Erstellt am 22. Oktober 2015, 13:43

Wifo-Experte sieht jeden dritten Bankjob im Land wackeln. Der Strukturwandel bei den Banken könnte in Österreich mehr als 25.000 Arbeitsplätze kosten.

 |  NOEN, APA

Der Wifo-Bankenexperte Franz Hahn schätzt, dass durch Fusionen, Auslagerungen und Filialschließungen in den nächsten vier bis fünf Jahren mehr als ein Drittel des Personalstands reduziert werden könnte. Das wären bei einem aktuellen Beschäftigtenstand von 75.000 mehr als 25.000 Stellen.

Der Abbau müsse, so Hahn im "Kurier", nicht immer durch Kündigungen erfolgen, auch freiwillige Abgänge fielen darunter. Scheibchenweise gingen dadurch in den vergangenen fünf Jahren in der Branche bereits 4.000 Stellen verloren. Die heimischen Großbanken hätten wegen der Erfolge in Osteuropa Strukturanpassungen im Inland lange Zeit verschleppt, findet Hahn. Jetzt, wo die Erträge einbrechen, hätten die Institute ein Kostenproblem und seien gezwungen, "ihre optimale Größe zu finden". Die Personalkosten machen rund die Hälfte der operativen Kosten einer Bank aus.

Zerschlagung der größten Bank des Landes befürchtet

Seit am Beginn der Woche Überlegungen von UniCredit für einen Teilverkauf der Bank Austria bekannt geworden sind, geht in den Banken in Österreich wieder die Jobangst um. Es wird eine Zerschlagung der größten Bank des Landes befürchtet. Laut "Presse" spießt es sich bei den Plänen rund um einen Verkauf des Privatkundengeschäfts an Cerberus an den Personalkosten.

Die Bank Austria hat in Österreich 9.400 Mitarbeiter. Ein Drittel ist unkündbar. Aus verschiedenen Dienstrechten summierten sich Pensionsansprüche, Anwartschaftsrechte und weitere Belastungen auf etwa 3 bis 4 Mrd. Euro. Die Altverträge sollen Cerberus zu teuer sein.

Sollte der US-Fonds Cerberus das Privatkundengeschäft der Bank Austria übernehmen und mit der Tochter BAWAG fusionieren, hätte dies nur Sinn, wenn es zu massiven Einsparungen kommt. "Das Ganze ist symptomatisch für die österreichische Bankenbranche", sagte Wifo-Experte. So wie es derzeit aussehe, könnte das Bank-Austria-Privatkundengeschäft zum Nulltarif "verscherbelt" werde.

Zerschlagung hätte "negative Signalwirkung"

Die Gewerkschaft stellt der UniCredit allerdings schon einmal die Rute ins Fenster: "So einfach, wie sich das vielleicht manche Manager in der Konzernzentrale vorstellen, wird eine völlige Zerschlagung beziehungsweise ein Verkauf der Bank nicht möglich sein", deponierte am Donnerstag der Vorsitzende der Gewerkschaft GPA-djp, Wolfgang Katzian. Der Privatangestellten-Gewerkschaftschef sprach zudem die Bedeutung der Bank Austria für den Finanzplatz Österreich und die gesamte Volkswirtschaft an. Eine völlige Zerschlagung hätte eine "negative Signalwirkung weit über die betroffene Bank hinaus", warnte er.

Raiffeison vor Umstrukturierungen

Auch die Raiffeisen-Bankengruppe steht vor größeren Umstrukturierungen. Erwin Hameseder, Obmann der Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien und Aufsichtsratschef des Spitzeninstituts RZB, will die Kosten um bis zu 25 Prozent senken. Eine Strukturdiskussion habe "nur Sinn, wenn wir unsere Eigentümer, die Raiffeisenbanken, stärken", sagte Hameseder bei einem Raiffeisen-Funktionärsforum in St. Pölten. Hameseder sieht laut "Raiffeisen Zeitung" eine Kostenersparnis, die letztlich die Primärstufe entlaste, von 20 bis 25 Prozent als Zielgröße.

Man befinde sich in einem fruchtbaren und intensiven Diskussionsprozess. "Wir waren noch nie so weit wie jetzt. Wir denken über Möglichkeiten und Modelle nach, wo und wie wir insbesondere Kosten einsparen können", sagte der Aufsichtsratschef der Raiffeisen Zentralbank bei der Veranstaltung. Die nötige Akzeptanz und die entsprechenden Beschlüsse vorausgesetzt, "könnten damit Einsparungspotenziale von bis zu einer halben Milliarde Euro genutzt werden", wird der Banker zitiert.

"Wir müssen uns wieder stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren", so Hameseder weiter. Das zwinge zu Veränderungen, "aber wenn wir diese Phase hinter uns haben, sind wir besser aufgestellt als jemals zuvor". Wichtig sei in diesem Prozess, Flexibilität zu zeigen. Bei der Bankstellenstruktur genauso wie bei neuen digitalen Angeboten. Details zu künftigen Strukturen und zu Änderungen bei Geschäftsmodellen nannte er weiter nicht.