Erstellt am 13. November 2014, 17:53

von APA/Red

Fischer besuchte Papst im Vatikan. Bundespräsident Heinz Fischer ist am Donnerstag im Vatikan von Papst Franziskus empfangen worden.

 Bei dem Vier-Augen-Gespräch in der Privatbibliothek des Heiligen Vaters wurden mehrere Themen, darunter die Flüchtlingsproblematik, die Lage der verfolgten Christen, internationale Krisenherde und die bevorstehenden Reisen des Papstes, angesprochen.

Der Heilige Vater habe sich bei dem halbstündigen Gespräch unter anderem mit großem Interesse über die Flüchtlingslage in Österreich informiert.

Fischer habe den Papst über Flüchtlingspolitik informiert

"Der Papst war darüber informiert, dass Österreich 1.500 Syrer außerhalb der offiziellen Flüchtlingsquoten aufgenommen hat. Ich habe dem Heiligen Vater berichtet, dass Österreich rein quantitativ zu den EU-Mitgliedsstaaten zählt, die im Vergleich zur Bevölkerungszahl die meisten Flüchtlinge und Asylanten aufgenommen haben", berichtete Fischer im Gespräch mit österreichischen Journalisten nach seinem Besuch im Vatikan.

Der Bundespräsident berichtete dem Oberhaupt der katholischen Kirche auch über die Diskussion in Österreich über das Abdullah Center für interreligiösen Dialog.

"Es hat Übereinstimmung gegeben, dass dieses Problem nicht aus der momentanen Situation beurteilt, sondern objektiv und längerfristig betrachtet werden muss. Der Papst meint, man dürfe keine voreiligen Entscheidungen treffen, sondern die Diskussion auf die richtigen Geleise bringen. Der Papst hält den interreligiösen Dialog für besonders wichtig", so Fischer. Franziskus habe sich über die Lage der verfolgten Christen besorgt gezeigt und Druck für Lösungen auf internationaler Ebene gemacht.

"Muss einander auf Augenhöhe begegnen, um Konflikte zu lösen"

Mit dem Papst diskutierte Fischer auch über den Konflikt in der Ukraine. "Wir teilen die Meinung, dass Russland, die Ukraine und die EU einander auf Augenhöhe begegnen müssen, um Gegensätze und Konflikte zu überwinden und weitere Spannungen zu verhindern", erklärte der Heilige Vater.

Beim Gespräch mit dem Papst habe er auch die Frage der Nachfolge des Grazer Bischofs Egon Kapellari angesprochen. "Ich habe dem Heiligen Vater gesagt, dass ein Bischof im Süden des Landes darauf wartet, zu erfahren, wer sein Nachfolger wird. Franziskus wusste, worum es geht", erklärte Fischer. Auch im Gespräch mit dem vatikanischen Staatssekretär Pietro Parolin, habe er das Thema von Kapellaris Nachfolge angedeutet.

Der Papst habe ihm unter anderem über seinen bevorstehenden Besuch beim EU-Parlament in Straßburg berichtet. "Die Ansprache dafür hat Fischer bereits fertig geschrieben", erklärte Fischer. Außerdem habe ihm Franziskus die Pläne für seine bevorstehende Reise in die Türkei erläutert.

Fischer hat Papst nach Österreich eingeladen

Fischer lud den Pontifex zu einem Besuch nach Wien. "Die Einladung ist vom Papst im Prinzip angenommen worden. Angesichts des dichten Reiseprogramms des Heiligen Vaters wird der Österreich-Besuch nicht 2015, sondern erst später stattfinden können. Jedenfalls weiß der Vatikan, dass Österreich bereit ist, einen geeigneten Termin für den Besuch zu finden", berichtete Fischer. Der Papst hatte Wien einen einzigen Tag in den 1980er-Jahren besucht.

Bei seinem Besuch im Vatikan wurde Fischer von einer hochrangigen Delegation begleitet, darunter Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP), Bundesratspräsidentin Ana Blatnik (SPÖ) und WKÖ-Präsident Christoph Leitl. Fischer hatte am Dienstag seinen dreitätigen Staatsbesuch in Italien und im Vatikan begonnen. Er hatte am Dienstag den italienischen Präsidenten Giorgio Napolitano und Premier Matteo Renzi getroffen.