Erstellt am 28. August 2015, 09:32

von NÖN Redaktion

Im Süden sind Orte stärker verschuldet. Bericht über 2014 zeigt klares Nord-Süd-Gefälle beim Schuldenstand pro Kopf. Freie Finanzspitzen großteils ok.

Laut Gemeindefinanzstatistik 2014 hat sich der Schuldenstand der Gemeinden verringert. Auch die drei südlichen Bezirke haben weniger Schulden als 2013. Foto: isak55/shutterstock.com  |  NOEN, isak55/shutterstock.com

Einige Woche später als 2014 wurde vergangene Woche die Gemeindefinanzstatistik veröffentlicht (

).

Betrachtet man die einzelnen Bezirke im Landesvergleich, so fällt auf, dass vor allem die beiden südlichen Verwaltungseinheiten relativ hohe Pro Kopf-Schulden aufweisen.

Jennersdorf ist mit einem Schuldenstand von insgesamt knapp 40 Millionen Euro (2.280 Euro pro Kopf) negativer Spitzenreiter, gefolgt von Güssing mit 42,4 Millionen Euro Schulden (1.593 Euro pro Kopf).

Der Bezirk Oberwart hält sich mit insgesamt knapp 50 Millionen Euro Schulden (921 Euro pro Kopf) relativ stabil und hat die drittwenigsten Schulden.

Bei der Freien Finanzspitze (siehe Erklärung links) ein ähnliches Bild: Oberwart liegt auf Platz drei (149 Euro pro Kop), Güssing auf Platz vier (145 Euro pro Kopf) und Jennersdorf auf Platz sechs (131 Euro pro Kopf.

Gemeinden haben Erklärungen parat

Bei der genaueren Analyse der einzelnen Gemeinden zeigt sich ein durchaus unterschiedliches Bild. Insgesamt zehn Kommunen (Weiden bei Rechnitz, Schandorf, Schachendorf, Bernstein, St. Michael, Olbendorf, Moschendorf, Kleinmürbisch, Heiligenbrunn und Hackerberg), weisen eine negative Freie Finanzspitze aus, verfügen also quasi über keine freien Mittel für Investitionen.

Andere Gemeinden wiederum sind in diesem Bereich positiv, müssen aber an hohen Schulden knabbern. Wie zum Beispiel Strem (6.509 Euro Schulden pro Kopf), wo die, laut Bürgermeister Bernhard Deutsch, „Sanierung der Altlasten“ noch „einige Zeit“ in Anspruch nehmen wird.



Ähnlich ist die Situation auch in Weiden bei Rechnitz (1.823 Euro Schulden pro Kopf). „Das sind die Kosten für den Kanal, den wir aus dem laufenden Budget bezahlt haben – ohne Fremdfinanzierung“, nennt Bürgermeister Wilhelm Müller als Grund.

In St. Martin an der Raab wiederum, das im Bezirk Jennersdorf die geringste die Pro Kopf-Verschuldung (650 Euro) aufweist, wird laut Bürgermeister Franz Josef Kern „sparsam gearbeitet: Wir machen effiziente und umsichtige Politik, vernachlässigen aber trotzdem nichts.“

Gemeinden: Kosten für Soziales steigen

„Musterschüler“ in Sachen Personalkosten im Bezirk Oberwart ist Badersdorf (307 Euro pro Kopf). Bürgermeister Franz Heiden führt das auf eine „Sparefroh-Mentalität“ zurück: „Wir haben nur einen Gemeindearbeiter und eine Angestellte, außerdem bekommen politische Funktionäre bei uns weder Kilometergeld noch sonstige Diäten oder Spesen.“

Grundsätzlich fällt auf, dass die Schulden größer werden, je weiter südlich man lebt: Unter den 15 Gemeinden mit den meisten Schulden pro Kopf finden sich nur zwei aus dem Bezirk Oberwart, aber gleich acht aus dem Bezirk Jennersdorf und fünf aus dem Bezirk Güssing.

Auffallend auch die teilweise hohen Haftungen – Spitzenreiter in diesem Bereich ist Markt Allhau (8,7 Millionen Euro). Bürgermeister Hermann Pferschy erklärt dies aus den umfangreichen Investitionen in die Bildungseinrichtungen in der Gemeinde.

Bezirk Jennersdorf

FREIE FINANZSPITZE
Gemeinden mit der höchsten freien Finanzspitze pro Kopf
Heiligenkreuz 236 Euro
Weichselbaum 230 Euro
St. Martin an der Raab 217 Euro

Gemeinden mit der niedrigsten freien Finanzspitze pro Kopf
Jennersdorf 61 Euro
Neuhaus/Klausenbach 68 Euro
Rudersdorf 90 Euro

SCHULDEN
Gemeinden mit den höchsten Schulden pro Kopf
Heiligenkreuz 4.640 Euro
Mühlgraben 4.000 Euro
Jennersdorf 3.531 Euro

Gemeinden mit den niedrigsten Schulden pro Kopf
St. Martin an der Raab 650 Euro
Rudersdorf 706 Euro
Minihof-Liebau 902 Euro

PERSONALKOSTEN
Gemeinden mit den höchsten Personalkosten pro Kopf
Neuhaus/Klausenbach 553 Euro
Jennersdorf 539 Euro
Mühlgraben 512 Euro

Gemeinden mit den niedrigsten Personalkosten pro Kopf
Königsdorf 341 Euro
Minihof-Liebau 348 Euro
Eltendorf 350 Euro

SOZIALLEISTUNGEN
Gemeinden mit den höchsten Sozialleistungen pro Kopf
Heiligenkreuz 207 Euro
Jennersdorf 189 Euro
Rudersdorf 167 Euro

Gemeinden mit den niedrigsten Sozialleistungen pro Kopf
Neuhaus/Klausenbach 130 Euro
Weichselbaum 132 Euro
Mogersdorf 132 Euro

HAFTUNGEN
Gemeinden mit den höchsten Haftungen (absolut)
Jennersdorf 6.393.199 Euro
Rudersdorf 1.747.690 Euro
Heiligenkreuz 1.736.057 Euro


Erläuterungen

  • Grundlage für diese Sammlung an statistischen Auswertungen sind die im Frühjahr 2015 von den burgenländischen Gemeinden übermittelten Rechnungsabschlüsse des Haushaltsjahres 2014.

  • Bei Betrachtung und Analyse ist zudem zu bedenken, dass es sich lediglich um die Zahlen eines Jahres, also um ein punktuelles, statistisches Ergebnis handelt, das wohl Vergleiche zwischen Gemeinden, Bezirken und Gemeindegrößengruppen zulässt, aber nicht dazu geeignet ist, ein präzises Urteil über die Finanzlage einer bestimmten Gemeinde abzugeben. Dafür müssten jeweils die Ergebnisse mehrerer Jahre herangezogen und die jährlichen Schwankungen und Einmaleffekte berücksichtigt werden, um eine aussagekräftige Tendenz bzw. eindeutige Entwicklung herauslesen zu können. Weiters müssten dazu auch Bereiche berücksichtigt werden, die in dieser Finanzstatistik derzeit nicht oder nur teilweise enthalten sind wie zum Beispiel Haftungsübernahmen oder Ausgliederungen in Form von Kapitalgesellschaften.

  • Freie Finanzspitze: Sie zeigt den theoretisch möglichen freien Finanzspielraum der Gemeinde, bezogen auf das Haushaltsjahr auf. Die Berechnung ergibt sich durch Gegenüberstellung der Erträge zu den Aufwendungen einschließlich Tilgungsanteile für Fremdkapitalrückführungen. Ein diesbezüglicher Negativwert deutet entweder auf existente Finanzprobleme der Gemeinde hin, kann seine Ursachen aber auch in einer falschen Ausgabenzuordnung haben (zum Beispiel Verbuchung von Vermögenstransaktionen unter laufendem Aufwand – mangelnde Bilanzklarheit) haben. Durch außerordentliche Einnahmen bedeckte vorzeitige Darlehenstilgungen werden außer Acht gelassen. Wesentlich bei diesem Wert ist die Jahresbezogenheit, die einen Rückschluss auf nachhaltige freie Finanzierungsspielräume bzw. -probleme einer Gemeinde nicht zulässt. Für eine Beurteilung ist daher der Durchschnittswert mehrerer Jahre heranzuziehen.

  • Schulden: Die Schulden der Gemeinden sind in Schulden für den hoheitlichen Bereich (Maastricht-relevant) und Schulden für Betriebe mit marktbestimmter Tätigkeit unterteilt. Hauptaugenmerk ist auf die Maastricht-relevanten Schulden des hoheitlichen Bereichs zu legen, da sie nicht oder nur zu einem geringen Teil durch zweckgebundene Einnahmen bedeckt werden können. Hierzu zählen Schulden für den Schul- und Kindergartenbau, den Straßenbau, den Bau von öffentlichen Gebäuden und Anlagen, usw.

  • Sozialleistungen: Beitrag der Gemeinden zu Sozialleistungen, die vom Land gezahlt werden wie die Behindertenbeihilfe. Der Betrag jeder Gemeinde hängt von der Finanzkraft ab.

Quelle: Land Burgenland