Erstellt am 26. Juni 2014, 11:25

von APA Red

Wirtschaft wächst heuer schwächer. Nach einem schwachen Jahresauftakt dürfte die heimische Wirtschaft heuer weniger stark wachsen als bisher angenommen.

In ihrer neuen Prognose von Donnerstag gehen das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und das Institut für Höhere Studien (IHS) von nur noch 1,4 bzw. 1,5 Prozent realem BIP-Plus aus, im März hatten sie noch 1,7 Prozent Zuwachs erwartet.

Kaum kräftiger dürfte das Wachstum nächstes Jahr ausfallen. Für 2015 sieht das Wifo nun wie schon vor drei Monaten 1,7 Prozent BIP-Anstieg, das IHS hat seine Erwartung geringfügig von 2,0 auf 1,9 Prozent reduziert. Schwächer als erwartet entwickeln sich - vor allem heuer - die Investitionen, auch der Privatkonsum und die Inlandsnachfrage fallen niedriger aus als zuletzt gedacht. Der Außenhandel legt zwar an Tempo zu, so richtig aber erst 2015.

Trotz eines weiteren Anstiegs der Zahl unselbstständig Beschäftigter klettert die Arbeitslosigkeit noch einmal weiter. Das Wifo sieht sie nach nationaler Definition 2014/15 bei 8,1 bzw. 8,3 Prozent, nach 7,6 Prozent voriges Jahr. Und das IHS geht für heuer von einem Anstieg auf 8,2 Prozent und für kommendes Jahr nur von einem leichten Rückgang auf 8,1 Prozent aus.

Das Defizit des heimischen Gesamtstaats erwarten Wifo und IHS heuer bei 2,8 bzw. 2,7 Prozent des BIP, für 2015 sehen die Institute hier eine Verbesserung auf 1,7 bzw. 1,4 Prozent. Geprägt sein wird das Budget von Konsolidierungsmaßnahmen, der Konjunkturentwicklung und Sonderaufwendungen zur Abwicklung der Hypo Alpe Adria, erklärten die Institute am Donnerstag.

Mittelfristig seien zusätzliche Anstrengungen zur Rückführung der Schuldenquote notwendig, betonte das Institut für Höhere Studien. Dabei müsse darauf Rücksicht genommen werden, dass die Konsolidierung die Wachstumskräfte nicht schwächt. Das strukturelle Defizit sieht das Wifo heuer bei 1,1 Prozent des BIP und 2015 kaum niedriger bei 1,0 Prozent.

Bei staatlichen Investitionen zur langfristigen Sicherung des Wirtschaftsstandorts - für Bildung, F&E, Innovationsförderung - müssten Kürzungen vermieden werden, so das IHS. Einsparungen sollten aber bei den konsumtiven Staatsausgaben ansetzen, also Verwaltung, Pensionen, Finanzausgleich oder Subventionen. Weiters müsse Spielraum zur Finanzierung einer Steuerreform geschaffen werden, die mittelfristig die Steuerquote merklich senke. Die Teuerung sehen beide Institute heuer zurückgehen - nach 2,0 Prozent Inflationsrate im Vorjahr sollten es heuer nur 1,8 Prozent werden bzw. 2015 dann 1,8 (Wifo) oder 1,9 (IHS) Prozent.

Abwärtsrisiken für die internationale Konjunktur sehen die Experten insbesondere durch politische Spannungen wie rund um die Ukraine bzw. den Irak. Diese erhöhte Unsicherheit komme gegenwärtig in den Stimmungsindikatoren zum Ausdruck, so das IHS. "Eine Verschärfung der Ukraine-Russland-Krise (Handelssanktionen) könnte den Welthandel spürbar verlangsamen", hieß es. Letztlich könnten die politischen Spannungen "auch zum Anstieg der internationalen Energiepreise führen".

Neben der Reihe potenzieller geopolitischer Spannungen ortet das Wifo "Risiken für die Weltwirtschaft" auch durch die "allgemein schwachen Wachstumsimpulse aus den Schwellenländern".

Das Wifo sieht das globale BIP 2014 und 2015 real um 3,3 bzw. 3,8 Prozent steigen, den Welthandel um 5,0 und 6,5 Prozent. Für die EU 28 werden 1,4 und 1,9 Prozent Wirtschaftswachstum erwartet, für den Euro-Raum 1,0 und 1,6 Prozent und für Österreichs Haupthandelspartner Deutschland 1,9 und 2,0 Prozent. Für die USA rechnet das Wifo mit einer Wachstumsbeschleunigung 2014/15 auf 2,2 und 3,1 Prozent, für China mit - für dortige Verhältnisse - gedämpften 7,3 Prozent.