Erstellt am 08. Juli 2015, 11:45

von Martin Gruber-Dorninger

Mutter verdächtig, Sohn (5) getötet zu haben. Beamte aus Klosterneuburg griffen Frau auf Höhenstraße auf, die angibt vor zwei Tagen ihren eigenen Sohn (5) ermordet zu haben.

 |  NOEN, APA
„Wir haben einen Anruf erhalten, wonach eine Mutter sich im Bereich Höhenstraße befand und berichtete, ihren fünfjährigen Sohn ermordet zu haben“, erklärt Klosterneuburgs Postenkommandant Georg Wallner gegenüber der NÖN.

Frau machte verwirrten Eindruck

Die Beamten haben sich sofort auf den Weg gemacht und die 25-Jährige gefunden. "Sie war dort zu Fuß unterwegs, hat ein Polizeiauto aufgehalten und sich gestellt", so Polizeisprecher Paul Eidenberger. Die Frau bestätigte erneut die Meldung. Sie habe vor zwei Tagen ihren Sohn in ihrer Wohnung in Wien-Favoriten getötet.

Die Polizei fand die Leiche des Fünfjährigen unter einer Decke in der von der Frau genannten Wohnung. Das Kind weist laut Polizei "äußerliche Verletzungen" auf, eine genaue Todesursache stehe noch nicht fest. "Die Verletzungen sind aber eindeutig auf Fremdverschulden zurückzuführen", sagte Eidenberger. Die Tat hat sich bereits am Wochenende, vermutlich am Sonntag, abgespielt. Gleich nach der Tat habe sich die Frau in einer Pension in Wien eingemietet, sie habe auch noch nicht näher bestimmte Medikamente genommen. Laut Eidenberger hat die Frau einen äußerst verwirrten Eindruck gemacht.

Ursache noch unklar

Die Ursache für den Mord ist noch unklar, eine Obduktion des Leichnams wurde angeordnet. Die 25-Jährige soll noch am Mittwoch amtsärztlich untersucht werden, erste Befragungen der Frau brachten kaum Informationen. "Sie macht zur Tat widersprüchliche Angaben", sagte der Polizeisprecher. Die mutmaßliche Täterin gab gegenüber den Ermittlern an, nach der Tötung des Kindes Tabletten genommen zu haben. Anschließend sei sie mit einem Taxi Richtung Westen gefahren, habe sich in eine Pension eingemietet und dort zwei Tage verbracht. Am Dienstag wollte sie eigenen Angaben zufolge am Kahlenberg spazieren gehen, dort hielt sie dann den Funkwagen der Polizei an.

Dem Kindsvater zufolge soll sie an Depressionen gelitten haben. Seit der Trennung zog die 25-Jährige den Buben alleine groß. Laut Nachbarn soll sich das Paar öfters in der Wohnung der Frau in Favoriten gestritten haben.

Jugendamt: "Familie war unauffällig"

Das Jugendamt der Stadt Wien betonte, dass die Familie unauffällig gewesen sei. "Das Jugendamt hatte im Zuge des Scheidungsverfahrens der Eltern im April Kontakt mit der Familie", sagte Petra Mandl von der MA 11. Damals hätten sich die Eltern bereits geeinigt gehabt - so war ein 14-tägiges Besuchsrecht des Vaters vereinbart worden.

"Wir hatten das Gefühl, dass beide Elternteile gut mit der Lösung leben können und dass es dem Kind gut geht", sagte Mandl. Weder vorher noch nachher habe das Jugendamt Kontakt mit der Familie gehabt. Sowohl der Vater als auch die Mutter des Buben hätten schon bald nach der Scheidung wieder in neuen Beziehungen gelebt, der Fünfjährige hätte sich auch mit dem neuen Freund der Mutter gut verstanden.

Bereits einvernommen wurde am Mittwoch der Vater des toten Kindes. Entgegen ursprünglichen Angaben der Polizei hält sich der 24-Jährige nicht in Bosnien auf, der Österreicher lebt in Wien. Der Mann gab an, dass die Beziehung zu seiner Ex-Ehefrau nicht harmonisch gewesen war. Die 25-Jährige soll demnach auch an Depressionen gelitten haben.

Nachbarn der Frau berichteten von Streitereien in der Wohnung der Frau. "Ich bin schockiert, ich habe selbst ein einjähriges Kind", sagte eine junge Frau, die seit drei Jahren direkt neben der polizeilich versiegelten Tatwohnung lebt. "Die Mutter und ihr Kind habe ich nur selten gesehen, zuletzt am Freitag", erzählte sie. "Dienstagabend sind wir vom Baden heimgekommen, da war das ganze Haus voller Polizei", sagte die Frau. Alle Nachbarn seien noch in den Abendstunden einvernommen worden.