Erstellt am 19. März 2015, 12:33

von APA/Red

Wiener Kongress wird Platini verlängern. Die Spitze des europäischen Fußball-Verbands UEFA ist ab Sonntag für drei Tage in Wien zu Gast. Zum vierten Mal nach 1955, 1972 und 1994 wird am Dienstag der UEFA-Kongress in Österreich abgehalten, vorgelagert tagt zwei Tage lang das UEFA-Exekutivkomitee.

Michel Platini steht vor seiner Wiederwahl als UEFA-Präsident, auch FIFA-Präsident Joseph Blatter wird nach Wien kommen.

Eigener Europa-Kandidat: "Es ist keine fixe Linie da"

Heiße Themen wird es bei den Meetings genügend geben, eine klare Linie des europäischen Verbands zu der am 29. Mai in Zürich anstehenden Wahl des FIFA-Präsidenten wird aber nicht erwartet.

An der Wiederwahl des in Europa umstrittenen Amtsinhabers Blatter besteht kein Zweifel, seine Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, Ex-Weltfußballer Luis Figo und der niederländische Verbandschef Michael van Praag gelten als chancenlos.

Ob sich Europa auf einen Kandidaten festlegt, ist "derzeit offen", meinte ÖFB-Präsident Leo Windtner am Donnerstag in Wien. "Es ist keine fixe Linie da. Ich weiß nicht, inwieweit die UEFA eine Position im Hinblick auf die FIFA-Wahl hinbringt. Ich habe da keine Riesen-Erwartungshaltung", so Windtner.

ÖFB-Boss Windtner: "Wir müssen Allianzen schaffen"

Blatter wird beim Kongress eine Rede halten, allerdings keine Wahlkampfrede. Der Schweizer genießt offenbar die geschlossene Rückendeckung aller Kontinentalverbände mit Ausnahme Europas, das in seiner ohnehin nicht einheitlichen Position alleine da steht.

Eine Herausforderung, diese Konstellation künftig zu ändern. "Wir müssen Allianzen schaffen. Europa hat sportlich und materiell das größte Gewicht, aber nicht die Möglichkeit, das umzusetzen", stellte Windtner fest.

Diplomatisch ist Windtner, wenn es um die Position des ÖFB in Bezug auf die FIFA-Wahl geht. "Jede Nation ist derzeit sehr behutsam. Europa ist nicht einig. Österreich wird mehr in der Vermittlerrolle als in jener als Speerspitze sein. Wir werden nicht vorne marschieren, das entspricht nicht unserer Rolle", meinte der Kongress-Gastgeber.

Zwölf Anwärter für sieben Plätze im Exekutivkomitee

Bei der Wahl des UEFA-Präsidenten herrscht dagegen Einigkeit und Klarheit. Platini ist der einzige Kandidat für die vierjährige Amtszeit, er wird deshalb von den Vertretern der 54 Verbände wohl per Akklamation verlängert. "Platini war eine Spielerpersönlichkeit, von da hat er vieles in das Funktionärsbild transferieren können. Er steht ganz klar für Sport und Entwicklung", meinte Windtner über den UEFA-Präsidenten.

Für die Wahl ins Exekutivkomitee gibt es zwölf Anwärter für sieben Plätze. Seit dem Ausscheiden von Heinz Gerö 1988 ist Österreich im Exekutivkomitee nicht mehr vertreten, das wird sich auch in naher Zukunft wohl nicht ändern. Windtner bewirbt sich jedenfalls nicht.

"Österreich wäre nicht chancenlos, aber das ist eine Frage der Zeit. Das ist mehr als ein Half-Time-Job, man muss fast den Job aufgeben", so die Erklärung des Oberösterreichers, Generaldirektor der Energie AG. Windtner ist aber Mitglied des HatTrick-Komitees, das unter anderem den Bereich Infrastrukturprojekte innehat.

Eine klare Meinung hat Windtner auch zu aufkeimenden Forderungen, die WM 2018 in Russland zu boykottieren. "Ich halte nichts davon Boykottdrohungen auszustoßen, das hat die Geschichte gezeigt. Da kommt der Sport in die Mühlen der Politik, das macht keinen Sinn", betonte der ÖFB-Präsident.