Erstellt am 22. August 2016, 11:26

von APA Red

92,78 Prozent der Spitalsärzte für Streik bereit. Die Ärzte des städtischen Wiener Krankenanstaltenverbundes haben sich in der jüngsten von der Ärztekammer initiierten Abstimmung mehrheitlich für Protestmaßnahmen ausgesprochen, falls keine "zufriedenstellende Lösung" bei der Umsetzung der Ärztearbeitszeit-Regelung erzielt wird.

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92,78 Prozent votierten dafür, im Bedarfsfall sogar zu streiken, wie die Kammer am Montag mitteilte. Kritisiert werden unter anderem geplante Streichungen von Nachtdiensten. Der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres warnte zuletzt vor einer "Minimierung von ärztlichen Leistungen am Rücken und zum Schaden der Patienten". Eine vergleichbare Umfrage zum Thema Streikbereitschaft war bereits 2015 durchgeführt worden. Damals hatten sich 93,45 Prozent der befragten Mediziner für mögliche Kampfmaßnahmen ausgesprochen.

In der Ärztekammer wird über das Ergebnis der Abstimmung diskutiert - und zwar am Mittwoch: Die Kurie der angestellten Ärzte wird in einer außerordentlichen Sitzung das weitere Vorgehen zunächst beraten und dann "entsprechende Protestmaßnahmen" beschließen, wie es in der Aussendung hieß.

63,49 Prozent beteiligten sich an Umfrage

Die Frage, die den KAV-Medizinern in der Online-Abstimmung gestellt wurde, lautete: "Würden Sie sich aktiv an Protestmaßnahmen bis hin zu einem Streik im Wiener Krankenanstaltenverbund beteiligen?" Die Beteiligung bei der Umfrage betrug laut Kammer 63,49 Prozent. 2.313 Stimmen wurden abgegeben. 2.146 der Teilnehmer stimmten möglichen Protestmaßnahmen zu. 86 Ärzte erklärten, sich gegebenenfalls nicht an einem Streik beteiligen zu wollen, 81 Stimmen waren ungültig.

Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres sieht nun vor allem den KAV gefordert: "Die Wiener Kollegenschaft hat ein klares Machtwort gesprochen. Falls der KAV auf seiner Linie beharrt und weiter das Ziel von Personalausdünnung und Leistungsminimierung verfolgt, werden wir dieses Mandat sehr ernst nehmen und gegebenenfalls auch umsetzen."

Der KAV versicherte seinerseits in einer ersten Reaktion, dass man das Ergebnis zur Kenntnis nehme. Man erkenne darin "noch bestehende Verunsicherung und Sorgen der Ärztinnen und Ärzte, was die neuen Dienstzeiten betrifft", konstatierte KAV-Generaldirektor Udo Janßen. An der Umsetzung des vereinbarten Pakets führe aber "kein Weg vorbei".

30 bis 50 Prozent höheres Gehalt

Teil der Abmachung sei gewesen, dass den Ärzten ein um 30 bis 50 Prozent höheres Gehalt ausbezahlt werde. "Dieses höhere Gehalt bekommen die Ärzte nun seit über einem Jahr. Jetzt ist es höchst an der Zeit, dass auch der andere Teil der Vereinbarung - nämlich eine Reduktion der Nachtdienste, dafür aber eine höhere Tagespräsenz - umgesetzt wird", urgierte Janßen.

Neue Reduktionen seien nicht vorgesehen, beteuerte er. Mehr als ein Drittel der Abteilungen würde bereits nach den neuen Dienstzeiten arbeiten: "Warum das nun Proteste oder gar Streiks erforderlich machen sollte, entzieht sich meinem Verständnis."