Gegnern beim geplanten britischen EU-Referendum in die Hände spielt, befürchtet die EU-Kommission nach Worten der Sprecherin nicht. "Das sind zwei von einander getrennte Situationen", sagte die Sprecherin.

Im Juli sind die EU-Staaten an der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Umverteilung von 40.000 Flüchtlingen, die sich bereits in den Mittelmeerländern Italien und Griechenland befinden, gescheitert. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) lehnte eine weitere Aufnahme aus Flüchtlingen innerhalb der EU ab.