Erstellt am 02. Dezember 2014, 16:45

von APA/Red

Wieder giftige Milchproben entdeckt. Am Dienstag sind von Kärntens Agrarreferent Christian Benger (ÖVP) neue Messergebnisse von Rohmilchproben aus dem mit dem Umweltgift HCB (Hexachlorbenzol) kontaminierten Görtschitztal präsentiert worden.

Die Anzahl der unter Beobachtung stehenden Höfe wurde von 35 auf 47 ausgeweitet. Von den 47 Proben sind 31 ausgewertet. Deutlich überschritten ist der Grenzwert in drei Proben.

Sieben weitere Rohmilchproben liegen im Grenzbereich. 21 Proben waren laut Benger "unbedenklich". Auf Nachfrage sagte Benger, HCB sei in dieser Milch zwar nachweisbar, die Dosis überschreite den Grenzwert von 0,01 Milligramm pro Kilogramm Milch aber nicht. Ob die Milch dieser 21 Bauernhöfe weiter vernichtet wird, oder zum Verkauf freigegeben, werde sich im Laufe des Tages entscheiden. Die zehn Betriebe mit problematischen HCB-Mengen in der Milch werden weiter überprüft, sagte Benger.

Blaukalk schwarz gehandelt?

Die Landesregierung werde der Staatsanwaltschaft die Unterlagen zu den Vorgängen rund um HCB im Görtschitztal zur Verfügung stellen, sagte Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ). Umweltlandesrat Rolf Holub (Grüne) erklärte, es gebe Hinweise, dass belasteter Blaukalk verkauft oder schwarz gehandelt worden sei. Auch diese Hinweise werden an die Staatsanwaltschaft weitergereicht.

Jagdreferent Christian Ragger (FPÖ) kündigte an, im Görtschitztal geschossenes Wild untersuchen zu lassen. Fischereireferent Gerhard Köfer (Team Stronach) hatte bereits am Samstag eine Prüfung der Fischereigewässer angeordnet.

47 Bauernhöfe unter Beobachtung

Der Kärntner Landtag beschloss am Dienstagnachmittag einstimmig die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, der den Skandal eingehend untersuchen soll. Derzeit werden 47 Bauernhöfe in der Gegend genau beobachtet, in einigen Rohmilchproben wurden die Grenzwerte deutlich überschritten.

Das Team Stronach hatte am Wochenende angekündigt, die Einsetzung eines U-Ausschusses beantragen zu wollen, dieser Forderung schlossen sich alle anderen Landtagsfraktionen an. Der Ausschuss wird zwölf Mitglieder haben, damit alle Landtagsparteien zumindest einen Vertreter darin haben können. Die Abgeordneten beschlossen auch gleich die Zusammensetzung des Ausschusses. Die konstituierende Sitzung samt Vorsitzwahl war für den Abend angesetzt, nach der Budgetrede von Finanzreferentin LHStv. Gaby Schaunig (SPÖ), dem eigentlichen Anlass der dienstägigen Landtagssitzung.

Vor der Abstimmung war die Causa in der Aktuellen Stunde des Landtages debattiert worden. Die Standpunkte prallten teilweise heftig aufeinander, inhaltlich wurde aber naturgemäß nichts wirklich Neues aufs Tapet gebracht.