Erstellt am 26. Juni 2015, 21:40

von APA/Red

Softer Auftakt beim 32. Donauinselfest. Softer Auftakt beim 32. Donauinselfest: Viel glatt gestrickter Schmusepop dominierte am Freitagnachmittag die große Hauptbühne.

Häupl hielt den Moment für die Ewigkeit fest  |  NOEN, APA

Den Anfang machte James Cottriall, der mit Hits wie "Unbreakable" für Schmacht-Stimmung sorgte. Deutlich mehr gegen den Strich gebürstete Musikware gab es indes auf der FM4-Bühne, wo die heimische Rapperin Yasmo einen kraftvollen Auftritt hinlegte.

Vor der Festbühne war am späteren Nachmittag noch viel Platz. Der gebürtige Brite Cottriall sorgte gegen 18 Uhr das erste Mal am Eröffnungstag für durchaus regen Zulauf. Nur 15 Minuten musste das Publikum ausharren, um mit "By your side" einen ersten Ohrwurm serviert zu bekommen. Neues Liedgut wie der Song "Stupid" wurde ebenso kredenzt.

Im unaufgeregten Harmoniemodus ging es weiter. Mark Forster, u.a. erfolgsverwöhnt dank Zusammenarbeit mit Sido für die Single "Au revoir", erfreute die Menge mit deutschsprachigen Soft-Pop. Mit Andreas Bourani ("Auf uns", "Mein Herz schlägt schneller") wird auch der heutige Festbühnen-Headliner diesem Stil treu bleiben. Bourani entert um 23.10 Uhr die Stage.

Textliche und musikalische Ausgeklügeltheit

Mehr in Richtung "Bildungsauftrag" ging es indes bei der FM4-Bühne, wie die Wiener Rapperin Yasmo selbst bekundete. Mit Unterstützung der "Klangkantine" bot sie eine gute halbe Stunde politisch ambitionierten Hip-Hop, wobei die Wortkünstlerin seit jeher auf den genreüblichen Chauvinismus verzichtet. Der Auftritt der Slampoetin erfreute gleichsam durch textliche wie musikalische Ausgeklügeltheit. Dank beherzt agierender Bläserbatterie groovten Songs wie "Fuck the Academy" oder "Wer hat Angst vorm weißen Mann" ordentlich und gaben der Sache einen intensiven Brass-Anstrich.

Mit fortschreitender Stunde trübte sich der anfangs vorwiegend blaue Himmel zusehends ein. Zwischendurch fiel auch der eine oder andere Tropfen. Notwendigkeit für Regenschutz dürfte aber trotzdem nicht bestehen. Laut Wetterinfo sollte es bis in die Nachtstunden so gut wie trocken bleiben.

Stadtchef Häupl drehte seine Runde

Noch vor den ersten Konzerten hatte Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) seinen großen Auftritt. Er beehrte einmal mehr das Donauinselfest und brach auch im Wahljahr nicht mit Gewohnheiten. Schon am frühen Nachmittag, als das Eiland noch ziemlich verwaist war, drehte der Stadtchef seine Runde. Um 16.30 Uhr eröffnete er per Videobotschaft offiziell das dreitägige Open-Air-Fest.

Er wolle die Politik am Inselfest beiseitelassen und sich mit Freunden gut unterhalten, beteuerte Häupl bei seiner Stippvisite. Party statt Wahlkampf, so die Botschaft. Ein bisschen Aktionismus geht aber immer: Also wurde der Stadt-Chef - bei traumhaftem Sommerwetter leger im tiefroten Lacoste-Polo - vor einen Pulk von Genossen postiert, die riesige Buchstaben in die Höhe reckten und so den aktuellen SPÖ-Slogan "Für Wien brauchst a G'spür" zusammensetzten. Mit der Selfie-Stange hantierend, hielt der Bürgermeister den Moment für die Ewigkeit fest.

Keine Zeit für Konzertbesuche

Dann ging es zur nahegelegenen Arbeitswelt-Insel, wo diverse Magistratsabteilungen - von Stadtgärten über Gewässer bis Müllabfuhr - dem Volk ihre Leistungen vermitteln wollen. Häupl schüttelte routiniert Hände, ließ sich fotografieren und erprobte sich als Fußballer bei einer Schießwand. Zwischendurch blieb Zeit für Wangenbussis für Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely und Umweltstadträtin Ulli Sima, die sich in ein "Häupl passt mir"-Shirt gewandet hatte.

Häupl schaute auch Kindern beim Basteln über die Schulter. Die jungen Insulaner waren ob des prominenten Besuchers zuweilen aber etwas ratlos. SP-Landesparteisekretär Georg Niedermühlbichler gab Nachhilfe: "Das ist der Bürgermeister von Wien."

Für Konzertbesuche hat Häupl heute Abend übrigens keine Zeit. In seinem Terminplan steht nämlich ein Besuch bei der Fete Imperiale, dem Sommerball der Spanischen Hofreitschule. Verzichten muss der Stadtchef daher u.a. auf die heimischen Rapper Skero und Nazar auf der FM4-Bühne, den britischen R&B-Star Taio Cruz auf der Hauptbühne, Kabarett-Urgestein Lukas Resetarits im Ö1-Zelt oder Hüttenhits-Lieferant DJ Ötzi auf der Oldies- und Schlagerbühne. Letzteren klassifizierte der Bürgermeister heute übrigens als "sehr lustigen Burschen".

"Aus dem Fan-Alter bin ich heraus"

Morgen, Samstag, wird Häupl erneut die Insel besuchen. Die musikalischen Auftritten dürften auch dann nicht oberste Priorität haben: "Aus dem Fan-Alter bin ich heraus." Aber grundsätzlich sei schon einiges nach seinem Geschmack dabei. "Von der Christl Stürmer (sie spielt am Sonntag, Anm.) bis zur Anastacia ist das sowieso alles großartig."

Das Festivalgelände erstreckt sich wie gewohnt zwischen Nord- und Reichsbrücke. Während an den Nachmittagen vorrangig Sport- und Kinderprogramm geboten wird, stehen abends die Konzerte im Vordergrund. Eigene alkoholische Getränke dürfen ebenso wenig mitgenommen werden wie Glasflaschen, Dosen oder Regenschirme.

Letztere dürfte man allerdings kaum brauchen. Denn für alle drei Festtage ist überwiegend freundliches Wetter angesagt. Lediglich am Samstagabend könnte es zwischendurch etwas regnen. Für die An- und Abreise empfehlen sich die Öffis: Die U-Bahn-Linien U1 und U6 fahren bis in die Nachtstunden in dichten Intervallen.