Erstellt am 20. April 2016, 05:14

von Michael Pekovics

Zaun: Abschied vom „Wir-Gefühl“. Michael Pekovics über die Symbolik eines neun Kilometer langen Grenzzauns.

Ein neuer „Eiserner Vorhang“ wird der geplante neun Kilometer lange Grenzzaun bei Moschendorf zwar nicht werden, Erinnerungen an diese Zeit dürften aber trotzdem bei einigen wach werden. Nüchtern betrachtet könnte man dieser Maßnahme vielleicht sogar noch etwas Gutes abgewinnen – Stichwort Kanalisierung des Ansturms und bessere Organisation sowie einfachere Koordination.

Noch immer wagen sich täglich tausende Menschen über das Mittelmeer, aber seit die Balkanroute einigermaßen dichtgemacht wurde, ist der Strom an Menschen nahezu versiegt. Womit sich schon die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme stellt – wenn sie denn nicht nur ein politischer PR-Gag sein soll. Denn wenn wirklich tausende Menschen an unseren Grenzen stehen, ist nur schwer vorstellbar, dass ein einfacher Zaun sie abhalten würde, einfach loszumarschieren und sich neue Wege zu suchen.

Neun Kilometer Maschendraht können Menschen, die tausende Kilometer unter gefährlichsten Umständen hinter sich haben, nicht aufhalten. Sie können aber das langsam entstehende und gerade für das Pinkatal so wichtige „Wir-Gefühl“ zu Ungarn schädigen. Nachhaltig.