Erstellt am 11. Mai 2014, 15:46

Wurst: "Ich will die ganze Welt". "Danke der Nachfrage, mir geht es sehr gut." Müde, aber glücklich stellte sich Conchita Wurst unmittelbar nach der Ankunft in Wien der Presse - und machte klar, dass mit dem Gewinn des Song Contests noch lange nicht alle Ziele erreicht sind.

"Mein größtes Ziel ist ein Grammy - und auf dem Weg dorthin nehme ich alles mit, was ich kriegen kann", erklärte die bärtige Sängerin mit funkelnden Augen.

Die Reaktionen auf ihren Triumph seien jedenfalls überwältigend gewesen. "Sogar Lady Gaga hat gewittert: Conchita Wurst, you complete me." (Du vervollständigst mich.) Nun wolle sie weiter Musik machen, das sei das Hauptziel, und sich nicht aufhalten lassen. Anrufe von TV-Produzenten aus Los Angeles seien bereits eingetrudelt, wurde ihr von ihrem Manager mitgeteilt. Nächster Schritt New York? "Natürlich, ich will die ganze Welt."

Dass ihr Gewinn auch politisch zu verstehen sei, hofft die Drag Queen sehr: "Es war nicht nur ein Sieg für mich, sondern ein Sieg für die Menschen, die an eine Zukunft glauben, die ohne Ausgrenzung und Diskriminierung funktionieren kann." Also auch ein Signal an den russischen Präsidenten Wladimir Putin? "Ja, unter anderem." Dennoch wolle sie nicht ein Land, sondern eine Haltung kritisieren. "Es gibt auch in Russland Ecken, in denen ich sehr willkommen bin."

Druck verspürt Wurst trotz der gesellschaftspolitischen Signalwirkung dennoch nicht. "Ich bin nicht die Botschafterin der Toleranz, ich trage nur meinen Teil dazu bei", gab sie sich auf entsprechende Fragen hin bescheiden. "Ich sehe das für mich als persönliches Anliegen, aber Gott sei Dank bin ich nicht allein damit." Mit negativen Kommentaren gegen ihre Person beschäftige sie sich dagegen nicht. "Das ist für mich jetzt genauso belanglos, wie es vorher war."

"Ich liebe die Frage von Eltern, wie sie das ihren Kindern erklären sollen", schmunzelte Conchita angesichts des heutigen Muttertags. "Es ist der Job von Eltern, ihre Kinder zu toleranten Persönlichkeiten zu erziehen. Und es ist sehr einfach: 'Weißt du, mein Schatz, es gibt Menschen, die sind einfach ein bisschen bunter als andere, und das ist ein junger Mann, der gerne Frauenklamotten trägt und der dafür nicht ausgelacht werden möchte.' Und wenn man das so erklärt, verstehen das die Kinder auch - die sind unterm Strich sowieso viel weiter, als man denkt."

Wie die kommenden Tage und Wochen nach den zwölf Tagen in der Showhalle in Kopenhagen aussehen werden, ist Conchita noch nicht ganz klar. "Heute abschminken und schlafen, und morgen - was ist morgen für ein Tag?" Und die nächsten Wochen? "Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung. Ich überlege die ganze Zeit, wo der Song Contest dann stattfinden wird." Ihr Heimatort Bad Mitterndorf würde ihr gefallen - "dort könnte ich meine Garage anbieten..."