Erstellt am 24. Februar 2015, 13:19

von APA/Red

Ex-Botschafter Aliyev beging Suizid. Der wegen Mordes angeklagte kasachische Ex-Botschafter Rakhat Aliyev ist tot. Der Insasse der Justizanstalt Josefstadt beging in der Nacht auf Dienstag in seiner Einzelzelle Selbstmord. Staatsanwaltschaft ordnete Obduktion an.

Die Tat wurde um 7.20 Uhr entdeckt. Aliyev hatte sich in der Nasszelle erhängt, teilte Peter Prechtl, Leiter der Vollzugsdirektion, mit. Aliyev war ein Doppelmord in seiner Heimat Kasachstan vorgeworfen worden.

Der Ex-Diplomat befand sich auf eigenen Wunsch in einer Einzelzelle der Sonderkrankenanstalt in der Haftanstalt. "Er galt nicht als selbstmordgefährdet", sagte Prechtl. Im internen System lief Aliyev unter "Grün", was bedeutet, dass er ohne Bedenken alleine in einer Zelle liegen durfte.

"Er dürfte viel an seinen Akten gearbeitet haben", erklärte Prechtl. Die Zelle Aliyevs wurde regelmäßig kontrolliert, allerdings ist die Nasszelle samt WC und Dusche dabei nicht einsehbar. In dieser hat sich der frühere Botschafter mit Mullbinden an einem Kleiderhaken erhängt.

Ainedter: "Erhebliche Zweifel" an Suizid

Am Dienstagvormittag wurde die Zelle von einer Tatortgruppe des Landeskriminalamts untersucht. Auch der diensthabende Journalstaatsanwalt nahm an diesem Lokalaugenschein teil. Um die Frage zu klären, was sich in Aliyevs Haftraum abgespielt hat, wurden auf Betreiben der Staatsanwaltschaft auch erste Einvernahmen durchgeführt. Befragt wurden "Personen, die als Auskunftspersonen infrage kommen könnten", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nina Bussek.

Für Aliyevs Verteidiger Manfred und Klaus Ainedter ist es schwer vorstellbar, dass der 52-Jährige freiwillig aus dem Leben geschieden ist. "Ich habe daran erhebliche Zweifel, ohne jemanden beschuldigen zu wollen. Ich habe ihn gestern noch besucht. Es konnte überhaupt keine Rede von Suizidgefahr sein", sagte Klaus Ainedter in einer ersten Reaktion. Jetzt gelte es die Ermittlungen abzuwarten: "Wir vertrauen darauf, dass der Tod genauestens untersucht und die Todesursache eindeutig festgestellt wird."

Prechtl: "Für uns eindeutig Selbstmord"

Einer möglichen Mordtheorie kann Prechtl allerdings nichts abgewinnen. "Für uns war es eindeutig Selbstmord, es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass er ermordet worden ist", sagte er. Um in die Zelle zu gelangen, müssten der oder die Mörder zuerst über den entsprechenden Schlüssel verfügen. "Und der ist ja nicht leicht zu bekommen", unterstrich Prechtl. Zudem ist der gesamte Gangbereich videoüberwacht. Das entsprechende Material wurde bereits gesichtet und der Staatsanwaltschaft übergeben. Auch hier finde sich keinerlei Anzeichen auf eine Straftat.

Gegen eine Gewalteinwirkung von Außen spricht auch, dass es keine Kampfspuren gegeben hat bzw. keinerlei entsprechenden Geräusche aus der Zelle wahrgenommen worden sind. Jemanden lautlos und ohne Gegenwehr gegen seinen Willen zu erhängen, sei nur schwer vorstellbar. "Für uns ist es eindeutig ein Suizid, wie sie leider in Haftanstalten vorkommen. Auch wenn wir alles tun, um sie zu verhindern", unterstrich der Leiter der Vollzugsdirektion.

Aliyev war der ehemalige Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew, bei dem er wegen eines angeblichen Putschversuches in Ungnade fiel. Dem früheren kasachischen Botschafter in Wien (2002-2005; 2007) wurde vorgeworfen, in die Ermordung zweier Banker Anfang 2007 in Kasachstan verwickelt gewesen zu sein. In Kasachstan wurde Aliyev, der inzwischen den Namen seiner Ehefrau angenommen hatte und sich Shoraz nannte, 2008 wegen Mordes und Erpressung zu 40 Jahren Haft verurteilt.

Hätte gegen Mithäftlinge aussagen sollen

In Österreich ermittelt die Justiz seit 2011 in dem Fall. Eine Auslieferung nach Kasachstan wurde wegen der dortigen Menschenrechtslage abgelehnt.

Am Dienstag hätte Aliyev gegen zwei Mithäftlinge aussagen sollen, die laut Anklage den Ex-Botschafter erpresst haben sollen. Demnach erklärten sie Aliyev, wenn er überleben wolle, müsse er 3.000 Euro bezahlen, ansonsten könne ihn jemand während des Waschens im Duschraum umbringen und dies wie einen Selbstmord aussehen lassen.

Derart in Furcht und Unruhe versetzt, soll Aliyev in weiterer Folge über seinen Anwalt tatsächlich 1.000 Euro bezahlt haben, indem er eine entsprechende Überweisung auf das Konto des älteren Mitgefangenen veranlasste. Die angeblichen Schutzgeld-Erpresser weisen die gegen sie erhobenen Vorwürfe entschieden zurück.