Erstellt am 23. Juli 2014, 11:47

Zwei Prozesse gegen Sprayer in Wien. Zwei Graffiti-Sprayer, die in Wien bzw. Salzburg mit ihren Tags Hausfassaden, Bahnhöfe und Züge verunstaltet haben, mussten sich am Mittwoch am Wiener Straflandesgericht wegen schwerer Sachbeschädigungen verantworten.

Die beiden saßen jedoch nicht gemeinsam auf der Anklagebank, die Männer wurden unabhängig voneinander im März festgenommen, weil sie jeweils über 200 Tags hinterlassen haben sollen. 

"Puber"-Schriftzüge haben Kultstatus

Der eine Sprayer erlangte als "Puber" fragwürdige Berühmtheit. Der 30-jährige Schweizer, der sich seit vergangenem Jahr in Wien befand, hinterließ seine wenig originellen Schriftzüge auf zahlreiche Hausfassaden. Staatsanwalt Markus Berghammer legte ihm 232 Fakten zur Last. "Wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht", dann würde man vor allem eines sehen, nämlich "Puber"-Schriftzüge. Sie seien für die Hausbesitzer "eine Plage" und würden einen immensen Schaden anrichten. Der Angeklagte habe "der Stadt seinen Stempel aufgedrückt", so Berghammer.

Der Schweizer mit brasilianischen Wurzeln würde "Sachbeschädigung mit System" betreiben, weswegen ihm in seinem Heimatland bereits ein Verfahren droht. Deshalb sei Renato S. vermutlich im vergangenen Jahr unangemeldet nach Österreich gekommen und hätte hier als U-Boot in Wien gelebt. Um Geld zu verdienen, habe er ab und zu als Security gearbeitet. 2013 sei er in der Nähe des Cafe Leopold von einem Sicherheitsmann beim Sprühen erwischt worden. S. bettelte den Security an, ihn nicht zu verraten, er werde den Schaden wieder gut machen. Er habe dem Mann seine Namen genannt. Aufgrund dieser Daten sowie durch ein Überwachungsvideo habe man den Schweizer in einer Wiener WG ausfindig gemacht, so Berghammer.

Umfangreiches grafologisches Gutachten

In der Wohnung wurden zahlreiche Spraydosen sowie Graffitiutensilien gefunden. Der 30-Jährige flüchtete mit seinem Laptop aufs Dach und wollte den Computer in einem Kamin versenken. Davon hielten ihn die noch Polizisten ab. Auf dem Laptop wurden anschließend zahlreiche Fotos von diversen Graffiti sichergestellt.

Ein grafologisches Gutachten, das auf der Basis jener Schriftzüge erstellt wurde, bei denen man ihn erwischt hat, kam zu dem Schluss, dass er bei einigen Tags mit "sehr hoher Wahrscheinlichkeit" um jene des 30-Jährigen handelt. Sein Anwalt Phillip Bischof kritisierte, dass jener Sachverständigen nicht vor Gericht geladen wurde.

Der Rechtsvertreter bezeichnete den Strafantrag als "Zumutung". Bei zahlreichen Fakten würde es sich um keinen Schaden handeln, weil die Schriftzeichen abwaschbar oder auf einem Abbruchhaus platziert waren. Einige Fakten seien wiederum doppelt angeklagt. Ein weiterer Fall wurde bereits in einem anderen Verfahren eingestellt. Der Strafantrag liefe ganz nach dem Motto, "wir haben Puber, alle auf ihn. Wo Puber drauf steht, ist auch Puber drin", sagte Bischof. Sein Mandant werde sich teilweise schuldig bekennen.

Bis zu fünf Jahre Haft drohen

"Der Schriftzug wird von ziemlich vielen Leuten verwendet", sagte der Angeklagte vor Richter Wilhelm Mende. Er habe "Puber" an die 20 bis 30 Mal gesprüht. Auf den Vorhalt Mendes, dass die Art des Schriftzuges, wie sie der Schweizer tätigt, in Wien zumindest 111 Mal vorkomme, meinte der 30-Jährige: "Aber die sind nicht alle von mir und stammen aus einer Zeit, in der ich noch nicht einmal in Wien war." Im Fall einer Verurteilung drohen ihm sechs Monate bis fünf Jahre Haft.

Die gleiche Strafe droht dem ebenfalls angeklagten Briten, der sich wie der Schweizer in U-Haft befindet. Der junge Mann, der in Leeds eine Ausbildung als Maler und Anstreicher begonnen hat, soll von 2011 bis 2012 laut Anklage 243 Graffiti vor allem auf U-Bahnen und ÖBB-Garnituren in Wien und Salzburg hinterlassen haben. Bei der Verhandlung unter der Leitung von Richterin Martina Frank soll es noch am Mittwoch ein Urteil geben, der Prozess gegen "Puber" wird am Donnerstag fortgesetzt.