Wiener Neustadt , Bad Fischau-Brunn

Erstellt am 07. September 2016, 14:26

von APA Red und Tina Jedlicka

Prozess gegen "Hakenkreuz-Opfer": Schuldspruch!. Ein Nachbarschaftsstreit in Bad Fischau-Brunn (Bezirk Wr. Neustadt) sorgte für großes Aufsehen – zwei Mal will Robert T. von Unbekannten verletzt worden sein. Ihm sei ein Hakenkreuz in die Stirn und die Brust eingeritzt worden. Nun standen er und seine Frau am Mittwoch u.a. wegen Verleumdung vor Gericht.

Robert T. nach dem Überfall. Foto: Foto Baldauf  |  NOEN, Franz Baldauf

Der Mann seiner Nachbarin saß drei Monate in Untersuchungshaft und wurde schließlich freigesprochen; bei Richter Hans Barwitzius mussten sich Robert T. und seine Frau nun wegen Verleumdung, Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung verantworten, weil sie ihre Nachbarn beschuldigt hatten, die grausame Tat begangen zu haben. Laut Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt soll Herr T. die Taten selbst begangen haben.

"Täter müssten sich sehr sozial verhalten haben"

Unter anderem gab der jetzige Angeklagte an mit Kabelbindern gefesselt worden zu sein - er wurde stark unterkühlt, gefesselt von einem Lkw-Fahrer entdeckt. Keine Fremdspuren konnten gefunden werden.

Die Polizei suchte im Auftrag des Gerichts einen baugleichen Kabelbinder, dieser konnte jedoch nicht gefunden werden, weil er nicht handelsüblich sei. Daraufhin versuchte die Polizei beim Arbeitgeber des Angeklagten ihr Glück und wurde fündig! Just dieser Kabelbinder war in der Firma vorrätig und der Angeklagte hatte Zugang dazu.

Richter Hans Barwitzius fesselte sich beim Prozess mit einem baugleichen, wiederöffenbaren Kabelbinder selbst und konnte sich auch selbst wieder befreien. Der Angeklagte begann daraufhin zu jammern, dass er Feinde in seiner Firma habe und kürzlich von der Cobra festgenommen worden sei, weil ein Mitarbeiter seines Dienstgebers angezeigt hatte, dass der Angeklagte im Besitz einer Glock und reichlich Munition sei.

"Die Täter müssten sich sehr sozial verhalten haben - alle Wertegegenstände konnten im gestohlenen Auto gefunden werden, mit dem der Angeklagte entführt werden sein will - auch Spuren gab es keine", so die Staatsanwältin. Laut Sachverständigem Ferdinand Barek können sämtliche Verletzungen selbst zugefügt worden sein.

Angeklagte nicht rechtskräftig schuldig gesprochen

Die Angeklagte Vera T. beschuldigte ihren Nachbarn zu einer Vis-a-vis-Nachbarin etwas gesagt zu haben, dass darauf schließen ließ, dass er an der Tat beteiligt gewesen war. Diese sagte jedoch als Zeugin aus, dass er das nicht gesagt habe.

Die Angeklagten wurden nicht rechtskräftig schuldig gesprochen. Die Erstangeklagte wurde zu 20 Monaten verurteilt, ihr Mann zu 18 Monaten, beide Strafen bedingt. Beides noch nicht rechtskräftig.

"Ein unglaublicher Sachverhalt - etwas das nicht oft vorkommt. Entweder es gibt hollywoodreife Täter oder jemanden, der sich so etwas selbst zufügt. Ein absolut akribisch durchgeführtes Beweisverfahren, bei dem niemand etwas leichtfertig gesagt hat", meinte Richter Barwitzius. Die Angeklagten nahmen das Urteil zur Kenntnis ohne eine Miene zu verziehen.

 

NÖN.at hatte Mittwochmittag berichtet:

Am Landesgericht Wiener Neustadt ist am Mittwoch ein Prozess wegen Vortäuschung einer Straftat, Verleumdung und falsche Beweisaussage fortgesetzt worden.

Der Angeklagte (53), der laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft vor dem Hintergrund eines Nachbarschaftsstreits einen Überfall auf sich selbst inszeniert haben soll, blieb wie seine mitangeklagte Ehefrau bei seiner Verantwortung: "nicht schuldig".

Freundin der Ehefrau berichtete: "Sie war völlig aufgelöst"

Das Verfahren war am 22. August zur Ladung weiterer Zeugen vertagt worden. Heute zeigte der Beschuldigte eingangs seine Narben am Oberkörper und Bauch, wobei das Hakenkreuz, das ihm nach seinen Angaben damals im Februar eingeritzt worden war, "noch erkennbar ist", wie Richter Hans Barwitzius feststellte.

Nach seiner Darstellung war der Mann auf der frühmorgendlichen Fahrt zur Arbeit wegen eines - getürkten - Autounfalls stehengeblieben, sei niedergeschlagen, in einen Wagen verfrachtet worden und erst nach mehreren Bewusstlosigkeiten - gefesselt und verletzt an einem Bachbett liegend - wieder zu sich gekommen.

"Sie war völlig aufgelöst", berichtete eine Freundin der Ehefrau von deren Anruf nach dem Überfall. Die Zeugin brachte die 65-Jährige dann vom Spital, wo ihr Mann behandelt wurde, heim und kümmerte sich nach Rückfrage bei der Polizei auch um die Abholung des am "Unfallort" stehenden Pkw des 53-Jährigen.

Beamte des Landeskriminalamts gaben Auskunft über die damaligen Befragungen der 65-Jährigen. Sie habe dabei auch über den jahrelangen Zwist mit den Nachbarn erzählt und ihre Eintragung über ein mitgehörtes Gespräch auf ihrem Standkalender hergezeigt. Demnach sei u.a. der Satz "Schade, dass er nicht im Bachbett krepiert ist" gefallen.