Erstellt am 02. September 2015, 15:40

von APA Red

Zugeschweißter Lkw "rollendes Gefängnis". Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) zeigte sich Mittwochnachmittag schockiert über die Brutalität jener Schlepper, die Flüchtlinge in einen zugeschweißten und versperrten Klein-Lkw transportiert haben.

 |  NOEN, ROBERT JAEGER (APA)

Laut Polizeisprecher sei das Fahrzeug ein "rollendes Gefängnis" gewesen, in dem die Menschen auf der Ladefläche keine Chance gehabt hätten.

Burschen wurden in Auto "hineingestopft"

"Nein, so brutal", sagte Mikl-Leitner kopfschüttelnd, als sie in Wien-Landstraße bei einem Pressetermin das Fahrzeug begutachtete. "Unmöglich und unmenschlich!"

Die Flüchtlinge, jugendliche Afghanen, berichteten von der skrupellosen Vorgangsweise der Schlepper. Während der Lenker bereits bei laufendem Motor am Fahrersitz Platz genommen hat, hatte ein Komplize die 16- bis 20-jährigen Burschen in das Auto "hineingestopft", berichtete Keiblinger.

Die Burschen waren auf knapp sechs Quadratmeter zusammengepfercht. Wenn sie nicht rechtzeitig gefunden worden wären, dann hätte das "sehr tragisch und sogar mit dem Tod dieser Menschen enden können", meinte Keiblinger.

Mikl-Leitner reist am Freitag nach Mazedonien

Die Schlepper hätten arbeitsteilig agiert, um im Fall des Auffliegens eine Identifizierung der Beteiligen unmöglich zu machen. Die Polizei arbeitet auf Hochtouren, um an die Hintermänner der Kriminellen zu kommen.

Bisher gab es die Festnahme des 30-jährigen Fahrers, ein Rumäne, der sich in der Einvernahme schweigsam zeigte. "Welche Ängste diese Menschen in diesem Transporter gehabt haben müssen, ich glaub, das kann sich niemand von uns vorstellen", sagte Mikl-Leitner. "Das war im wahrsten Sinne des Wortes eine Lebensrettung."

Seit Sonntagabend wurde die Anzahl der Kontrollen im Kampf gegen die Schlepperkriminalität erhöht. "Es konnten schon einige Schlepper dingfest gemacht und Menschenleben gerettet werden", berichtete die Ministerin.

Mikl-Leitner reist am Freitag nach Mazedonien und trifft dort mit den Amtskollegen aus Mazedonien, Serbien und Ungarn zusammen, da diese Länder an der Schlepperroute von Griechenland aus Richtung Deutschland liegen. "Es gilt hier ein Vorgehen mit voller Konsequenz und aller Härte gegen Schlepper."

Ganz Europa stehe vor einer enormen Herausforderung, meinte die Innenministerin. "Und da gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder Europa scheitert oder wir gehen's gemeinsam an", betonte Mikl-Leitner.