Erstellt am 25. Februar 2015, 17:52

von APA/Red

Aliyevs Anwälte fordern Überprüfung der Obduktion. Für die Staatsanwaltschaft Wien legt das vorläufige Obduktionsergebnis nahe, dass der ehemalige kasachische Botschafter in Wien am Dienstag freiwillig aus dem Leben geschieden ist.

Die Rechtsanwälte Manfred und Klaus Ainedter, die Aliyev seit Jahren strafrechtlich vertreten haben, fordern hingegen eine Überprüfung der Obduktion "durch einen internationalen Sachverständigen".Sie haben daher namens der Witwe die Freigabe der Leiche beantragt, bestätigte Klaus Ainedter am Mittwochabend einen entsprechenden Bericht des "Kurier" (Donnerstag-Ausgabe).

Für Manfred Ainedter ist es schlicht nicht vorstellbar, dass Aliyev seinem Leben in der Nacht auf Dienstag in der Justizanstalt (JA) Josefstadt ein Ende gesetzt haben soll: "Er hat sich gerade neue Brillen bestellt gehabt. Am Dienstag hatte er noch einen Friseurtermin. Und da soll er sich umbringen?" Ainedter bestätigte der APA auch die Existenz eines Tagebuchs, das Aliyev im Gefängnis führte. An diesem Büchlein soll es zu Manipulationen gekommen sein, als der herzkranke Aliyev vorübergehend ins Krankenhaus der Barmherzigen Brüder verlegt wurde und seine privaten Aufzeichnungen im Gefängnis zurücklassen musste.

"Derzeit gibt es keinen Hinweis auf Fremdverschulden"

"Als er zurückgekommen ist, hat eine Seite gefehlt. Sie ist herausgerissen worden", hielt Ainedter fest. Die Vollzugsdirektion, bei der eine Beschwerde gegen diesen angeblichen Eingriff in Aliyevs Eigentum ventiliert wurde, sah das allerdings anders. Sie wies die Beschwerde zurück und stellte fest, es habe nichts aus dem Notizbuch gefehlt.

"Es gibt derzeit keinen Hinweis auf Fremdverschulden", stellte unterdessen Gerhard Jarosch, stellvertretender Leiter der Anklagebehörde, am Mittwoch fest. Die Anklagebehörde verwies darauf, dass die Leiche von Daniele Risser, einem erfahrenen Gerichtsmediziner und zudem Leiter des Wiener Departments für Gerichtsmedizin, obduziert wurde. Dieser habe bei der Leichenbeschau keine Anzeichen für eine äußere Gewalteinwirkung gefunden.

Von einer Kamera überwacht worden

Aliyevs Anwälte sehen bei Risser allerdings einen möglichen Anschein von Befangenheit gegeben. Dieser wäre im Doppelmord-Prozess gegen Aliyev, der die Entführung und Ermordung zweier kasachischer Banker bewerkstelligt haben soll und der sich deswegen nach Ostern vor einem Schwurgericht zu verantworten gehabt hätte, als Gutachter und damit als "Belastungszeuge gegen Aliyev" aufgetreten.

An der Untersuchung der Zelle durch die Tatortgruppe des Wiener Landeskriminalamts sowie an der Auswertung der Videobänder aus der Justizanstalt - der Gang vor Aliyevs Haftraum war von einer Kamera überwacht worden - hätten sich ebenfalls keine Anzeichen ergeben, dass Aliyev von fremder Hand zu Tode gebracht wurde, betonte demgegenüber die Staatsanwaltschaft.

"Für mich war es eindeutig Selbstmord"

"Für mich war es eindeutig Selbstmord", meinte die Leiterin der JA Josefstadt, Helene Pigl. Die Türstandsanzeige belege, dass die Tür zur Einzelzelle Aliyevs am Montag um etwa 17.30 Uhr geschlossen wurde. Beim nächsten Öffnen am Dienstag um 7.20 Uhr wurde der Ex-Diplomat in seiner Zelle mit Mullbinden auf einem Kleiderbügel erhängt aufgefunden, erläuterte Pigl. Es sei also "eindeutig, dass er in dieser Zeit alleine war".

Offen ist noch das Ergebnis eines toxikologischen Gutachtens, das grundsätzlich fixer Bestandteil justizieller Obduktionsgutachten ist. Mit der Untersuchung des Blutes wäre nachweisbar, ob Aliyev neben den Medikamenten gegen seine Herzerkrankung, die er in der JA verschrieben bekommen hatte, zum Zeitpunkt seines Ablebens sonstige giftige Substanzen in sich hatte. Das Ergebnis dieser Untersuchung soll "in einigen Tagen" vorliegen, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft.

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