Erstellt am 15. Februar 2015, 10:52

Zwei Tote nach Beginn der Waffenruhe in Ostukraine. Kurz nach dem Beginn der Waffenruhe in der Ostukraine sind nach Behördenangaben zwei Zivilisten bei einem Separatistenangriff getötet worden.

Ein alter Mann und eine Frau seien rund 20 Minuten nach Inkrafttreten der Waffenruhe beim Einschlag einer Grad-Rakete in dem Dorf Popasna in der Region Luhansk (Lugansk) ums Leben gekommen, sagte der Regionalgouverneur Gennadij Moskal am Sonntag.

Abgesehen vom Tod der beiden Zivilisten schien die Waffenruhe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten jedoch weitgehend zu halten. Nahezu an der gesamten Front hätten die Kämpfe seit 03.00 Uhr (02.00 Uhr MEZ) in der Früh aufgehört, erklärten die ukrainischen Behörden. Lediglich ganz vereinzelt habe es noch Zwischenfälle gegeben.

Bis zu ihrem Inkrafttreten hatten sich ukrainische Truppen und prorussische Separatisten heftige Gefechte geliefert. Mehrere Menschen wurden dabei getötet. Beide Seiten sprachen Drohungen aus, sollte die Waffenruhe nicht halten.

Zu früh, um Schlüsse zu ziehen

Die Führung in Kiew blieb zunächst zurückhaltend mit einer Bewertung der Lage im Kriegsgebiet. "Die ersten Stunden sind sehr wichtig. Daher beobachten wir die Situation gemeinsam mit dem Militär. Um Schlüsse zu ziehen, ist es noch zu früh", teilte Präsidentensprecher Swjatoslaw Zegolko am Sonntag in der Früh mit.

Präsident Petro Poroschenko und die prorussischen Separatistenführer hatten um Mitternacht Kiewer Zeit die Waffenruhe angeordnet. In Donezk waren danach zwar noch Schüsse, aber kein Artilleriefeuer mehr zu hören. Auch in Mariupol und Debalzewo, wo es kurz zuvor noch erbitterte Gefechte gegeben hatte, werde die Waffenruhe eingehalten, verlautete aus ukrainischen Militärkreisen.

Der Donezker Separatistenführer Alexander Sachartschenko sagte, er habe seine Kämpfer angewiesen, sich an den Waffenstillstand zu halten. Über Debalzewo stehe in dem Abkommen von Minsk aber "kein Wort", sagte er. Sollten eingekreiste ukrainische Soldaten versuchen, aus der Stadt zu entkommen, werde dies als Angriff gewertet.

Poroschenko: "Ich will Frieden"

Der Agentur Interfax zufolge sagte Poroschenko: "Ich will Frieden". Zugleich warnte er, der Friedensprozess sei aufgrund der gespannten Lage bei Debalzewo in Gefahr. Die strategisch wichtige Stadt nordöstlich der Separatistenhochburg Donezk war bis zuletzt umkämpft. Nach Darstellung der Aufständischen sind dort Tausende ukrainische Soldaten eingekreist. Die Führung in Kiew weist das zurück.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Francois Hollande appellierten eindringlich, sich an das Minsker Abkommen zu halten. Sie telefonierten am Samstag sowohl mit Poroschenko als auch mit Putin. US-Außenminister John Kerry telefonierte am Samstag mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow und forderte ihn zu einer "vollen Umsetzung" der Minsker Vereinbarung auf.

Auch US-Präsident Barack Obama brachte in einem Telefonat mit Poroschenko seine Sorge um die Lage in Debalzewo zum Ausdruck, hieß es aus Kiew. Sowohl Poroschenko und Obama als auch Poroschenko und das deutsch-französische Tandem kündigten an, sich über weitere Schritte in der Krise abzustimmen. Merkel und Hollande wollten bereits am Sonntag erneut mit Poroschenko telefonieren und sich über den Fortgang der Waffenruhe unterrichten lassen.

14. Hilfskonvoi rollt an

Mit Beginn der Waffenruhe hat Russland indessen den mittlerweile 14. Hilfskonvoi mit rund 1.800 Tonnen Ladung in das Krisengebiet geschickt. Mehr als 170 weiße Lastwagen mit der Aufschrift "Humanitäre Hilfe der Russischen Föderation"überquerten am Sonntag in der Früh die Grenze zur Ukraine, wie der Zivilschutz mitteilte.

Die Hilfsgüter, darunter vor allem Lebensmittel und Schulbücher, sollen in den Städten Donezk und Luhansk (Lugansk) verteilt werden. Rund 400 Mitarbeiter des russischen Zivilschutzes seien an Bord der Lastwagen, sagte Behördensprecher Oleg Woronow der Agentur Tass. Darunter seien neben den Fahrern auch Ärzte und Psychologen, um die Menschen im Konfliktgebiet zu betreuen.

Die Ukraine kritisiert Russlands Hilfskonvois als Verletzung ihrer Souveränität. Sie wirft dem Nachbarland vor, den Separatisten auf diese Weise Nachschub wie etwa Waffen und Munition zu bringen. Russland weist dies zurück und begründet die Hilfe mit der humanitären Katastrophe, die auch von einer ukrainischen Wirtschaftsblockade des Donbass verschärft worden sei.