Erstellt am 25. April 2014, 11:51

Wladimir Klitschko mit 25. WM-Kampf. Box-Schwergewichts-Champion Wladimir Klitschko ist in seinem 25. WM-Kampf mental gefordert wie selten zuvor.

Der Modellathlet muss Samstagnacht (22.30 Uhr/live RTL) in Oberhausen den Underdog Alex Leapai ernst nehmen und gleichzeitig gegen quälende Gedanken an einen drohenden Krieg in seinem Heimatland Ukraine ankämpfen.

Für den seit zehn Jahren unbesiegten Weltmeister geht es in seinem 65. Profikampf sportlich nicht in erster Linie darum, Jubiläen zu feiern. Der Fight gegen den ehemaligen Lkw-Fahrer aus Australien soll für den 38-jährigen Titelträger nur eine Station auf dem Weg zum 100-Prozent-Champion sein. Noch heuer könnte sich Klitschko neben dem WBA-, IBF- und WBO-Titel auch den vierten Gürtel des WBC-Verbandes schnappen und damit die Königsklasse uneingeschränkt regieren.

Bisher war sein 42-jähriger Bruder Witali, inzwischen exponierter Politiker in der Ukraine, WBC-Weltmeister und ein Familienduell zwischen den beiden ist ausgeschlossen. Am 11. Mai soll zwischen Bermane Stiverne (Kanada) und Chris Arreola (USA) ausgeboxt werden, wer den niedergelegten Titel erhält. Wladimir Klitschko steht schon in den Startlöchern. Aber davor hat der in Samoa geborene Leapai noch eine kleine Hürde aufgebaut.

Auch für den vermeintlichen Außenseiter trimmte sich der Weltmeister im Schatten des Wilden Kaisers in Tirol im Fünf-Sterne-Hotel "Stanglwirt" in Going wochenlang auf WM-Form. Aber nur seinen Körper. Mit dem Kopf ist der nach US-Legende Joe Louis am längsten amtierende Champion nach eigenen Worten "in der Ukraine".

In seinem Heimatland kämpft sein Bruder Witali seit Monaten als Anführer der Oppositionspartei Udar für Freiheit, Demokratie und einen pro-europäischen Kurs. Trotz der zugespitzten politischen Lage erwartet ihn der Weltmeister als moralische Stütze wieder in der Ringecke.

In der unabhängigen Weltrangliste rangiert Leapai, der im Alter von 36 zum ersten Mal um die WM boxt, nur an 27. Stelle. "In Deutschland ist es nicht leicht, zu gewinnen, erst recht nicht gegen diesen Mann. Aber ich gehe dort hin, um ihn k.o. zu schlagen", hatte der Außenseiter mit dem Kampfnamen "Löwenherz" vor seinem Abflug erklärt.

Der in 37 Kämpfen 30 Mal siegreiche Leapai gilt als brutaler "Haudrauf", dem technische Raffinessen fehlen. Gegen den schlagstarken Defensivboxer Klitschko (64 Kämpfe/61 Siege) droht dem 15 Zentimeter kleineren Australier, der am Samstag rund eine Million Euro kassieren soll, ein vorzeitiges Ende.

Nach dem eher unattraktiven Kampf und unspektakulären Sieg gegen Alexander Powetkin am 5. Oktober in Moskau will Klitschko in Oberhausen durch klare Treffer und einen Knockout glänzen. Er will seinen Dauererfolg fortsetzen. "Meine Mission ist noch nicht erfüllt. Ich bin nach wie vor begeistert und habe Leidenschaft. Allein das Ziel, irgendwann alle Titel zu halten, gibt mir Motivation", betonte Klitschko.