Erstellt am 09. August 2016, 06:44

von APA Red

Stiftungsrat wählt neuen ORF-Generaldirektor. Der ORF-Stiftungsrat wählt am Dienstag einen neuen ORF-Generaldirektor. Zur Auswahl stehen der von der SPÖ unterstützte ORF-Chef Alexander Wrabetz sowie der von der ÖVP favorisierte Finanzdirektor Richard Grasl.

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ORF-Chef Alexander Wrabetz sowie der von der ÖVP favorisierte Finanzdirektor Richard Grasl. Der mit wenigen Ausnahmen in parteipolitische "Freundeskreise" unterteilte 35-köpfige Stiftungsrat entscheidet mit einfacher Mehrheit. Wrabetz zeigte sich am Vormittag "zuversichtlich".

Die Sitzung des Stiftungsrats hat kurz nach 10.00 Uhr begonnen, das Ergebnis der Wahl wird für den Nachmittag erwartet. Auf der Tagesordnung standen zunächst Hearings mit Grasl und Wrabetz, die in alphabetischer Reihenfolge auftraten. Das Hearing mit Finanzdirektor Richard Grasl dauerte knapp eineinhalb Stunden. Der amtierende ORF-Chef traf kurz nach 11.30 Uhr vor dem Sitzungszimmer ein und stellte sich den wartenden Journalisten und Kameras. "Jetzt ist der Stiftungsrat am Wort." Und: "In vier Stunden wissen wir's." Außerdem hielt Wrabetz auf die Frage, ob er von seiner Wiederbestellung ausgeht fest: "Zuversichtlich bin ich."

Danach folgt je nach Dauer - in der Vergangenheit wurden aussichtsreiche Bewerber oft ein- bis eineinhalb Stunden "gegrillt" - die Bestellung des Generaldirektors gemäß Paragraf 21 Absatz 1 Ziffer 2 des ORF-Gesetzes. Nach der Wahl werden noch die Zahl der Direktoren und Direktorinnen sowie die Geschäftsverteilung der künftigen ORF-Führung festgelegt. Letzter Tagesordnungspunkt ist die Zustimmung zur Ausschreibung der Funktionen der Direktoren und Landesdirektoren.

Die 35 Mitglieder des obersten ORF-Gremiums wählen den Generaldirektor, der sein Amt am 1. Jänner 2017 antritt, in nicht geheimer Abstimmung. 18 Stimmen sind für eine Mehrheit notwendig. Jeder Stiftungsrat erhält einen Stimmzettel, der einzeln in einer Wahlzelle ausgefüllt und in eine Wahlurne eingeworfen wird. Danach wird das Ergebnis ausgezählt, protokolliert und das Gremium wird über das Wahlverhalten der einzelnen Stiftungsräte informiert. Diese Form der offenen Auszählung gibt es seit 2001. Schwarz-Blau schaffte damals die geheime Wahl ab.

Die Mitglieder des Stiftungsrats werden von Regierung, Parteien, Bundesländern, ORF-Publikumsrat und Betriebsrat beschickt und sind - abgesehen von wenigen Ausnahmen - in parteipolitischen "Freundeskreisen" organisiert. Wegen der knappen Mehrheitsverhältnisse dürften die Vertreter der Opposition sowie die Unabhängigen den Ausschlag geben. Zuletzt wurden unter Stiftungsräten die Chancen des amtierenden ORF-Chefs etwas höher eingeschätzt. Wrabetz und Grasl - sowie im Hintergrund ihre politischen Unterstützer - warben bis zuletzt bei Stiftungsräten für ihre Konzepte, und beide Bewerber rechneten mit einer Mehrheit.