Erstellt am 07. Mai 2014, 12:58

Wunsch nach "starkem Führer" hat zugenommen. Der Wunsch nach einem "starken Führer" hat in Österreich zugenommen.

Dennoch zeigte die Studie im Auftrag des Zukunftsfonds ein "kritischeres Bewusstsein" gegenüber dem Nationalsozialismus. Mehr als die Hälfte wünscht sich aber auch das Ende der Diskussion über den Holocaust.

1.015 Österreicher befragt

1.015 Österreicher wurden von SORA von Jänner bis Februar 2014 zu ihrem Geschichtsbewusstsein befragt, wobei auch positive Entwicklungen zutage gefördert wurden: So sieht rund die Hälfte der Befragten "nur Schlechtes" bzw. "großteils Schlechtes" durch den Nationalsozialismus. 36 Prozent der Befragten sind der Meinung, die NS-Zeit habe "sowohl Gutes als auch Schlechtes" für Österreich gebracht, immerhin noch 3 Prozent sehen "großteils" positive Auswirkungen. Verglichen mit einer Studie aus dem Jahr 2005 sehe man die NS-Zeit negativer, betonten die Autoren.

Nach wie vor finden 42 Prozent der Österreicher die Formulierung richtig, dass Österreich das "erste Opfer" des Nationalsozialismus gewesen sei. Signifikante Unterschiede bei der Beantwortung ortet Martina Zandonella von SORA in der jeweiligen Bildung der Befragten.

Österreicher mit höherem Schulabschluss seien dem Nationalsozialismus gegenüber deutlich negativer eingestellt als jene mit geringerer formaler Bildung. Ebenso verhalte es sich mit der jeweiligen "Verunsicherung" der Befragten, diese hätten etwa eine größere Sehnsucht nach autoritären Systemen und seien politisch eher der FPÖ zugeneigt.

29 Prozent wünschen sich "starken Führer"

Obwohl 85 Prozent der Aussage "sehr" oder "ziemlich" zustimmten, dass es sich bei der Demokratie um die "beste Regierungsform" handle, wünschen sich 29 Prozent einen "starken Führer, der sich nicht um Wahlen und Parlament kümmern muss".

Auch dafür sieht der Historiker Oliver Rathkolb hohe Verunsicherung etwa aufgrund der schlechten Wirtschaftslage: "Die sozioökonomisch verursachte Apathie führt zu einer Führersehnsucht." Die Antwort darauf müsse die Politik geben, meint Günther Ogris von SORA. "Es fehlt eine klare Zukunftsvision", sieht er die Parteien gefordert.