Erstellt am 10. Oktober 2014, 01:00

Wiener Hauptbahnhof wird eröffnet. In Wien wird heute, Freitag, der Hauptbahnhof eröffnet. Die neue zentrale Verkehrsstation ersetzt den Südbahnhof.

 |  NOEN, APA/ROLAND SCHLAGER

ÖBB-Vorstandschef Christian Kern sprach von einem "Landmark-Projekt", in dem künftig täglich rund 1.100 Züge halten werden. Vorerst dient die Station mit dem prägnanten Rautendach allerdings nur dem Regionalverkehr.

Wien-Hirschstetten, Wulkaprodersdorf, Raasdorf, Pamhagen und - als internationales Highlight - Bratislava-Petrzalka. Die Anzahl und die Entfernung der Destinationen, die am Eröffnungstag auf den Anzeigetafeln prangten, waren noch überschaubar. Bahnchef Kern bat die Besucher des Eröffnungsfestes trotzdem, einen Blick auf die Anzeige zu werfen: "Sie sehen, alle Züge sind pünktlich."

Mit sichtlichem Stolz äußerte er sich auch zum neuen Haus: "Dieser Tag ist ein sehr besonderer Tag für uns." Der Wiener Hauptbahnhof sei ein Gemeinschaftswerk: "Über eine Dekade lang haben Baggerfahrer, Architekten, Ingenieure oder Putzfrauen dafür gesorgt, dass wir heute hier stehen können." In der Vergangenheit seien Bahnhöfe als die Kathedralen der Moderne bezeichnet worden. Die Zeiten hätten sich aber geändert: "Wir wollten nicht Monumentales schaffen, sondern Funktionales."

Bundespräsident Heinz Fischer zeigte sich von den Dimensionen trotzdem beeindruckt: "Es kommt nicht alle Tage vor, dass wir ein Bauwerk eröffnen, das ein Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro hat." Beim Bau sei alles so gelaufen wie gewünscht: "Es gab keine Verspätung, keine Skandale." Ein Umstand, der dem Bundespräsidenten ein "wunderbar" entlockte.

Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) verwies auf die Bedeutung des Hauptbahnhofs als Verkehrsknotenpunkt - und erinnerte sich an den Vorgänger: "Ich habe den Südbahnhof nicht wegen seiner Schönheit geliebt, sondern weil wir von hier nach Italien gefahren sind." Die Minister Alois Stöger (SPÖ, Infrastruktur) und Reinhold Mitterlehner (ÖVP, Wirtschaft) lobten hingegen unter anderem die flotten Zugverbindungen in ihr Heimatbundesland Oberösterreich - auch wenn dieses noch nicht vom Hauptbahnhof erreichbar ist. An der Eröffnung nahm auch Stögers Vorgängerin, die nunmehrige Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ), teil.

Das naheliegende Bonmot vom "großen Bahnhof" war am Freitag nicht nur aufgrund der zahlreichen Ehrengäste angebracht. Auch tausende Shopper strömten ins neue Einkaufszentrum - um dort die diversen Eröffnungsangebote oder Glücksrad-Aktionen zu nutzen. Insgesamt verfügt das EKZ am Hauptbahnhof über 90 Geschäfte. Textilketten, Buchhandlungen und Sportartikelshops sind dort genauso zu finden wie ein großer Supermarkt, Trafiken, Autovermietungen sowie natürlich das Reisezentrum der ÖBB. Die Einkaufsmeile beherbergt auch zahlreiche Gastronomiebetriebe - wobei man ein klassisches Bahnhofsrestaurant vergeblich sucht, es überwiegen Anstell- bzw. Take-Away-Lokale.

Bis das Angebot auch in Sachen Zugverbindungen größer wird, dauert es noch eine Weile: Die ersten Fernzüge werden zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember halten. Verbindungen nach bzw. von Süden (Italien, Slowenien, Graz oder Villach), Osten (Budapest) und Norden (Brünn, Prag, Warschau) werden ab diesem Zeitpunkt über den neuen Verkehrsknoten geführt.

Passagiere aus dem Westen werden ebenfalls schon bis zum Hauptbahnhof fahren können - falls sie in einem über Passau führenden ICE sitzen. Diese Züge werden sogar bis zum Flughafen verlängert. Die Vollinbetriebnahme erfolgt dann in einem Jahr: Verbindungen, für die derzeit noch der Westbahnhof Start- und Zielpunkt ist, werden ab Dezember 2015 den Hauptbahnhof anfahren.